Festspiele führen auf eine Luxusyacht und in eine Orgel

Kultur / 12.08.2021 • 20:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Festspiele führen auf eine Luxusyacht und in eine Orgel
Für die Oper “Wind” von Alexander Moosbrugger wurde eigens eine Orgel gebaut, die den Aufführungraum füllt. Brigitte Fassbaender inszeniert “Die Italienerin in Algier”. stiplovsek

Reisen erübrigt sich, die Bregenzer Festspiele führen mit “Die Italienerin in Algier” und “Wind” an besondere Orte.

Bregenz Es ist gut, wenn man nachhakt. Auf Anfrage der VN offenbarte Brigitte Fassbaender, wohin sie das Publikum mit der 1813 uraufgeführten Opera buffa “Die Italienerin in Algier” von Rossini führt. Die Handlung (Libretto von Angelo Anelli) mit einem liebessüchtigen Bey, einer verstoßenen Ehefrau, Sklaven und Haremsdamen ist alles andere als politisch korrekt und zudem klischeereich. “Ich bin ein absoluter Rossini-Fan”, gesteht die Mezzosopranistin und Regisseurin zwar, ein märchenhaftes Algerien werde es bei ihr aber nicht geben, der Schauplatz ist eine Luxusyacht, und was die fragwürdige Rolle der Ehefrau betrifft, so habe man eine intelligente Isabella, mit der man dagegenarbeiten kann, womit eine moderne Lesart entstehe. Situationskomik herauszuarbeiten, das wissen wir spätestens seit ihrem in Bregenz inszenierten “Barbier von Sevilla”, ist ihr ein besonderes Anliegen. Inspirieren ließ sie sich auch ein wenig vom Glamourpaar Onassis und Callas.

Womit wir bei der Musik wären. Für den Dirigenten des Symphonieorchesters Vorarlberg, Johanathan Brandani, bieten gerade Werke, die dem Belcanto zuzuordnen sind, viele Möglichkeiten: “Wenn man die Musik spielt, wie sie auf dem Blatt steht, dann hat man nichts vom Geist der Musik verstanden. Jeder Takt hat etwas Unerwartetes.” Auf der Entdeckungsreise, die er mit den jungen Künstlern machen wollte, seien ihm alle gefolgt, bemerkt er mit großem Lob für das Niveau der Besetzung, das auch Brigitte Fassbaender immer wieder betont: “Es scheint mir von Jahr zu Jahr zu wachsen. Dieses Jahr haben wir unglaubliche Begabungen auf der Bühne”. Eine davon ist Maria Barakova. Die erst 23-jährige Russin spricht von “einem Traum”, bei den Bregenzer Festspielen auftreten zu dürfen. Intendantin Elisabeth Sobotka hat das Opernstudio schon in ihrem ersten Jahr in Bregenz gegründet, um Sängerinnen und Sänger zu begleiten und ihnen die Bedeutung des Berufs zu vermitteln. Sie erzählte von Shira Patchornik, die bei der letzten Opernstudio-Produktion mitwirkte und vor zwei Wochen bereit war, bei der “Schöpfung” für eine erkrankte Kollegin einzuspringen und dafür die Partie in wenigen Tagen zu erlernen. Die Aufführung wurde ein Riesenerfolg, das Publikum war begeistert, die Rezensionen waren äußerst positiv.

„Ich schätze unendlich das hohe sängerische Niveau, das hier die jungen Leute zeigen.“

Brigitte Fassbaender, Regisseurin

Mit dem Opernatelier, ebenso eine neue Programmschiene von Elisabeth Sobotka, werden heuer besonders hohe Erwartungen verbunden. Vom einzigartigen Klang einer Orgel mit 172 raumgreifenden Pfeifen, die eigens für diese Produktion von der Firma Rieger entwickelt wurde, konnten Medienvertreter nun zumindest ein paar spannungsreiche Minuten erspüren. Ohne vorgegebenen Weg sollte ein Musiktheaterprojekt entstehen. “Es ist ein Traum im Traum”, sagt der Vorarlberger Komponist Alexander Moosbrugger, der sich vom 1499 erschienenen, reichlich bebilderten sowie mit Garten- und Architekturbeschreibungen versehenen Buch “Hypnerotomachia Poliphili” inspirieren ließ, in dem die Geschichte von Poliphilo erzählt wird, der nach seiner Polia sucht. Den VN verriet er, dass ihn der bildende Künstler Paul Renner mit dem Buch bekannt gemacht hatte. Für Bregenz hat die Künstlerin Flaka Haliti einen Klangraum ganz in Weiß entworfen, der vom Publikum betreten wird. Es ist nicht zu Interaktion aufgefordert, aber es versteht sich, dass die Zuhörer an dem Prozess, dem Werden, das die Künstler immer wieder betonen, teilhaben. Sagt doch auch Moosbrugger, dass nicht jeder Ton zu notieren ist. Orgeln waren schon in der Frühzeit Instrumente mit Persönlichkeit. So bleibt es.

Oper “Wind”, 19., 20., 21. August, Werkstattbühne; “Italienerin in Algier”, 16., 18., 20., 21. August, Theater am Kornmarkt.

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