Vorarlberger Autor schrieb neues Stück für neues Theaterfestival

Kultur / 28.07.2021 • 21:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Vorarlberger Autor schrieb neues Stück für neues Theaterfestival
otoprobe “Die Puppenmacherin” vom Ensemble X, im Rahmen des Festivals Poligonale

Beim Theaterfestival Poligonale in Hohenems wird das Stück „Die Puppenmacherin“ von Thomas Welte gezeigt.

Hohenems Die Vergangenheit hat ihnen die Sprache verschlagen. Zwei Menschen treffen aufeinander und verhandeln die Verbrechen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Davon handelt das Stück „Die Puppenmacherin“ aus der Feder des Vorarlberger Autors Thomas Welte, der auch Regie führt. Der Theatermacher gründete 2014 das Kollektiv „Shakespeare am Berg“, das heuer zur Poligonale umbenannt wurde. Neue Aufführungsstätte ist das Zentrum von Hohenems. Zentrales Anliegen des Poligonale-Teams ist es, einen ungewöhnlichen und neuartigen Zugang zu bieten. „Wenn mehrere Menschen mit einem Thema beschäftigt sind, ergeben sich spannende Perspektiven und Ideen. Gemeinsam entwickeln wir Geschichten weiter und finden neue Wege“, sagt Welte.

Mit der „Puppenmacherin“ werden Grenzen und Möglichkeiten aufgezeigt. Als Initialzündung für die Idee diente der Fall des Nationalsozialisten Theodor Oberländer, der 1953 bis 1960 als Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte fungierte. „Ohne ihn würde es die Handlung nicht geben, aber er stellt nur eine Nebenfigur dar. Die Geschichte ist fiktiv.“ Das Ensemble besteht aus zwei Schauspielerinnen mit Puppen und dem Pianisten Christopher Lübeck, der das Stück musikalisch begleitet. Im Zentrum der Geschichte stehen eine Täterin und ein bewaffnetes Opfer. Pan Selle, die bereits seit der Theatergründung festes Mitglied ist, übernimmt die Rolle des Kaspar. Katrin Jaehne, die als Kommissarin in der Krimiserie Soko Potsdam zu sehen war, spielt die Figur Magdalena. Eine Wohnung, in der eine jüdische Familie gelebt hat, wird zum Schauplatz für eine intensive Abrechnung. Die überlebende Tochter kehrt dorthin zurück und trifft dort auf die Schwester von Theodor. Gemeinsam beginnen sie ihre Vergangenheit aufzuarbeiten. „Die Akteure haben soziale Schwächen im Umgang mit anderen Menschen. Durch den Einsatz der Puppen gelingt es ihnen, diese zu überwinden und besser mit Gefühlen umzugehen.“ Die Puppen werden zum Sprachrohr und drücken aus, was sie denken, fühlen und sich verkneifen. Am Ende helfen sie den menschlichen Hauptfiguren ihren eigenen Weg zu finden.

Das Theaterstück wird auf eine humorvolle Art und Weise umgesetzt. Als komödiantisches Vorbild diente unter anderem der Filmregisseur und Schauspieler Ernst Lubitsch. „Von der ersten bis zur letzten Sekunde soll das Stück kein Drama sein. Bei schwerwiegenden Themen bietet der Humor einen guten Zugang und eine Möglichkeit der Verarbeitung.“ Thomas Welte möchte nicht mit erhobenem Zeigefinger durch die Gegend rennen, sondern Denkanstöße liefern. „Als Künstler ist man dazu da, Dinge aufzuarbeiten und Lösungsmöglichkeiten vorzuschlagen oder auch offen zu lassen. Der Diskurs spielt dabei eine wichtige Rolle. Aus meiner Sicht ist es wichtig, solche Themen aufzugreifen und dem Publikum näherzubringen.“ Das Ausloten von Möglichkeiten ist ein zentrales Anliegen der Theatermacher, die Zuseher werden mit verschiedenen Perspektiven konfrontiert. Miriam Sorko

Premiere „Die Puppenmacherin“ Donnerstag, 29. Juli, um 21 Uhr, Volkschule Markt Hohenems. Weitere Aufführungen bis 15. August: www.poligonale.com