Zoe Hutmacher über ihre Rolle im Stück „Die Vögel“

Kultur / 29.05.2021 • 13:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Zoe Hutmacher (r.) lebt in Berlin und New York und ist nun zum zweiten Mal am Landestheater zu sehen. <span class="copyright">A. Koehler</span>
Zoe Hutmacher (r.) lebt in Berlin und New York und ist nun zum zweiten Mal am Landestheater zu sehen. A. Koehler

Die Schauspielerin spricht im VN-Interview über ihre Rolle der Chorführerin und welche Relevanz das Stück heute noch hat.

Bregenz Heute, Samstag, kommt am Vorarlberger Landestheater die märchenhafte Komödie „Die Vögel“ in der Inszenierung von Johannes Lepper zur Aufführung. Der griechische Dichter Aristophanes verfasste das Stück vor zweieinhalb Jahrtausenden als bissige – und ausgesprochen unterhaltsame – Kritik an der politischen Macht Athens, als eine Art antikes Kabarett mit viel Wortwitz und einer Menge Spott für die Prominenz seiner Zeit. Zoe Hutmacher spricht im VN-Interview über ihre Rolle der Chorführerin und welche Relevanz das Stück, das zu den meistgelesenen antiken Komödien zählt, heute noch hat.

Sie standen bereits in Samuel Becketts „Spiel“ am Vorarlberger Landestheater auf der Bühne. Wie sind Sie zu den Engagements in Vorarlberg gekommen und was gefällt Ihnen hier besonders gut?

Ich habe Stephanie Gräve damals in Basel am Theater kennengelernt und mit ihr dort bereits erfolgreich zusammenarbeiten dürfen, dazu auch mit tollen Theaterkünstlern wie Richard Maxwell und Romeo Castellucci. Gerne bin ich ihr dann später nach Bern und jetzt wieder in das schöne Vorarlberg gefolgt. Das Angenehme am Landestheater hier in Bregenz ist die Verbindung von Kunst und Natur. Ich finde das ganze Team hier großartig und man kann sich wunderbar ans Wasser und in die Umgebung zurückziehen, um für die Rolle zu lernen.

Wie haben Sie sich auf Ihre Rolle der Chorführerin im Stück „Die Vögel“ vorbereitet?

Ich habe erst mal das Original gelesen und dann die übersetzte Fassung, die wir spielen. Ich beschäftige mich auch immer gerne mit der Biographie des Erzählers – der in diesem Falle ja nicht „Alfred Hitchcock“, sondern Aristophanes heißt (lacht). Gerade bei antiken Stücken ist es interessant und hilfreich herauszufinden, in welcher Zeit und unter welchen Umständen der Autor dieses Stück geschrieben hat und wie es sich in die heutige Zeit transportieren lässt. Dann wird erst mal stur Text gelernt. Auf die Konzeptionsprobe freue ich mich immer sehr, denn da trifft man zum ersten Mal das Ensemble und die Kollegen und hört, wie die Bühne und die Kostüme aussehen werden. Man bekommt ein Gefühl dafür, in welche Richtung das Stück gehen wird. Und dann ist man schon mitten im Prozess des Probens und alles kann (muss aber nicht) dann wieder ganz anders werden als gedacht.

Worin liegt die Herausforderung in Ihrer Rolle?

Die Theorie in die Praxis umzusetzen ist immer eine Herausforderung. Aber eine schöne. Obwohl ich das nicht wirklich als Herausforderung empfinde, eher als ein Zusammenspiel. Und das ist hier gegeben, das macht mir Spaß. Die Regie zu berücksichtigen und seine eigene Persönlichkeit mit einzubringen. Der deutsche Kabarettist Florian Schröder hat letztens gesagt: Schauspieler sind wie Fußballer, sie sollen spielen und nicht denken (lacht). Das würde ich so natürlich nicht unterschreiben, aber der Regisseur hat eine Trainerfunktion, nach deren Vorgaben das Ensemble agiert, aber wie du den Ball schießt, bleibt bei dir.

„Die Vögel“ zählt zu den meistgelesenen antiken Werken. Was ist das Besondere an dieser Inszenierung?

Dass sich das Theater diesem Stoff stellt, ist schon mal klasse. Dazu passt vielleicht ein Zitat aus dem Stück: „Wir haben zwei Elstern im Theater, die aus vergessenen, alten Schriften schöne Sätze für Euch stehlen.“ Und so ist es auch, denn man findet im Stück Weisheiten, die immer noch aktuell und übertragbar sind. Der Abend wird ein besonderer werden, aber wie besonders, das verrate ich nicht, dafür müssen Sie schon ins Theater kommen, meine Damen und Herren. Wir freuen uns auf Sie! Die Chorführerin spricht aus mir – ich wusste es.

Inwiefern ist das Stück auch für die heutige Zeit relevant?

Das Stück ist über 2400 Jahre alt und noch so aktuell, wie man anhand der Inhalte sicher gut nachvollziehen kann: Macht und Machterhalt, Demokratie und Anarchie, Missgunst und so vieles mehr. In diesem Stück werden Vögel dafür instrumentalisiert, in ihrer Naivität ein größeres Stück vom „Macht-Kuchen“ haben zu wollen. Und das alles als Komödie. Dazu ein abschließendes Zitat aus meiner Rolle als Chorführerin: „Nichts auf der Welt, ihr Menschen, gleicht dem Glück, sich auf zwei Flügeln in die Lüfte zu erheben.“

Premiere von „Die Vögel“: Samstag, 29. Mai 2021, 19.30 Uhr, Großes Haus; Vorstellungen 1.6., 2.6., 10.6., 11.6., 12.6., 13.6., jeweils 19.30 Uhr, Großes Haus