“Auf vielen Kontinenten beheimateter Weltbürger”

Kultur / 26.07.2021 • 20:33 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Krasznahorkai thematisiert den Verlust des Humanismus in der Gesellschaft.apa
Krasznahorkai thematisiert den Verlust des Humanismus in der Gesellschaft.apa

László Krasznahorkai erhielt den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur.

Salzburg Der ungarische Schriftsteller László Krasznahorkai (67) ist am Montag in der Universität Mozarteum Salzburg mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur ausgezeichnet worden. Die mit 25.000 Euro dotierte Ehrung wurde von Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer überreicht. „Jedes seiner Bücher ist ein literarisches Wunder“, sagte sie, er habe ein „einzigartiges und eigensinniges Werk“ geschaffen, „wohldurchdacht und unnachahmlich“.

Krasznahorkai sei ein „ungarischer Europäer“ und „ein auf vielen Kontinenten beheimateter Weltbürger“, der einzigartig in seinem Stil sei, hemmungslos in der Schaffung realer und surrealer Szenen, maßlos in seinen Sätzen. Auf diese ausufernden Sätze ging auch Laudator Klaus Kastberger ein. Sein Roman „Herscht 07769“ bestehe etwa aus einem einzigen langen Satz. In dem Buch geht es um die Zustände in einer kleinen Stadt in Thüringen. Diese Sätze hätten im deutschsprachigen Raum trotz hervorragender Übersetzungen dazu beigetragen, dass Krasznahorkai hierzulande „noch fast ein Geheimtipp“ sei, während er im englischsprachigen Raum „fast Kultstatus“ genieße, sagte Kastberger und zitierte einen Ausspruch von Susan Sontag, wonach der Autor „der ungarische Meister der Apokalypse“ sei – eine menschengemachte Apokalypse freilich, denn Krasznahorkai bezöge sich immer auf den Verlust des Humanismus in der Gesellschaft. „Das aktuell noch kaum Denkbare bekommt bei ihm fiktionalen Raum“, die Verhältnisse in Ungarn bildeten die Grundierung seiner Bücher. Da passe es ins Bild, dass im ungarischen Lehrplan Bücher von ihm und seinen Kollegen Kertesz, Nadas und Esterhazy von der Leseliste gestrichen wurden.

Zu den bisherigen Preisträgern zählen etwa Patrick Modiano, Karl Ove Knausgard, Zadie Smith, Michel Houellebecq und Drago Jancar.