Die Jugend erobert die alte Stella-Kapelle

Kultur / 04.07.2021 • 15:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Jugend erobert die alte Stella-Kapelle
Philipp Schöbi und Benjamin Lack. Konservatorium/Victor Marin


<strong>Die KBSinfonietta und Solist Fridolin Schöbi überzeugten mit extrem hohem Leistungsniveau.

FELDKIRCH Das war wieder eines jener Konzerte, die man lange nicht vergisst. Weil man einfach verblüfft war von der Art, mit der das schlicht KBSinfonietta benannte jüngste Orchester des Landeskonservatoriums die Kapelle der alten Stella und damit auch das zahlreiche Publikum im Sturm eroberte. Man wähnte sich lange im falschen Film, denn das konnte einfach nicht möglich sein, dass diese erst 14- bis 18-jährigen Musikgymnasiasten, denen noch einiges an Ausbildung fehlt, als angehende Orchestermusiker beinahe jenes Niveau erreichten, das man von den „Großen“ im Sinfonieorchester des Hauses zu hören gewohnt ist.

Diese Einschätzung gilt in gleichem Maße auch für den vom Publikum lautstark bejubelten Solisten dieses Chor- und Orchesterkonzerts. Der Feldkircher Bratschist Fridolin Schöbi, Jahrgang 2002, ist einer von 21 Musikgymnasiasten, die heuer dort maturiert und ihren Abschluss am Pre-College gemacht haben. Hier findet Schöbi nun endlich Gelegenheit, vor einem ihm vertrauten Publikum seine außergewöhnlichen Fähigkeiten anhand des Violakonzerts von F. A. Hoffmeister, das gemeinhin als Prüfstein für dieses Instrument gilt, zu demonstrieren. Neben seiner extrem hohen Musikalität weist er bereits die Reife einer bei Bratschist Klaus Christa solide ausgebildeten jungen Musikerpersönlichkeit auf. Er spielt das virtuose Werk komplett auswendig, korrespondiert im mozärtlichen Mittelsatz in dunkler Legato-Tönung mit seinen aufmerksam begleitenden Kollegen, kostet die Kadenzen fein aus und lässt sich nicht einmal durch die verwegenen Griff- und Spieltechniken im Rondo aus der Ruhe bringen.

Für das Gelingen eines so risikoreichen Unterfangens ist natürlich professionelle Hilfe durch den unverzichtbaren Benjamin Lack am Pult notwendig, der die Youngsters top motiviert hat und ihnen nun die notwendige Kompetenz und Sicherheit vermittelt. Gleich am Beginn gibt Lack einer kleineren Gruppe des Orchesters die Freiheit, ohne sein Dirigat eine Serenata des steirischen Barockmeisters Johann Joseph Fux zu musizieren. Und es ist absolut spannend zu erleben, wie die jungen Musiker diese Aufgabe wie Profis ausführen, mit einer Mischung aus größter Ernsthaftigkeit und jugendlicher Lockerheit, angeführt von der jungen Konzertmeisterin Rahel Neyer und mit den beiden Absolventen Gabriel Morre und Jonas Inauen als Solisten auf ihren brillant geblasenen langen Barocktrompeten.

Eingerahmt wird das Programm von zwei prächtigen geistlichen Chorwerken Georg Friedrich Händels, die auch dem Chor des Konservatoriums entsprechende Entfaltungsmöglichkeiten bieten. Chorgesang ist dort bekanntlich Pflichtfach auch für Studenten aus dem Instrumentalbereich und damit nicht immer ganz freiwillig. Dennoch gelingt es Benjamin Lack, aus diesem heterogenen Angebot einen kompakten, wenn auch durchgehend sehr wortdeutlichen Chorklang zu erzeugen, in dem nur die Männerstimmen etwas unterbelichtet sind. Zusätzlich hat er kleinere Solopartien einigen Studenten aus Gesangsklassen anvertraut und diese im ruhigen Mittelteil des abschließenden machtvollen „Coronation Anthems“ auch zu einem fein abgestimmten Doppelquartett vereint. Zuvor stellt das „Utrechter Te Deum“ von 1713 mit seinen polyphonen Passagen besondere Anforderungen an Konzentration, Schlankheit und Beweglichkeit der Chorstimmen. In historisch informierter Spielweise, mit straffen Tempi und differenzierter Dynamik erzielt Lack den erwünschten Effekt barocker Prachtentfaltung. Fritz Jurmann

<br>

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.