Als Selfies noch echte Kunst waren

Kultur / 14.01.2022 • 19:38 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Als Selfies noch echte Kunst waren

Das Flatz Museum in Dornbirn präsentiert heuer Starfotografen und einen Künstlerjäger.

Dornbirn In den 1970er-Jahren hat noch kein Mensch von Selfies gesprochen. Die Selbstporträts waren noch nicht Dokumente eines Egotrips, sondern nicht selten Kunstwerke, und sich mit Stars bzw. Künstlerkollegen abzulichten, das hatte sich Wolfgang Flatz für ein besonderes Projekt ausgedacht. Der aus Dornbirn stammende Künstler (geb. 1952), der unter dem Namen FLATZ längst international etabliert ist, schuf damals über 150 Polaroids. Sie zeigen ihn mit Künstlern wie Gerhard Richter, Laurie Anderson und Andy Warhol und wurden von diesen auch signiert. Im Jahr 1982 hatte er die Serie abgeschlossen, die Reputation und Imagemechanismen thematisiert, mit der er die Selfie-Kultur sozusagen vorwegnahm. Das Projekt ist Fixstarter in der von ihm gestalteten Ausstellung im vor zwölf Jahren eröffneten Flatz Museum in Dornbirn. Die ihm gewidmeten Räume beherbergen eine Sammlung seiner Arbeiten samt großer Skulpturen und sind für wechselnde Ausstellungen konzipiert.

Qualität

Seit wenigen Jahren sind sie der Fotokunst gewidmet, eine Entscheidung, mit der der Kunstexperte Gerald Matt der Institution nicht nur wichtige Impulse verlieh, die Qualität der Ausstellungen entspricht der überregionalen Ausrichtung des Hauses. Dass die Projekte auch regional verankert sind, bewies man zuletzt mit der Ausstellung der Arbeiten der aus Dornbirn stammenden und in den USA wie in Wien tätigen Fotokünstlerinnen Anna und Maria Ritsch. Das Jahresprogramm beginnt Matt mit Arbeiten des deutschen Starfotografen F.C. Gundlach (1926-2021), der eine eigene Bildsprache entwickelte und dessen Arbeiten auch von der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Phänomenen und Strömungen in der bildenden Kunst zeugen.

Mit Irving Penn (1917-2009) ist einer der wichtigsten Fotokünstler des 20. Jahrhunderts vertreten. Unter dem Titel „Black and White“ will sich Matt seinen faszinierenden Menschenbildern widmen, „deren Einzigartigkeit aus dem virtuosen Wechselspiel von Schwarz und Weiß, von Licht und Schatten lebt“. Gezeigt werden auch Aufnahmen des Jazztrompeters Miles Davis und des Künstlers Jean Cocteau.

Arbeiten  „Jumpsuit aus Saga–Nerz bei Helsinki“, 1964, und „Vor der Cheopspyramide“ von F. C. Gundlach, 1966. f.c. gundlach/Flatz museum
Arbeiten  „Jumpsuit aus Saga–Nerz bei Helsinki“, 1964, und „Vor der Cheopspyramide“ von F. C. Gundlach, 1966. f.c. gundlach/Flatz museum

2022 im Flatz Museum Dornbirn: Ab 5. Februar bis 28. Mai, F. C . Gundlach; ab 10. Juni bis 10. September, Irving Penn; ab 23. September, “Künstlerjäger” von FLATZ.

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