Mit dem Mellau-Lied ins neue Jahr

Kultur / 02.01.2022 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mit dem Mellau-Lied ins neue Jahr
Philipp Lingg animierte auch die Zuhörer zum Mitsingen. stiplovsek

Philipp Lingg gab dem Neujahrskonzert des tonart-Sinfonieorchesters tolle Impulse.

GöTZIS Drei Jahre ist es her, dass Markus Pferscher als musikalischer Leiter der tonart-Musikschule Mittleres Rheintal die Idee hatte, einmal das Bregenzerwälder Original Philipp Lingg zu einem der Konzerte mit seinem Sinfonieorchester einzuladen. Nach drei wegen Corona gescheiterten Versuchen war es am Samstag beim 26. Neujahrskonzert, das jeweils gemeinsam mit dem rührigen Lions-Clubs Hohenems unter Präsident Johannes Häusler durchgeführt wird, endlich so weit, und das Ergebnis in der Kulturbühne AmBach war umwerfend. Mit dem urigen Wälder Singer/Songwriter kippte das seriöse Konzert zum Jahreswechsel ins knackige Entertainment.

Die Vorgeschichte dazu hat freilich viele Details und ist fast so spannend wie der Abend selber. Denn Markus Pferscher war mit seinem 60-köpfigen Orchester, durchwegs aus Schülern und Studierenden, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 14 und 24 Jahren bestehend, das Proben lange Zeit aufgrund von Covid-Schutzmaßnahmen verwehrt. Man musste wegen der notwendigen Abstände in Fabrikshallen ausweichen und Gruppenproben abhalten. Das führte so weit, dass bei den letzten Gesamtproben die endgültige Programmfolge erst festgelegt werden konnte, als das Abendprogramm schon in Druck war. Dieses erschien nun wie zum Beweis mit zwei leeren Seiten.

Doch da ist zum Glück die Moderatorin, Isabella Pincsek, Lehrerin an der Schule, die das geschickt auffängt. Der gut aufgestellte Klangkörper zeigte sich von Anfang an nervenstark und einsatzfreudig. Ein Beethoven-Marsch klingt zwar noch etwas zögerlich verhalten, doch bereits in den vier Sätzen aus der „Carmen“-Suite von Bizet können die Musiker sehr selbstbewusst ihr jugendliches Temperament ausspielen. Der berühmte Marsch aus Gounods Oper „Faust“ kommt sehr überzeugend wie aus dem Opernorchestergraben daher. Markus Pferscher am Pult lässt nie Zweifel daran, dass er einer von seinen Youngsters ist. Er ist keiner, der sie kommandiert, sondern um ihre Stärken und Schwächen weiß und sie mit klarem Dirigat durch alle Tücken der Partituren führt, ein aufmunterndes Lächeln stets inbegriffen.

Professionell und rockig

Und dann erscheint der special guest, Philipp Lingg, der mit seiner ungeniert spontanen Art das Publikum sofort auf seiner Seite hat, ohne viel zu sagen („Liaber meh singa!“). Die Idee dahinter war es, seine eigenen Gitarrelieder durch spezielle Orchesterarrangements mit einer Art symphonischem Heiligenschein in ein neues Gewand zu stecken. Das will noch nicht auf Anhieb klappen, weil man von den ersten beiden Songs, „Hold Me Down“ und „Wible, Wible“, durch schlechte Tonabmischung kaum ein Wort versteht. Erst beim dritten Anlauf klappt das, und Linggs berühmtes Lied „Vo Mellau bis ge Schoppernou“ aus dem Repertoire des inzwischen verblichenen „Holstuanormusigbigbandclub“ klingt nun in einem fetzigen maßgeschneiderten Arrangement von ORF-Musikredakteur Stefan Höfel so professionell und rockig wie „Bohemian Rhapsody“ von Queen auf gut Wälderisch. Da sind auch die jungen Musiker mit ihrem Chef voll in ihrem Element, Philipp Lingg aber animiert gut gelaunt die Zuhörer zum Mitsingen. Das geht nun echt unter die Haut.

Neujahrskonzert mit Markus Pferscher.
Neujahrskonzert mit Markus Pferscher.

Markus Pferscher sorgt danach für Beruhigung und dafür, dass dieses Neujahrskonzert seinen Namen letztlich wirklich verdient. Der mutig programmierte „Donauwalzer“ ist nicht von schlechten Eltern, elegant, schwungvoll und klanglich differenziert.

Fritz Jurmann

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