Wenn nur die Schulen auch so gut wären wie deren Bauten

Kultur / 02.07.2021 • 17:21 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Blick in die Ausstellung im Voralberg Museum mit dem einzigen Bild der C4 Architekten und Karl Sillaber. Museum/RAiner, VN/Hartinger
Blick in die Ausstellung im Voralberg Museum mit dem einzigen Bild der C4 Architekten und Karl Sillaber. Museum/RAiner, VN/Hartinger

Vorarlberg Museum zeigt eine Ausstellung zu Karl Sillaber und den C4 Architekten.

Bregenz Was das moderne Bauen betrifft, hatte Vorarlberg lange Zeit sogar eine Vorreiterrolle und konnte eine gute Positionierung auch halten. Bei den Ausbildungsstätten sieht es – bedenkt man die Situation der Ganztagsbetreuung oder die fehlenden Hochschulen – nicht so gut aus. Zumindest die Gebäude selbst sind meist herzeigbar. Zu den ersten dieser Art zählt die Anfang der 1960er-Jahre errichtete Volksschule in Nüziders, die zur Gründung der überregionalen Architekturgemeinschaft C4 führte. Die Jury hatte damals nach der Einreichung der Pläne nämlich keinen Sieger gekürt, sondern die zweitplatzierten Duos Karl Sillaber (geb. 1932) und Max Fohn (1932-2011) sowie Friedrich Wengler (1930-2015) und Helmut Pfanner (1928-1972) zur Zusammenarbeit motiviert. Das Gebäude war bezeichnend für spätere Arbeiten. Die Anordnung der hellen Räume im eingeschossigen Bau aus Sichtbeton und Sichtziegelwerk mit viel Glas erzeugte einen Innenhof und wurde 1967 mit dem erstmals vergebenen Bauherrenpreis ausgezeichnet.

Mehr Architektur im Museum

Die neue Ausstellung im Vorarlberg Museum konfrontiert nicht nur mit einer Retrospektive, die im Zentrum eine Auseinandersetzung mit qualitätsvoller verdichteter Bauweise sowie Schulbauten enthält, sie dokumentiert auch die verstärkten Anstrengungen der Institution, der Baukunst im Land neben der Geschichte und der bildenden Kunst entsprechenden Raum zu gewähren. Die Erstellung von Architekturmodellen zu erworbenen Fotodokumenten und Plänen von C4 erweist sich als wichtiger Beleg dafür, dass die Architektur in diesem Jahr zu den Sammlungsschwerpunkten zählt. Zur von Ingrid Holzschuh kuratierten Ausstellung wurde ein umfangreiches Katalogbuch aufgelegt. Es bietet wie auch die Ausstellung vertiefende Auseinandersetzung, aber auch Streitpunkte, die sich über einige Geschäftsbauten ergeben könnten. Wobei deutlich wird, dass eine hochwertigere verdichtete Bauweise in Zukunft wohl das Um und Auf ist. Diesbezüglich hat Vorarlberg durchaus Aufholbedarf. Karl Sillaber sieht ihn – wie man einem Beitrag entnehmen kann – auch an anderer Stelle: „Natürlich hat der Holzbau in Vorarlberg eine große Tradition. Was mir auf die Nerven geht oder was schlecht ist, ist die ,Blöckchen-Bauerei‘, die da fantasielos in der Gegend produziert wird.“ VN-cd

Wenn nur die Schulen auch so gut wären wie deren Bauten
Zeuge moderner Architektur: Reihenhaussiedlung der C4-Architekten in der Amtstorstraße in Bregenz.
Zeuge moderner Architektur: Reihenhaussiedlung der C4-Architekten in der Amtstorstraße in Bregenz.

Die Ausstellung “Karl Sillaber und C4 Architekten” im Vorarlberg Museum in Bregenz ist ab 3. Juli bis 9. Jänner nächsten Jahres geöffnet, Di bis So, 10 bis 18 Uhr.