Eine Ausstellung, die wirklich hoch hinaus führt

Kultur / 16.07.2021 • 13:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Eine Ausstellung, die wirklich hoch hinaus führt
Museumsdirektor Andreas Rudigier mit dem Künstler Nino Malfatti. VN/KH

Vorarlberg Museum präsentiert im großen Atrium den Tiroler Maler Nino Malfatti.

Bregenz 23 Meter hoch ist die nutzbare Wandfläche im Atrium im Vorarlberg Museum. Für Alpinisten ist das zwar ein Klacks, doch während die Architektur allein schon beeindruckend ist, öffnet sich dem Besucher der Blick auf lauter Berge, Felsformationen, Gipfel, Gletscher, Geröll, Wiesen und Wälder, wie sie allesamt erst ab etwa 1000 Metern über dem Meer anzutreffen sind.

Bergfexe oder Talbewohner des Landes, die im Unterstufengeografieunterricht gut aufgepasst haben, werden gleich einmal ein paar Vorarlberger Gipfel und Kuppen ausmachen können, ums Rätselraten geht es Nino Malfatti (geb. 1940 in Innsbruck) aber auch dann nicht, wenn er seine Arbeiten mit „Zett von En“ oder „von Es“ und „PB“ betitelt. Die Zimba oder den Piz Buin zu erkennen, ist nicht das Wesentliche, das Interesse von Malfatti, der nicht nur in Wien, sondern in Karlsruhe unter anderem bei Horst Antes, dem Mitbegründer der neuen figurativen Malerei, studiert hatte, der aber nie zu den neuen Wilden zählte, und zuerst konstruktivistisch arbeitete, galt stets der Form. Beruflich auch als Restaurator tätig, war er in der künstlerischen Freiheit von keinerlei Mechanismen eingeschränkt. Das Aufspüren von Strukturen und Farbschattierungen verfolgte er sein ganzes Künstlerleben hindurch mit großer Konsequenz. In dieser sah Eckhard Schneider, der einstige Direktor des Kunsthaus Bregenz, der Arbeiten von Malfatti rezensierte, die Qualität. Dem ist nicht zu widersprechen. Schon in den 1970er-Jahren war Malfatti mit Arbeiten auf der Weltkunstschau documenta in Kassel vertreten.

Was hyperrealistisch wirkt, ist der Auseinandersetzung damit geschuldet, wie natürliche Effekte im Bild zur Wirkung gebracht werden können. Ob sich im Bereich der Kanisfluh, die in einer der jüngsten Arbeiten zum großformatigen Motiv wurde, wirklich ein derart dickes, sattes Grün zeigt, diese Frage beantwortet Malfatti mit dem Verweis, sich die Gegend im Bregenzerwald einmal kurz nach einem Regen vor Augen zu führen. Er betone nur, was ihm in der Natur wichtig erscheint.

An die 100 Arbeiten sind im Vorarlberg Museum zu sehen. Die jüngsten stammen aus den frühen 1980er-Jahren und zeigen noch Details von Felsen und Formationen, ein ganzer Zyklus entstand angesichts der Ockerfelsen bei Roussillon. Dass er das Silvrettagebiet und den Bregenzerwald erkundete, erkletterte und für die Nachwelt sozusagen mit Adleraugen festhielt, bietet ein Schauerlebnis. Jegliche Idylle bleibt weit draußen, die Vereinnahmung wie die politische Instrumentalisierung der Bergwelt sind ein heikler Bereich, in den die Arbeiten Malfattis niemals schlittern.

Zu den vielen Bezugspunkten zu Vorarlberg, die kundige Besucher bereits bei Ausstellungen von Malfatti im Museum für Druckgrafik in Rankweil oder in der Galerie Arthouse in Bregenz ausmachten, zählt eine Lithografie der Kanisfluh, die der Künstler in der Druckwerkstatt von Markus Gell in Rankweil schuf.

Eröffnung der Ausstellung im Vorarlberg Museum am 16. Juli, 17 Uhr. Geöffnet bis 3. Oktober, Di bis So, 10 bis 18 Uhr