Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Berge sind stille Meister

Kultur / 31.07.2021 • 14:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Das Foyer des vorarlberg museums ist voll. Voll mit Bildern von oben bis unten. Mit Bildern, die ein einziges Thema zeigen: Berge. Nun weiß man natürlich, dass Berge schon immer eine besondere Anziehungskraft auf den Menschen ausübten, auf den Bergspitzen vermuteten unsere Vorfahren Geister, die Griechen siedelten ihre olympischen Götter auf dem Olymp an, die Japaner haben ihren heiligen Berg mit dem Fujiyama, im Kaukasus wird gerade um einen anderen heiligen Berg, den Ararat, an dem die Arche Noah gestrandet sein soll, Krieg geführt, Hunderte Berge gibt es, die Urvölkern heilig sind. Fast immer werden Berge auch mit Göttlichem verbunden, wenn etwa der verstorbene Tiroler Bischof Reinhold Stecher meinte, dass viele Wege zu Gott führen, einer gehe auch über die Berge. Aber auch Agnostiker, wie der alte Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe einer war, stehen ehrfürchtig vor Bergen: „Berge sind stille Meister und machen schweigsame Schüler.“

An all das kann man denken, wenn man derzeit das vorarlberg museum betritt: Große, beeindruckende Bilder ebenso wie kleine, feine Drucke von Nino Malfatti füllen das Foyer. Malfatti ist nicht nur ein Liebhaber und Kenner der Berge, er ist auch ein Meister in deren malerischer Wiedergabe. So beeindrucken die zum Teil großformatigen Bilder – etwa als „Blickfang“ jenes der Kanisfluh an der Stirnseite (für die Bregenzerwälder übrigens auch eine Art heiliger Berg) – auch Menschen wie mich, die die Berge eher von unten lieben als sie besteigen wollen. Ich will nicht vorgeben, dass ich nicht – wie vorher erwähnt – in göttliche Bereiche vordringen will, es hängt wohl mehr mit meinem Respekt vor der Gewalt dieser Riesen und mit meiner Angst vor Höhe zusammen.

„Und auch für Sillaber haben die Berge Göttliches, wenn er etwa einer Zeichnung zur Schesaplana ein Zitat aus dem 111. Psalm voranstellt.“

Berge gibt es im Museum auch in anderem, in kleinerem Format. In dem Buch „Karl Sillaber, Zeichnungen“, das vom vorarlberg museum und der Zentralvereinigung der Architekten herausgegeben wurde, ist ein wesentlicher Teil der Zeichnungen den Bergen gewidmet. Karl Sillaber, von dem gleichzeitig auch die Ausstellung „C4 Architekten“ gezeigt wird, hat in mehr als zwanzig Jahren Tausende Zeichnungen auf Reisen, Ausflügen und Wanderungen in kleinen Büchlein festgehalten. Etwa 270 werden in dem Buch gezeigt, großartige, manchmal flüchtige, manchmal detailreiche Zeichnungen, viele bekannte Motive aus unserer Region – und eben immer wieder Berge. Und auch für Sillaber haben die Berge Göttliches, wenn er etwa einer Zeichnung zur Schesaplana ein Zitat aus dem 111. Psalm voranstellt: „Die Wege des Herrn sind groß, zum Staunen für alle, die daran ihre Freude haben.“ Wir haben Freude daran – bei Malfatti ebenso wie bei Sillaber.

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.