Wo Hamlet als Wolf begeistert

Kultur / 06.07.2021 • 18:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Wo Hamlet als Wolf begeistert
“Wir lernen nicht nur, wir machen Kultur”, lautet das Motto an der Musikmittelschule Bergmannstraße in Dornbirn.  SCHULE

Rund 120 Schülerinnen und Schüler setzen sich mit einem Musical gegen Corona durch.

Dornbirn „Jeder kann etwas“, singt der Chor. Ob es sich um etwas Herausragendes oder um eine kleine Gabe handelt, ist unbedeutend, denn wenn jeder etwas nach seinen Talenten beiträgt, dann lassen sich auch schwierige Aufgaben bewältigen. Im Musical „Das wilde Pack“ geht es um die Befreiung von Zootieren, denen ein verwöhnter Fratz an den Pelz will, für die Musikmittelschule in Dornbirn liegt das Herausfordernde in der Realisierung dieser Musiktheaterproduktion selbst. Denn das will vor allem in der Pandemie-Zeit etwas heißen. Es ist somit gewiss nicht dem Zufall geschuldet, dass eine Schulproduktion hier wie eine Profi-Aufführung in den Fokus rückt. Das Engagement ist begeisternd, und nach den überaus unterhaltenden knapp eineinhalb Stunden schwingt die Überzeugung mit, dass die jungen Leute hier etwas für ihr späteres Leben mitnehmen bzw. dass die Erfahrungen, die sie nun gesammelt haben, vielleicht berufsentscheidend wirken oder dass die Kreativität so weit entfacht ist, dass sie sich später unwillkürlich abrufen lässt. Fazit: Hamlet fasziniert nicht nur als titelgebende Figur in einem Shakespeare-Drama, sondern auch als Wolf.

Das Werk hat einen guten Plott, lebt von witzigen Einfällen und einer spannenden Musik.
Das Werk hat einen guten Plott, lebt von witzigen Einfällen und einer spannenden Musik.

Monatelanges  Homeschooling, Kontakte mit den Lehrerinnen und Lehrern über digitale Kanäle und Einüben der Partien im Selbststudium vor dem Computer. So muss man sich die letzten Monate und Wochen von rund 120 Schülerinnen und Schülern vorstellen. Wobei es sich nicht um Jahrgänge handelt, von denen Selbstständigkeit und Reife zu verlangen ist, Mittelschulen werden bekanntermaßen von Zehn- bis 15-Jährigen besucht. Die Musikmittelschule Bergmannstraße in Dornbirn besteht seit rund 40 Jahren, die Proben für Auftritte und Konzerte oder gar Tourneen stehen quasi auf dem Stundenplan, nur seit Corona ist alles anders. Heuer trotz aller Schwierigkeit eine Musiktheaterproduktion zu realisieren und damit nicht nur einen besonderen Leistungsbeweis zu dokumentieren, sondern den Kooperationswillen in der Lehrerschaft, war Direktor Axel Girardelli ein großes Anliegen. Oskar Egle, namhafter Chorleiter mit viel Erfahrung im Erarbeiten von Bühnenprogrammen mit Kindern und Jugendlichen, gilt zwar als Garant für Qualität, schiefgehen könnte aufgrund der besonderen Situation viel, und nicht zuletzt wusste bei Probenbeginn niemand, ob die Corona-Auflagen überhaupt Aufführungen zulassen.

Das Klangbild der gemischten Chöre ist exzellent.
Das Klangbild der gemischten Chöre ist exzellent.

Nun weiß man, das Projekt stand unter einem guten Stern, das Engagement der jungen Leute und des Lehrkörpers wurde somit auch von nicht beeinflussbaren Faktoren belohnt, und das Publikum ließ sich gleich bei der ersten Aufführung im Dornbirner Kulturhaus so richtig mitreißen.

Zum Kollektiv gereift

Der Plot des Werks von Robert Neumann nach Kinderbüchern von Marx und Pfeiffer erweist sich für derlei Unternehmungen als dankbar. Witzige Gags und Wendungen bringen Spannung und die Musik streift durchaus anspruchsvoll die breite Pop-Jazz-Schlager-Palette. Frei nach dem Hit 101 Dalmatiner ruft der Anblick eines pelzigen Tieres bei der jungen Constanze keinerlei Empathie hervor, der Wert der Zooinsassen hängt für sie von der Nutzbarkeit des Fells ab. Da der Vater nichts Besseres zu tun hat, als seine Position als Zoodirektor zur Erfüllung jeglichen Wunsches zu nutzen, haben der Wolf Hamlet und später auch der Gorilla Barnabas sehr schlechte Karten. Abhilfe kann nur jenes wilde Pack schaffen, das als Ansammlung von lauter Individualisten irgendwo im Untergrund haust und erst noch zum Kollektiv werden muss. Ein Chamäleon, ein Stinktier, ein Kolibri und etwa auch eine Schlange haben reizvolle Solopartien, der Chor, der begeisternd schöne Klangbilder erreicht, kommentiert die Handlung und treibt sie voran. Die Solopartien sind mehrfach besetzt, deshalb sei die Gesamtleistung unterstrichen. Wer gut zuhört, bemerkt ohnehin, dass es an dieser Schule ein paar Sonderbegabungen gibt.

Nächste Aufführung das Musicals “Das wilde Pack” der Musikmittelschule Dornbirn am 7. Juli, 19 Uhr, im Kulturhaus Dornbirn.