Uraufführung bei Festspielen gut aufgenommen: Uploaden, um ewig zu leben – geht das?

Kultur / 30.07.2021 • 09:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Filmoper „Upload“ von Michel van der Aa wurde am Donnerstagabend bei den Bregenzer Festspielen szenisch uraufgeführt und kommt ab Herbst unter anderem an die Oper in Amsterdam. <span class="copyright"> lerch</span>
Die Filmoper „Upload“ von Michel van der Aa wurde am Donnerstagabend bei den Bregenzer Festspielen szenisch uraufgeführt und kommt ab Herbst unter anderem an die Oper in Amsterdam.  lerch

Mit „Upload“ erfolgte am Donnerstagabend die erste Uraufführung bei den diesjährigen Bregenzer Festspielen: Ein großes Thema ohne simple Antworten.

Bregenz Künstliche Intelligenz in einer Oper, die von einer Vater-Tochter-Beziehung handelt, bei der der Abschied mitzudenken ist, gibt es da überhaupt Spielraum für Emotionen? Das Thema sei emotional auf diese Art sogar sehr gut fassbar, erklärte Intendantin Elisabeth Sobotka, die „Upload“ des niederländischen Komponisten und Regisseurs Michel van der Aa heuer ins Festspielprogramm nahm, vor einigen Wochen im Gespräch mit den VN. Die szenische Uraufführung am Donnerstagabend auf der Werkstattbühne bestätigte es. Sie endete mit viel Applaus für die Gesangssolisten, aber auch für das gesamte Team und den Komponisten. Um die Absurdität rund um den Begriff KI, die immer auf dem Können des Programmierers basiert, brauchte man sich keine Gedanken zu machen, von selbstlernenden Maschinen und den Aufgaben, die diese übernehmen könnten, handelt die Oper von Michel van der Aa nicht. Nachdem sich schon mehrere Komponisten (etwa Detlef Glanert mit „Solaris“ vor Jahren in Bregenz) dem Science-Fiction-Genre zuwandten, wirkt das Werk „Upload“ trotz des Titels sehr geerdet und bleibt selbstverständlich weit entfernt von der Banalität einer gleichnamigen TV-Serie.

Zu seinem Vorteil, denn im Kern stellt sich nicht die Frage nach dem Weiterleben des Menschen als eine Art Cyborg, sondern, woran wir die Identität und die Persönlichkeit überhaupt festmachen, die hier hochgeladen werden sollen. Schön, dass es wiederum die Musik ist, die zum Weiterdenken auffordert und den Disput zwischen der skeptischen Tochter und dem Vater verdeutlicht, den einerseits die Neugier treibt, andererseits aber die Möglichkeit, ein Trauma zu überwinden.

Der britische Bariton Roderick Williams und die amerikanische Sopranistin Julia Bullock erhalten mit der Partitur im Grunde genommen konventionelles Material, das sie zu Klangräumen formen, die ein zentrales Element in dieser Produktion mit eingespielten und live mitgeschnittenen Filmszenen, dem gesprochenen Wort sowie Motion-Capture-Konstellationen bilden. Michel van der Aa hat in der Mehrfachfunktion als Komponist, Librettist und Regisseur die Geschichte nicht überfrachtet und auch sein Bühnenbildner Theun Mosk verlangt nicht mehr als das Verschieben von Projektionswänden, die sich einmal wie ein Himmel über das Publikum legen. Es ist die Szene, in der sich die Frage nach dem Erspüren des Menschseins zuspitzt. Und somit ist „Upload“ trotz des Einblicks in ein skurriles Labor mit bemüht ernsten Wissenschaftlern viel weniger Sci-Fi als eine Auseinandersetzung mit der Wahrnehmung des Menschen und seiner Umwelt. Das klingt groß, wird aber in einer unserer Digitalisierungszeit entsprechenden Story ohne simple Antworten gebündelt. Wobei das deutsche Ensemble Musikfabrik unter der Leitung von Otto Tausk klassisch, jazzig, rockig, aber niemals eklektizistisch agiert, somit nichts wirklich Neues, aber durchaus Anregendes offeriert.

Weitere Aufführung von “Upload” am 30. Juli, 20 Uhr, auf der Werkstattbühne beim Bregenzer Festspielhaus.