Weil Musik weltumspannend ist

Kultur / 03.01.2022 • 15:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Weil Musik weltumspannend ist
Endlich wieder vor Publikum gespielt.VN/Steurer

Das Jugendsinfonieorchester Dornbirn unter Ivo Warenitsch bot zum Jahreswechsel Besonderes.

Dornbirn Nein, das Programm ist nicht politisch inspiriert, Dornbirns Partnerstädte liegen in Frankreich, Ungarn und in den USA, und die EU-Ratspräsidentschaft geht beispielsweise erst im nächsten Jahr an Spanien. Ein politisches Zeichen hat das Jugendsinfonieorchester Dornbirn mit den Konzerten zum Jahreswechsel aber gesetzt, denn unter den schwierigen Probenbedingungen und mit dem nach der Zwangspause im Vorjahr immer noch zeitweisen Verbot jeglichen Zusammenspiels, derart anspruchsvolle Werke einzustudieren, das mag etwas heißen. Und das quittierte das Publikum im Kulturhaus der Stadt mit begeistertem Applaus, der auch darauf schließen lässt, dass die Walzer und Polkas ein Silvester- und Neujahrskonzert nicht dominieren müssen, um in Feierlaune versetzt zu werden.

Dass auch kräftig zwischen die Sätze hineinapplaudiert wurde, steckten wiederum die jungen Musikerinnen und Musiker locker weg, die an diesem 1. Jänner 2022 als hochmotiviertes Ensemble die hohe Qualität des seit vielen Jahrzehnten existierenden Orchesters dokumentierten, dem der Leiter und Dirigent Ivo Warenitsch in den letzten Monaten besonders viel Temperament eingeimpft hat. Schon der Beginn und damit auch die Auswahl mag darauf zurückzuführen sein, dass hinter den legendär guten Bläsern sowie den Streichern, die in der Lage sind, einen geschmeidigen Gesamtklang zu erzeugen, tolle Perkussionisten und Schlagwerker sitzen. Schon der „Spanische Marsch“ von Johann Strauss verlangt neben dem Geigenschmelz eine exakte Rhythmusgruppe, in der Laurin Sutterlüty mit den Kastagnetten großen Anteil an der schwungvollen Stimmung im Saal hatte.

Herausfordernd

Musikvermittlung lieferte man gleich mit, denn die Orchestersuite „Die Witwe aus Valencia“ von Aram Khatschaturjan dürften auch die Konzertfreunde im Publikum nicht durchwegs intus gehabt haben, das Werk erweist sich als herausfordernd für sämtliche Instrumentengruppen, rüttelt auf, lässt in Melodien schwelgen und dem Klangkörper attestieren, dass die Stimmführerpulte nach wie vor bestens besetzt sind. Das hat Spaß gemacht wie die “Navarra” von Pablo de Sarasate, bei der Laura Purin und Fiona Warenitsch ihre Geigen tanzen ließen und dabei auch das Orchester fest im Griff hatten, das der Dirigent in diesem Fall so leitete, dass klar wurde, dass die jungen Solistinnen das Sagen hatten. So schön hört sich also gegenseitiges Vertrauen an, das sich auch bei noch temperamentvolleren Werken als gute Basis erweist.

„El Camino Real“ von Alfred Reed, arrangiert vom Orchestermitglied Mathias Seewald, ist mit seinen feurigen wie elegischen Passagen das beste Beispiel dafür. Bei der “Pepita-Polka” von Johann Strauss, die einige vielleicht noch vom Wiener Neujahrskonzert unter Gustavo Dudamel in Erinnerung haben, hätte es kaum gewundert, wenn wirklich eine Tänzerin in Erscheinung getreten wäre. Das Mitwippen im Takt ließ sich nicht unterdrücken, ebenso einnehmend gestaltet wurde ein spanischer Walzer von Emile Waldteufel, einem Franzosen, dessen Temperament bestens ins spanische Programm passte, das neben Johann Strauss und Franz von Suppé noch mehr österreichische Komponisten ausweist als auf den ersten Blick ersichtlich, denn das gut geschulte junge Sprecherduo Klara und Valentin vergaß nicht auf die Wiener Wurzeln von Alfred Reed zu verweisen, der an sich Friedman hieß.

Musik ist weltumspannend. Schön, wenn das in einem Programm zum Jahreswechsel so zum Ausdruck kommen kann.

Hinweis

Wiederholung des Neujahrskonzertes mit dem Jugendsinfonieorchester Dornbirn, 3. Jänner, 19.30 Uhr, im Spannrahmen Hard.

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