Eine wahrhaft starke Vorarlberger Gruppe

Kultur / 11.01.2022 • 11:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Eine wahrhaft starke Vorarlberger Gruppe
“Die Wand” nach dem Roman von Marlen Haushofer wurde von Café Fuerte in Hittisau unter freiem Himmel aufgeführt. Feinig

Das Theaterensemble Café Fuerte belebt heuer auch verlassene Orte und wird sehr politisch.

Hittisau, Alberschwende Das Gasthaus zur Brauerei in Alberschwende zählt zu jenen Häusern im Land, an denen man als nicht Ortsansässiger seit Jahren mit einigem Bedauern vorbeifährt. Wer dort wohnt, nimmt wohl noch stärker wahr, dass hier alte Bausubstanz lediglich der Witterung ausgesetzt ist und keiner sinnvollen Nutzung zugeführt wird. Abgesehen davon, dass sich diesbezüglich in der Gemeinde nun langsam etwas tut, öffnet das Theaterensemble Café Fuerte nun das Haus für Besucher. Die nächste ihrer zwei bis drei Premieren im Jahr findet hier statt.

Bespielt wird das ehemalige Gasthaus zur Brauerei in Alberschwende. <span class="copyright">VN</span>
Bespielt wird das ehemalige Gasthaus zur Brauerei in Alberschwende. VN

Danielle Fend-Strahm und Tobias Fend haben sich den spanisch inspirierten Namen für ihr Unternehmen nicht nur wegen des schönen Klangs ausgewählt, sie machen sich stark für Menschen, die in Gegenden wohnen, in denen sich keine ständig aktive Gruppe etabliert hat, sie machen sich gegebenenfalls stark für junge Autorinnen und Autoren, Schauspieler und Musiker und sie ermöglichen es dem Publikum, neue Spielorte zu entdecken. Diese können im Freien ebenso sein wie in Werkstätten, aufgelassenen Fabriken oder eben in Gasthäusern. Die beiden Theaterleiter, die ein schweizerisch-österreichisches Duo bilden, gastieren auch regelmäßig in der Ostschweiz, gelegentlich in Süddeutschland und sie bespielen als einziges Vorarlberger Profi-Ensembles auch das Kleinwalsertal.

Brisanz

Grundsätzlich zeichnet sich Café Fuerte durch die Themen der Stücke aus. Ressourcenverschwendung, Konsum, Ausbeutung jener, die auf schlecht bezahlte Jobs angewiesen sind, oder die unaufgearbeitete Vergangenheit waren Themen von Stücken wie “Auf nach Alang!”, “Pakete. Pakete” oder “Alarmtauchen”. Für die Bühne bearbeitet wurde etwa auch der Roman “Die Wand” von Marlen Haushofer. Während Tobias Fend oft als Autor oder Bearbeiter tätig ist, übernimmt Danielle Fend-Strahm meist die Regie. Bei den letzten Produktionen hat die Musik immer größere Bedeutung erlangt. Das wird nun auch bei der neuen Produktion “Der schwarze Hund” so sein, für die Florian Wagner eine Komposition schuf.

"Der schwarze Hund" heißt die nächste Produktion von Café Fuerte. <span class="copyright">Feinig</span>
"Der schwarze Hund" heißt die nächste Produktion von Café Fuerte. Feinig

Das Stück geht auf ein Bilderbuch des Briten Levi Pinfold zurück. Es handelt davon, dass vor dem Haus einer Familie ein Hund auftaucht, der für jeden, der durch das Fenster hinausblickt jeweils ein Stück größer wird, bis er das Gebäude überragt. Schließlich wagt sich ein Kind nach draußen und lässt das Wesen herein, das sich als handzahmes Tier entpuppt. Was sich wie eine einfache Geschichte über die Angst anhört, ist für Tobias Fend eine interessante Auseinandersetzung mit Projektionen. Man erfahre hier etwas über das Bezugssystem der jeweiligen Betrachter, über die Fragen, wie die Umgebung auf einzelne Menschen wirkt und wie sie reagieren. Er wolle keine Antwort auf Realitätsinterpretationen, die angesichts der Pandemie auf der Hand liegen, geben und Assoziationen konkret lenken, erklärt er, die Geschichte lasse sich theatralisch aber sehr gut aufbereiten. Zum ersten Mal wird Café Fuerte dabei auch mit Puppen arbeiten.

Politisch

Mit der zweiten Produktion des Jahres wird das Ensemble, das vom Land Vorarlberg und auch vom Bund sowie von Institutionen in der Schweiz ob der Qualität seiner Arbeit gefördert wird, allerdings noch politischer. Der Arbeitstitel lautet “Demokratiezirkus”. Gespielt wird unter anderem in Zelten.

Die Premiere von “Der schwarze Hund” findet am 10. Februar im Gasthaus Zur Brauerei in Alberschwende statt. Aufführungen sind in Feldkirch, Trogen etc. geplant.

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