Die Hauptproduktionen der Bregenzer Festspiele sind premierenreif

Kultur / 19.07.2021 • 10:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Hauptproduktionen der Bregenzer Festspiele sind premierenreif
Mit „Nero“ von Arrigo Boito wird in der Inszenierung von Olivier Tambosi im Festspielhaus ein zeitlicher Bogen vom Rom mit dem Frühchristentum bis ins frühe 20. Jahrhundert gespannt.  VN/STEURER

Trotz des Spektakels zeigt sich in den Opern “Nero” im Festspielhaus und “Rigoletto” auf der Seebühne viel Psychologie.

Bregenz Kleine Pannen in den Hauptproben werden oft als gutes Omen gewertet. Am Samstagabend kam hinzu, dass jene rund 1000 Jugendlichen, die als die ersten Zuschauer der Saison am See zugelassen waren, bei einer aus technischen Gründen notwendig gewordenen Unterbrechung keinerlei Ungeduld zeigten. Auch der immer wieder einsetzende Regen hat niemanden verscheucht und am verspäteten Ende bekundete man mit viel Jubel und Applaus, dass es gefallen hat, was Regisseur Philipp Stölzl da mit der Oper „Rigoletto“ von Verdi macht. Der riesige, marionettenhaft bewegte Clownskopf, der zugleich mitspielende Figur als auch Podium für höchst spektakuläre Auftritte und Versinnbildlichung des tragischen Schicksals eines Spaßmachers an einem Herzogshof (oder hier in einem Zirkus) ist, gehört seit der Premiere im Sommer 2019 quasi zum Stadtbild von Bregenz.

Der Clownskopf in "Rigoletto" auf der Seebühne hat die verlängerte Wartezeit bestens überstanden und beweist seine Kraft als Figur und Bühne.
Der Clownskopf in "Rigoletto" auf der Seebühne hat die verlängerte Wartezeit bestens überstanden und beweist seine Kraft als Figur und Bühne.

Zu ergänzen brauchte Stölzl nichts, nach der öffentlichen Generalprobe am Montag erfolgt am Donnerstag der Start von insgesamt 28 Aufführungen der diesjährigen Bregenzer Festspiele, für die die Tickets rar werden.

Abgründe

„Nero“ von Arrigo Boito, die mehr oder weniger große Unbekannte im Festspielhaus, ermöglicht es Regisseur Olivier Tambosi, einen Bogen von der Entstehungzeit ab den 1860er-Jahren bis zum Uraufführungsdatum im Jahr 1924 mit Verweisen ins erste Jahrhundert zu spannen. Die Taten des römischen Kaisers sind unerheblich, in der psychologisch motivierten Handlung steht er für die Konfrontation mit den eigenen Abgründen, mit der Macht oder den Herausforderungen, die auch ein positiv zu wertender gesellschaftlicher Wandel mit sich bringt. Die Musik, für die der Orchestergraben im Übrigen nicht ausreicht, erzähle “ähnlich wie Kraftzentren die unterschiedlichen Welten, in die dieser Nero geworfen wird, und die er in sich trägt“, erklärt Dirigent Dirk Kaftan im Gespräch mit den VN. Mit sehr tonalen Passagen und atonalen Momenten, die für das Böse stehen, sei sie ihrer Zeit voraus.

Szene aus "Nero". <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Szene aus "Nero". VN/Steurer

Premiere von “Nero” am 21. Juli, 19.30 Uhr, im Bregenzer Festspielhaus; Premiere der Wiederaufnahme von “Rigoletto” auf dem See am 22. Juli, 21.15 Uhr.