“Kein Sturm im Wasserglas”, sondern ein großes musikalisches Projekt für Richard Dünser

Kultur / 29.10.2021 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
"Kein Sturm im Wasserglas", sondern ein großes musikalisches Projekt für Richard Dünser
Komponist Richard Dünser: „Man muss etwas wagen und mutig sein, sonst bleibt man auf der Stelle stecken.“  simon dünser
 

Der Vorarlberger Komponist Richard Dünser hat die Oper “Elektra” von Richard Strauss völlig neu instrumentiert.

Bregenz, Graz “Ein Komponist muss immer an die Weiterentwicklung der Kompositionstechnik denken”, erklärt Richard Dünser. “Mitunter braucht es einfach Mut”, sagt der gebürtige Bregenzer, der längst zu den etablierten Musikschaffenden zählt, “sonst bleibt man auf der Stelle stecken.” In den letzten Jahren hat er solchen bewiesen und ein Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts neu instrumentiert. Es handelt sich um die 1909 uraufgeführte Oper “Elektra” von Richard Strauss, die nun in seiner Fassung von rund 60 Musikerinnen und Musikern gespielt werden kann. Für das Original muss der Orchestergraben doppelt so viele fassen, in kleineren oder mittleren Opernhäusern ist das Werk somit nicht entsprechend aufführbar.

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Das Wichtigste sei es gewesen, die Ausbrüche und Emotionen im Stück zu transportieren, das auf der Tragödie von Sophokles basiert und von der Verzweiflung, dem Hass und den Rachegelüsten von Elektra handelt, deren Mutter Klytämnestra den Vater auf dem Gewissen hat. Dass dieser Agamemnon selbst kein Waisenknabe war, hat Hugo von Hofmannsthal im Libretto zwar nicht thematisiert, das weiß man aber, die Orestie zählt zum Bildungskanon. Richard Dünser kennt sich aus in der Weltliteratur, sein OEuvre offenbart es. Wer mit den großen Gefühlen in “Elektra” nicht zurechtkommt, der solle lieber die Finger davon lassen: “Ein Sturm im Wasserglas darf es nicht sein.”

„Die Sänger der ,Elektra‘ müssen in meiner Fassung nicht mehr gegen 120 Musiker ansingen.“

Richard Dünser, Komponist

Er habe sich darauf konzentriert, die Klangideen von Richard Strauss beizubehalten. Das hieß, der Neukonzeption der Streicher besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Strauss hatte selbst noch eine minimalreduzierte Bläserfassung erstellt, was den Klang aber “mickrig” mache. Das wollte Richard Dünser unbedingt vermeiden. Die Strauss’sche “Elektra” in der Fassung von Dünser wird im kommenden Jahr uraufgeführt. Wo und wann genau, das darf der Komponist noch nicht verraten. Auf die Erfahrungen mit den Sängerinnen und Sängern freut er sich allerdings schon, denn die müssen nun nicht mehr gegen rund 120 Instrumentalisten ansingen.

Die Aufführung eines kleineren Werks von Richard Dünser findet demnächst im Vorarlberg Museum in Bregenz statt.
Die Aufführung eines kleineren Werks von Richard Dünser findet demnächst im Vorarlberg Museum in Bregenz statt.

Einhören auf das, was kommt, werden sich die Musikfreunde bereits am 4. November in Gotha sowie am 7. und 8. November in Wien und Klagenfurt können. Dann kommt sein Symphonisches Monodram aus der Oper “Elektra” zur Aufführung. Das Werk sei mit einer gängigen Opern-Suite für den Konzertsaal vergleichbar. “Was von mir stammt, ist da die Dramaturgie, ich habe darauf geachtet, dass nach Ideen von Strauss ein interessantes Stück für eine Sopranistin und Instrumentalisten entsteht.” In Bregenz kommt demnächst “Ricordanze”, ein Stück nach Tagebucheintragungen zur Aufführung. “Ein dreifacher Komponistending”, nennt es der bekanntlich sehr geerdete Experte, denn neben Dünsers eigener Tonsprache werden Leos Janácek und Alban Berg zitiert, der sich wiederum auf Alexander Zemlinsky bezogen hat. Richard Dünser liefert europäische Musikgeschichte gelegentlich gleich mit.

“Elektra”-Suite bereits am 4., 7. und 8. November in Gota, Wien (MuTH) und Klagenfurt; Klavierquartett “Ricordanze” am 1. November, 19 Uhr, im Vorarlberg Museum.

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