Wenn nur die Schulen auch so gut wären wie ihre Gebäude

Kultur / 03.07.2021 • 14:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Wenn nur die Schulen auch so gut wären wie ihre Gebäude
Architekt Karl Sillaber vor einem Fotodokument im Vorarlberg Museum. VN/HARTINGER

Das Vorarlberg Museum zeigt eine Ausstellung zu Karl Sillaber und den C4 Architekten.

Bregenz Was das moderne Bauen betrifft, hatte Vorarlberg lange Zeit eine Vorreiterrolle und konnte eine gute Position auch halten. Bei den Ausbildungsstätten sieht es – bedenkt man die Situation der Ganztagsbetreuung oder die fehlenden Hochschulen – nicht so gut aus. Zumindest die Gebäude selbst sind meist herzeigbar. Zu den ersten dieser Art zählt die Anfang der 1960er-Jahre errichtete Volksschule in Nüziders, die zur Gründung der überregionalen Architekturgemeinschaft C4 führte. Die Jury hatte damals nach der Einreichung der Pläne nämlich keinen Sieger gekürt, sondern die zweitplatzierten Duos Karl Sillaber (geb. 1932) und Max Fohn (1932-2011) sowie Friedrich Wengler (1930-2015) und Helmut Pfanner (1928-1972) zur Zusammenarbeit motiviert. Das Gebäude war bezeichnend für spätere Arbeiten. Die Anordnung der hellen Räume im eingeschossigen Bau aus Sichtbeton und Sichtziegelwerk mit viel Glas erzeugte einen Innenhof und wurde 1967 mit dem erstmals vergebenen Bauherrenpreis ausgezeichnet.

Blick in die Ausstellung im Vorarlberg Museum. <span class="copyright">Museum/Rainer</span>
Blick in die Ausstellung im Vorarlberg Museum. Museum/Rainer

Die neue Ausstellung im Vorarlberg Museum konfrontiert nicht nur mit einer Retrospektive, die im Zentrum eine Auseinandersetzung mit qualitätsvoller verdichteter Bauweise sowie Schulbauten enthält, sie dokumentiert auch die verstärkten Anstrengungen der Institution, der Baukunst im Land neben der Geschichte und der bildenden Kunst entsprechenden Raum zu gewähren. Die Erstellung von Architekturmodellen zu erworbenen Fotodokumenten und Plänen von C4 erweist sich als wichtiger Beleg dafür, dass die Architektur in diesem Jahr zu den Sammlungsschwerpunkten zählt. Zur von Ingrid Holzschuh kuratierten Ausstellung wurde ein umfangreiches Katalogbuch aufgelegt.

Blick in die Ausstellung im Voralberg Museum mit dem einzigen Bild der C4 Architekten und Karl Sillaber. Museum/RAiner, VN/Hartinger
Blick in die Ausstellung im Voralberg Museum mit dem einzigen Bild der C4 Architekten und Karl Sillaber. Museum/RAiner, VN/Hartinger

Es bietet wie auch die Ausstellung vertiefende Auseinandersetzung, aber auch Streitpunkte, die sich über einige Geschäftsbauten ergeben könnten. Wobei deutlich wird, dass eine hochwertigere verdichtete Bauweise in Zukunft wohl das Um und Auf ist. Diesbezüglich hat Vorarlberg durchaus Aufholbedarf. Karl Sillaber sieht ihn – wie man einem Beitrag entnehmen kann – auch an anderer Stelle: “Natürlich hat der Holzbau in Vorarlberg eine große Tradition. Was mir auf die Nerven geht oder was schlecht ist, ist die ,Blöckchen-Bauerei’, die da fantasielos in der Gegend produziert wird.

Neues Bauen in Vorarlberg. <span class="copyright">Museum/Rainer</span>
Neues Bauen in Vorarlberg. Museum/Rainer

Die Ausstellung “Karl Sillaber und C4 Architekten” im Vorarlberg Museum in Bregenz ist ab 3. Juli bis 9. Jänner nächsten Jahres geöffnet, Di bis So, 10 bis 18 Uhr.