Wo königliches Abrocken möglich ist

Kultur / 03.07.2021 • 17:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wo königliches Abrocken möglich ist
Helmut King und die Musik gehören irgendwie zusammen. VN/HARTINGER

Mit Helmut King wird der Bregenzer Kunstsommer bunt, er verdeckt aber nicht das Subversive.

Bregenz Wer sich den vollen Genuss gönnen will, der spaziert in diesem Sommer nicht gleich die Bregenzer Kirchstraße hinauf, um sich dort im Haus 29 in perfekten, zweigeschossigen Galerieräumlichkeiten einzufinden, er besorgt sich erst einmal Durchlüftung per Schifffahrt auf dem Bodensee. Erwischt man nämlich ein Gefährt aus der Flotte der Vorarlberg Lines, findet bereits die Erstbegegnung mit einem Werk von Helmut King statt. Der Vorarlberger Künstler (geb. 1950) hat eines seiner zentralen Bildsymbole, den Kretzer, dem Unternehmen überlassen, er signiert sozusagen jene Schiffe in bester Graffiti-Manier, die er selbst gern für den Weg von seiner Wohnung am deutschen Ufer zum Atelier in Hard benutzt. Ob man weiß, dass der abstrahierte Fisch aus der Familie der Barsche in Vorarlberg auch für das Subversive steht bzw. für das Zeichen, mit dem vor ein paar Jahrzehnten nicht nur gegen die kulturelle Biederkeit aufbegehrt, sondern im Rahmen von Veranstaltungen und Aktionen auch etwas unternommen wurde? So manierlich wie das Tierchen erscheint, war das damals nicht und das ist es auch heute nicht, auch wenn sich King längst derart etabliert hat, dass ihm der Bregenzer Kulturservice mit Leiterin Judith Reichart und dem bekannten Kulturvermittler Jürgen Weishäupl als Kurator eine Ausstellung ausrichtet. Dass über die Jahre Rebellische muss sich deswegen ja nicht verflüchtigt haben.

Ob Verpackungsmaterial oder ein Instrument, alles lässt sich von King adeln.
Ob Verpackungsmaterial oder ein Instrument, alles lässt sich von King adeln.

Wer sich an die Kunstrausch-Aktion vor knapp 25 Jahren erinnert, der weiß auch, dass der Bau des Kunsthauses von den kulturaffinen Menschen sicher begrüßt wurde, während man einer damit einhergehenden gesellschaftlichen Öffnung durchaus misstraute.

“Music is the best” lautet der von einem Ausspruch von Frank Zappa (1940-1993) abgeleitet Titel der Ausstellung. Mit Zappa habe er in jungen Jahren an sich gar nicht so viel anfangen können, gesteht Helmut King. Mittlerweile scheint sich fast alles bei ihm um den Musiker und Komponisten zu drehen, der nicht nur zu den Heroes des Rock- und Pop-Genres zählt, sondern, der auch den Jazz und die moderne Klassik streift und dessen politisches bzw. sozialkritisches Engagement zwar in Richtung Vereinnahmung zu durchleuchten ist, aber durchaus gegeben war. Vordergründig witzig wirken die Männchen und Figuren, zu denen ihn die Plattencover – etwa jenes mit dem Wiesel -, und Begegnungen mit Zappa-Kollegen und Fans inspirierten, Harmloses braucht bei Sichtung der Fülle von in der Nähe von Comics angesiedelten Arbeiten allerdings nicht befürchtet zu werden. King hat sich bezüglich Obsession und Freiheit noch nie ein Blatt vor den Mund genommen und die pure Provokation ist auch nicht sein Ding. Aber er sieht – und das steht in einer großen Tradition – in jedem noch so banalen Ding das Potenzial für ein Kunstwerk und verwandelt es.

Eröffnung am 3. Juli, 16 bis 18 Uhr. Geöffnet in der Galerie 9und20 in der Kirchstraße 29 in Bregenz bis 5. September, Mi bis Fr, 16 bis 19 Uhr, Sa, 11 bis 15 Uhr.