Kluge Kunst mit riesigem Spaßfaktor

Kultur / 13.07.2021 • 20:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Format und Standort der digitalisierten Arbeiten von Erwin Wurm im Dornbirner Stadtraum folgen einem stringenten Konzept und fordern zur Interaktion auf. kunstraum, Dietrich
Format und Standort der digitalisierten Arbeiten von Erwin Wurm im Dornbirner Stadtraum folgen einem stringenten Konzept und fordern zur Interaktion auf. kunstraum, Dietrich

Der Kunstraum Dornbirn zeigt mit Erwin Wurm auf, wie ein digitales Ausstellungsformat funktioniert.

Dornbirn Wenn Arbeiten des Bildhauers Erwin Wurm für Vorarlberg zu sichern sind, dann sollte der Ort des Ausstellungsprojektes auf jeden Fall Dornbirn sein. Diesen Vorteil hat sich die Stadt nicht nur mit dem Kunstraum gesichert, dessen Team bereits mehrmals mit dem namhaften Österreicher (geb. 1954 in Bruck an der Mur) zusammenarbeitete, sondern auch mit der Bewerbung um den Titel Europäische Kulturhauptstadt. Den hat man zwar knapp verfehlt, doch nicht nur deshalb werden einige der vorbereiteten und im Bidbook, dem zentralen Bewerbungsdokument, erläuterten Projekte dennoch verwirklicht. Die Wurm-Präsenz per Augmented Reality ist nach der Ausstellung „Big“ im Corona-Sommer 2020 sowie angesichts der aktuellen Debatte über vernünftige und gewinnbringende Digitalisierung so logisch wie nur etwas.

Kulturpolitik

Bezeichnend für das Hinterherhinken der Kulturpolitik in Vorarlberg ist es allerdings, dass das Unternehmen „Kulturraumstadt“ nun zwar von der EU finanziell unterstützt wird, dass das Land aber keinerlei Bereitschaft zeigte, mit einem auch nur kleinen finanziellen Beitrag als Partner der Stadt Dornbirn aufzutreten. Kunstraum-Leiter Thomas Häusle weiß hingegen, wo es hakt, er nimmt es nicht nur zur Kenntnis, dass die jüngere Generation kaum noch in den Museen anzutreffen bzw. nicht zu den Rezipienten von zeitgenössischer Kunst zählt, er tut etwas dagegen.

Es mag sehr spielerisch und trendig wirken, wenn nun nicht Objekte, sondern QR-Codes im Stadtraum anzutreffen sind. Doch wer die Wikar-App installiert hat und den Code scannt, der hat dann nicht nur die Skulptur auf dem iPhone oder iPad, er kann mit dieser auch interagieren und darf sicher sein, dass sie genau so aussieht, wie sie Wurm haben wollte und dass sie auch genau dort steht, wo es dem Künstler sowie den Kuratoren Jürgen Weißhäupl und Gerald Matt am geeignetsten schien.

Dem niederschwelligen Zugang entsprechend, schwebt nun neben der inatura eine riesige Banane, während der Künstler im Park vor dem Kunstraum auf dem Teppich schwebt und im Ausstellungsgebäude, der erhaltenen Montagehalle einer Fabrik, höchst persönlich, pardon durch die Visualisierung per App, anzutreffen ist. Dass Wurm mit leicht dechiffrierbaren Codes die Überflussgesellschaft, die Gier, aber auch den Mangel oder die Engstirnigkeit thematisiert, weiß man seit der Begegnung mit einem seiner „Fat Cars“ oder dem „Narrow House“, und so besteht mitten auf dem Marktplatz die Möglichkeit der Interaktion mit einer Figur aus dicken Würsten, unweit davon stößt man auf eine Handfeuerwaffe oder eine Polizeimütze. Und unter der „Flying Mother“, einer riesigen Wärmeflasche, darf man sich vergewissern, dass das Werk in echt jüngst für den Wiener Stephansdom auserkoren wurde.

Kluge Kunst mit riesigem Spaßfaktor
Kluge Kunst mit riesigem Spaßfaktor
Kluge Kunst mit riesigem Spaßfaktor
Kluge Kunst mit riesigem Spaßfaktor
Kluge Kunst mit riesigem Spaßfaktor

Augmented Reality Projekt “Kunstraumstadt” in Dornbirn von 13. Juli bis 31. Oktober per AR-App und QR-Codes im Stadtraum: www.kunstraumdornbirn.at/krs