Köhlmeier und Meloni bei Festspielen: Begnadeter Erzähler und junge Klavierbegabung

Kultur / 11.08.2021 • 14:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Köhlmeier und Meloni bei Festspielen: Begnadeter Erzähler und junge Klavierbegabung
Gabriel Meloni und Michael Köhlmeier. BF/Köhler

Von Gold, Geld und Geizhälsen bei Musik & Poesie.

BREGENZ Wie zufrieden war doch „Hans im Glück“, als er im gleichnamigen Märchen der Gebrüder Grimm seinen Goldklumpen nach etlichen Tauschgeschäften über Pferd und Schwein und Schleifstein endlich los war. Gold gegen Freiheit – das war auch die Quintessenz von Michael Köhlmeiers oft etwas weitschweifig wirkenden Erläuterungen rund um das Thema Gold, Geld und Gier beim dritten Abend der Reihe Musik & Poesie am Sonntag im voll besetzten Seestudio. Der junge Dornbirner Pianist Gabriel Meloni kam der Aufgabenstellung einer ergänzenden Kommentierung großer Festspielproduktionen da wesentlich näher.

Musik und Poesie mit Gabriel Meloni und Michael Köhlmeier
Musik und Poesie mit Gabriel Meloni und Michael Köhlmeier

Geld und Gold allein machen nicht glücklich, das stimmt, aber sie sind für die meisten zum unverzichtbaren Äquivalent, zum Tauschmittel gegen Ware und Leistung geworden. Köhlmeier kommt dem Thema mit dem bei, was er am besten kann, außer Romane zu schreiben, nämlich als begnadeter Erzähler, dem man einfach gerne zuhört. Und so kommt er, ausgehend von einem persönlichen Aha-Erlebnis mit seinen eisschleckenden Enkeln, natürlich zuvorderst auf sein Lieblingsgebiet, die griechische Mythologie mit einer Geschichte um den ebenso dummen wie reichen König Midas, bei dem alles, was er angreift, zu Gold wird und der darum vereinsamt. In der Bibel geht es mit der Lebensgeschichte von Judas um die bis heute offene Frage, warum er Jesus um 30 Silberlinge verraten hat. Der Gutmensch und Arzt Paracelsus schließt einen Pakt mit dem Teufel, wie man Gold oder Menschen erzeugen kann. Geld gilt nun mal als Teufelsdreck, trotzdem ist die Gier danach beim Menschen entsprechend groß.

Dazu werden nun Sparmeister Dagobert Duck bemüht und der Geizhals Ebenezer Scrooge aus Charles Dickens‘ berühmter Weihnachtsgeschichte. Manches erzählt Köhlmeier ausführlich und spannend, nicht ohne seine kleinen schelmischen Einwürfe und aktuellen Bezüge, die vom Publikum schmunzelnd quittiert werden, von manchen Sagen, Märchen und Fabeln erwähnt er auch nur den Titel, weil sie ohnedies bekannt sind. Also eine Auflistung der Themenvielfalt, aber oft auch ein Gang durch den Gemüsegarten, weil Köhlmeier dabei ins Schwadronieren gerät und den Zuhörern letztlich etwas unkoordiniert auch zwingende Erkenntnisse und einen roten Handlungsfaden schuldig bleibt. Amüsant ist es trotzdem, dank seiner großen Erzählkunst.

Da fällt es dem gerade 20-jährigen Gabriel Meloni leichter, die Dinge fasslich zu machen. Musik erschließt sich dem Zuhörer auf besondere Weise, und so wird jedem im Saal klar, was Beethoven mit seinem berühmten Hasardstück „Die Wut über den verlorenen Groschen“ gemeint haben könnte, so extrem virtuos und wütend wie der Pianist das in die Tasten des armen Bösendorfers haut. Zur Einstimmung gibt es dieses „Muss“ zum Thema in einer Kurzfassung, am Schluss nochmals im Original. Franz Liszts vollgriffig auftrumpfende Verarbeitung von Wagners Walhall-Thema bezieht sich direkt auf die großartig musizierte und inszenierte „Rheingold“-Aufführung der Festspiele vor einer Woche. Eine Rarität ist Wagners unscheinbare Sonate, die er 1853 in Verehrung für Mathilde Wesendonck als eines seiner wenigen Klavierwerke schrieb. Meloni, der Preise eingeheimst hat, noch an der Wiener Musik-Uni studiert und den manche nach seinem Unterricht bei Ivan Kárpáti bereits als zweiten Aaron Pilsan sehen wollen, überzeugt mit beherztem Zugriff und kerniger Dynamik.

FRITZ JURMANN            

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