Spannende Perspektiven für den Vorarlberger Pianisten

Kultur / 06.01.2022 • 14:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Spannende Perspektiven für den Vorarlberger Pianisten
Aaron Pilsan tritt demnächst im Brucknerhaus in Linz auf. Voith

Nach seinem Russland-Abenteuer liefert der Vorarlberger Pianist Aaron Pilsan eine Entdeckung.

Dornbirn Werken von Franz Xaver Mozart zu begegnen, wird auch den Musikfreunden, die regelmäßig Konzerte besuchen, nicht einfach gemacht. Eine solche Chance gibt es allerdings am 30. Jänner im Linzer Brucknerhaus, wo der bekannte, aus Dornbirn stammende Pianist Aaron Pilsan (26) als Solist beim zweiten Klavierkonzert von diesem Franz Xaver Wolfgang Mozart (1791-1844), wie er mit vollem Namen hieß, auftritt. Das Werk dieses jüngsten Sohnes von Wolfgang Amadeus Mozart ist weitgehend in Vergessenheit geraten, und Franz Xaver dürfte auch sehr darunter gelitten haben, dass man ihn mit der Genialität seines Vaters verglich, die er nicht erreichen konnte. „Es ist ein sehr spannendes Werk“, erklärt Aaron Pilsan zur Komposition in Es-Dur: „Das Rondo ist sehr humorvoll, es ist im Gesamten sehr virtuos, geht eher in Richtung der Werke von Johann Nepomuk Hummel, könnte aber auch vom Jeunehomme-Konzert seines Vaters inspiriert sein. Es enthält einen sehr feierlichen Satz, ich freue mich darauf.“  

Turbulenzen

Demnächst gibt Pilsan ein Recital im Schumann-Haus in Bonn, zurzeit ist aber wieder einmal in seiner Heimat Dornbirn, bevor er an seinen Künstlerwohnsitz in Berlin zurückkehrt. Die letzten Tage waren nämlich auch für den gestandenen Pianisten mit trotz Corona recht gefülltem Terminkalender durchaus turbulent. Die Weihnachtsfeiertage verbrachte er in Russland, wo er im Rahmen des Mariinsky-Klavierfestivals von Valery Gergiev und Mira Yevtich auftrat. Sein Part war der erste Teil von Johann Sebastian Bachs „Wohltemperiertem Klavier“, ein Stück, in dem Aaron Pilsan, der sich in einem VN-Interview als absoluter Bach-Fan outete, zu Hause ist. Schließlich hatte er im April letzten Jahres auch das Album „Das Wohltemperierte Klavier“ herausgebracht. Ein Konzert war am 24. Dezember in Vladikavkaz angesetzt, ein zweites ein paar Tage später in St. Petersburg. Die Auftritte ermöglichten es Pilsan, sich mit unterschiedlichem Publikumsverhalten auseinanderzusetzen. In Vladikavkaz war man, wie er erzählt, zuvor besorgt, ob der Konzertsaal wohl gut besetzt sein wird, weil es in der Stadt, die immerhin über 300.000 Einwohner hat, kein regelmäßiges Musikangebot gibt. Letztlich hat er aber vor sehr viel jungem Publikum gespielt, das sich äußerst begeistert zeigte, den Emotionen freien Lauf ließ, „klatschte oder auch weinte“ und den Pianisten im Anschluss um gemeinsame Fotoaufnahmen bat. In St. Petersburg war dann alles wie gewohnt, allerdings konnte der Künstler miterleben, dass in diesem Land Auftritte lange nicht so akribisch geplant werden, wie er es sonst kennt. „Das war für mich sehr spannend zu erleben, es wird von den Umkleiden bis zu den Auftrittsfolgen vieles spontan geregelt, aber letztlich funktioniert es dann doch, weil alle super professionell arbeiten.“

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Voith

Konkret geplant wurde eine weitere Zusammenarbeit von Valery Gergiev somit nicht, aber man habe sich auf ein weiteres Treffen verständigt, erklärt Aaron Pilsan.

„Es ist nun vieles schwieriger geworden, aber es ergeben sich auch spontane Begegnungen.“

Aaron Pilsan, Pianist

Übrigens: Im Jahr 2022 wird es selbstverständlich auch Auftritte in der Region geben. Da die Verträge noch nicht unterzeichnet sind, will Pilsan aber noch nicht über die Termine sprechen. Lieber über bevorstehende musikalische Herausforderungen. Sie betreffen neben Werken von Mozart die Brahms-Bach-Chaconne mit der linken Hand oder Werke von Schumann und Liszt in Varianten, die die Grenzen des Instrumentes sprengen. Die Auseinandersetzung mit den Grenzen im Leben, mit Zwischenfällen oder dem Unberechenbaren beschäftigt ihn auch in seiner künstlerischen Arbeit. Und zwar auch ohne Pandemie, die für ihn vieles erschwert habe, die, wie er eigens betont, aber auch zu spontanen Begegnungen führte, die wiederum neue Perspektiven öffneten.

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