Eine Festspieluraufführung mit höchst kulinarischer Vorgeschichte

Kultur / 18.08.2021 • 21:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Eine Festspieluraufführung mit höchst kulinarischer Vorgeschichte
Das für das Werk maßgebliche Buch “Hypnerotomachia Poliphili” klang in Bregenz vor Jahren bereits in einem sehr interessanten Umfeld an. VN/Paulitsch

Die Oper „Wind“ mit 172 Orgelpfeifen führt zurück in Paul Renners Theatrum Anatomicum.

Bregenz Wenn der Künstler Paul Renner zu einem Event ruft, wird zwar oft gegessen, die Kulinarik tritt beim bekannten Bregenzerwälder jedoch stets in Kombination mit Kunst und/oder Architektur auf, Philosophie und Musik erhalten meist ebenfalls Raum. So geschah es auch bei seinem bislang größten Spektakel im eigens errichteten Theatrum Anatomicum im Sommer 2007. Man feierte das zehnjährige Bestehen des Kunsthaus Bregenz und ließ das damals schon berühmt gewordene Gebäude mit der Glashaut des Architekten Peter Zumthor fast in den Hintergrund treten. Eine mutige Entscheidung, vor dem Eingang erhob sich nämlich ein hervorragendes Beispiel Vorarlberger Holzhandwerkskunst. In der Mitte des Bauwerks wurde gekocht, auf drei Publikumsetagen galt es dem Genuss und dem Gedankenaustausch. Berichten zufolge lieferte auch der Komponist Alexander Moosbrugger Anregungen dazu, und zwar an jenem Abend, der unter dem Motto “Hypnerotomachia Poliphili” stand.

Szene aus der Opernproduktion "Wind" von Alexander Moosbrugger. <span class="copyright">BF/Köhler</span>
Szene aus der Opernproduktion "Wind" von Alexander Moosbrugger. BF/Köhler

Der Titel des 1499 erschienenen Romans ist Beobachtern des Opernateliers der Bregenzer Festspiele, bei dem die Entstehung eines Werk verfolgt werden kann, mittlerweile geläufig.

Komplexe Arbeit

Der Traum des Poliphilo, sein Sehnen nach Polia und seine Welterfahrung sind somit Thema des Werks von Alexander Moosbrugger (geb. 1972), der Titel lautet “Wind” und verweist damit auf ein zentrales Instrument bzw. das Setting, denn das Publikum befindet sich inmitten einer Orgel, deren Pfeifenanzahl mit den 172 Illustrationen im Buch korrespondiert. Das Prinzip des Orgelspiels wird konkret erfahrbar wie die Architektur als weiteres Thema der Oper, die durch die pandemiebedingt längere Entstehungszeit nun auch etwas andere Schwerpunktsetzungen erfuhr. Vor einem Jahr wäre sie noch etwas orgellastiger gewesen, offenbart Moosbrugger im Gespräch mit den VN und bietet einen kleinen Einblick in die komplexe Arbeit während der Endprobenphase. Die Partitur enthalte nämlich nur etwa ein Drittel der Information. “Der Orgelpart ist zum Teil nicht notiert, das ist unmöglich, um nur eine Windbewegung im Raum zu machen, müsste ich 10.000 künstlerische Entscheidungen treffen. Wir haben andere Lösungen gefunden, ich kann auf dem Tablet durch den Raum fahren und zeichne die Ventilkurve nach.” Obwohl sich je nach Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit, die auch das Publikum beeinflusst, kleine Klangunterschiede ergeben, ist alles selbstverständlich präzise geplant. “Wir werden jede Pfeife im Vorfeld 20 Sekunden spielen und zeichnen per Hand die Öffnungskurve nach.”

Der Begriff Oper stimme, auch wenn das Werk wenig Opernhaftes hat. “Es wird eine Geschichte erzählt, aber es gibt auch eine Subebene.” Drei Aufführungen von “Wind” finden im Rahmen der Bregenzer Festspiele statt. Weitere Aufführungsorte sind noch nicht konkretisiert. Die Orgel, ein Instrument der Fima Rieger, würde, so Moosbrugger, auch als Stand-alone-Instrument funktionieren. “Es reizt mich, sie noch einmal anderswo zu spielen.“

Aufführungen der Oper “Wind” bei den Bregenzer Festspielen am 19., 20. und 21. August.

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