Die Selfie-Queen der Kunstszene

Kultur / 03.01.2022 • 21:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Optische Ähnlichkeit brauchte nicht angestrebt zu werden.
Optische Ähnlichkeit brauchte nicht angestrebt zu werden.

Premiere über das Leben der Malerin Frida Kahlo am Vorarlberger Landestheater.

Bregenz Eine Frau leugnet ihr wahres Alter und gibt das Jahr 1910 als Geburtsjahr an. Die mexikanische Malerin Frida Kahlo hatte den Wunsch, gleichzeitig mit dem Ausbruch der mexikanischen Revolution geboren zu sein. Mit ihrem Werk und ihrer Selbstinszenierung wurde sie eine Ikone der Kunst des 20. Jahrhunderts. Aus ihren Tagebucheintragungen hat Leopold Huber einen Monolog geschrieben und versucht, ihre Geschichte so realitätsgetreu wie möglich zu erzählen. Er berichtet von dem ungeheuren Lebensmut der Künstlerin, sich den Schicksalsschlägen, die sie zeitlebens beeinträchtigten, zu stellen und ihren Weg als Malerin zu gehen, indem sie ein farbenfrohes und intensives Werk schuf. „Frida – Viva la Vida“ heißt die neue Produktion des Vorarlberger Landestheaters.

Frauenpower

Vivienne Causemann (Frida) und Maria Lisa Huber (Regie), die schon zusammen am Reinhard Seminar in Wien studiert haben, zeigen einen fulminanten Abend im weißen Bühnenbild von Ramona Bereiter. „Wir haben das Stück zusammen erarbeitet, viel Neues entdeckt, und das, was wir gemeinsam geschaffen haben, hat meine Erwartungen übertroffen“, beschreibt Huber ihre Gefühle bei der Premiere. Vivienne Causemann berührt als Frida mit feinem Humor und zeigt die Geschichte nach ihrem tragischen Busunfall, der sie völlig aus der Bahn geworfen hat. Ein Stahlteil durchstach dabei ihren Unterleib. Nach Operationen, die sie monatelang ans Bett fesselten, begann sie aus Langeweile zu malen. Mehr als ein Drittel ihrer Gemälde sind Selbstporträts, die ihre körperlichen und seelischen Verletzungen zeigen. „Ich male meine eigene Wirklichkeit, weil ich nichts so gut kenne wie mich“, sagt sie.

In ihrem politischen Engagement zeigte sie Begeisterung für den Kommunismus und kümmerte sich um Leo Trotzki, als der sich im Exil in Mexiko befand. Ihre Beziehung mit dem zwanzig Jahre älteren Diego Riveira, Mexikos berühmtestem Künstler, den sie als 22-Jährige heiratete, ist intensiv und voller weiterer schmerzlicher Schicksalsschläge. „Uns verbindet die Liebe zur Revolution der Gerechtigkeit im Kommunismus“, so Frida. Mehrere Fehlgeburten und eine Affäre Riveiras mit Fridas Schwester Cristina führten zur Trennung. Den seelischen Schmerz betäubte die Künstlerin erneut mit der Malerei. Sie begann eine Beziehung zu einem Bildhauer, heiratete Riveira ein zweites Mal, allerdings zu ihren Bedingungen: ohne sexuelle Beziehung zusammenzuleben. Schon in den Jahren zuvor hatte sie wegen starker Schmerzen einen hohen Alkohol- und Mophiumkonsum. „Alkohol war schon immer ein Versuch, unglücklich zu bleiben“, sinniert Frida, die nach unzähligen Krankenhausaufenthalten, der Amputation ihres rechten Beines und immer wieder auftretender Schmerzen mehrere Selbstmordversuche unternahm.

Diego Riveira sagt über seine Frau: „In Fridas Welt herrscht nicht die Tragödie. Die Finsternis ihres Schmerzes ist nur der samtartige Untergrund für das wunderbare Licht ihrer körperlichen Kraft, ihrer verfeinerten Sensibilität und ihrer leuchtenden Intelligenz.“

Vivienne Causemann in „Frida - Viva la Vida“ von Leopold Huber am Vorarlberger Landestheater. VLT/köhler
Vivienne Causemann in „Frida – Viva la Vida“ von Leopold Huber am Vorarlberger Landestheater. VLT/köhler

Weitere Aufführungen von „Frida – Viva la Vida“ ab 7. Jänner, 19.30 Uhr in der Box des Vorarlberger Landestheaters in Bregenz.

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