Michael Heim: Kalt erwischt, aber nun wieder da

Kultur / 01.07.2021 • 12:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Michael Heim: Kalt erwischt, aber nun wieder da
Mit dem skurrilen „Swanhunter“ zeigte Michael Heim bereits, dass er sich dem Wagnerfach widmet.  THEATER/WUCHANSKI

Der Tenor Michael Heim hat wegen Corona viel verloren, an der Oper Stuttgart startet er nun durch.

Thüringen, Berlin Grundsätzlich lasse sich einem Virus am besten mit einem intakten Immunsystem begegnen, bemerkt Michael Heim. Der mittlerweile an vielen Bühnen erfolgreiche Tenor aus Thüringen ist beileibe kein Impfverweigerer, für ihn steht aber fest, dass die Beschäftigung mit Kunst, sei es Singen, Musizieren oder eine andere Betätigung, der Besuch einer Aufführung oder ein ästhetisches Erlebnis das Immunsystem stärkt. Dieser eindeutige Faktor sei in den Corona-Verordnungen nicht berücksichtigt worden, bemerkt er mit viel Nachdruck. Unsere Gesellschaft bezeichne sich als Hochkultur, die Politik habe sich in den letzten Monaten allerdings kulturlos gezeigt. “Es steht wohl außer Frage, dass der Kulturbereich unverhältnismäßig von den Einschränkungen betroffen war.” Während er zusehen musste, wie einige seiner Kolleginnen und Kollegen aufgrund der Auftrittsverbote den Beruf aufgeben mussten, hielt er sich zwar gerade noch über Wasser, kalt erwischt hat es ihn aber, denn die Angebote, die gerade noch vor Corona kamen, waren besonders interessant.

„Wir nennen uns Hochkultur. In der Pandemie hat sich die Politik allerdings kulturlos gezeigt.“

Michael Heim, Tenor

So wäre er etwa bei den Osterfestspielen in Baden-Baden aufgetreten. Nachdem diese gleich zwei Mal abgesagt werden mussten, ist aus der vorgesehenen Produktion “Simplicius Simplicissimus” mit den Berliner Philharmonikern nichts mehr geworden. Dasselbe galt etwa für tolle Engagements an der Frankfurter und an der Hamburger Oper in Werken von Janacek und Schostakowitsch und für einen “Fidelio” in Schwerin. Während er die Zeit nutzte, um sich weitere Wagner-Partien zu erarbeiten, blickte er, wie er erwähnt, ab Mitte März dann anerkennend nach Vorarlberg: “Mit der Modellregion, als wieder Veranstaltungen möglich wurden, hat sich Vorarlberg einmal wirklich in einer Vorreiterrolle gezeigt. Da hat man dann sehen können, dass die Hygienekonzepte bestens funktionieren. Ich hoffe, dass man daraus gelernt hat und mit mehr Augenmaß agiert, sollten die Infektionszahlen wieder steigen.”

Siegfried und Lukullus

In Dresden hatte Michael Heim über die Jahre eine Reihe von Operettenpartien gesungen. Diese Zeit will er hinter sich lassen. “Ich bekomme immer wieder Angebote, sage aber ab, wenn man einen Fachwechsel macht, dann bleibt man bei der Oper.” Dabei möchte er aber betonen, dass die Operette eine gute “Vorschule” für Wagner ist, es gäbe keinen Grund, die Rollen abschätzig zu betrachten. Sie hätten seinen Weg geebnet, an dem nun eindeutig die großen Partien wie Siegfried, Siegmund oder Tannhäuser stehen. “Ich habe Siegfried schon konzertant gemacht, davon gibt es auch eine Aufnahme, für die ich von einem Fachmann ein schönes Kompliment erhalten hatte, der meinte, ich singe ihn am Schluss so frisch wie am Anfang. Ich habe viel Zeit in die Rolle investiert.” Demnächst hat Michael Heim weitere Vorsingen, einen fixen Vertrag in der Tasche hat er mit der Oper Stuttgart. Er singt die Hauptrolle in “Die Verurteilung des Lukullus” von Paul Dessau.

Juli, 17 Uhr, Villa Falkenhorst, Thüringen, Michael Heim und sein Bruder Stefan singen Liebeslieder und sprechen darüber aus der Sicht des Sängers und des Therapeuten.