Lösungsansätze für das Grund-und-Boden-Problem

Kultur / 14.01.2022 • 13:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Lösungsansätze für das Grund-und-Boden-Problem
Die Zersiedelung, wie hier im Vorarlberger Rheintal, ist ein zu bewältigendes Thema. VN/Steurer

Mit “Boden für alle” unterstützt das Architekturinstitut mit Fakten Denkprozesse, die weiterhin relevant sind.

Dornbirn Das umfangreiche Katalogbuch liegt auf und ist über die Zeit hinaus erhältlich, in der das Ausstellungsprojekt “Boden für alle” noch im Vorarlberger Architektur Institut (vai) in Dornbirn zu sehen ist. Die Wahl der bunten, plakativen Aufbereitung des Inhalts ist nachvollziehbar. Während wohl klar ist, dass der Umgang mit Grund und Boden neben der ohnehin nicht mehr gewährleisteten regionalen Versorgung auch die grundsätzliche Ernährungssicherheit und die Klimaproblematik betrifft sowie auf das Landschaftsbild wirkt, ist das Thema Bodennutzung äußerst komplex. Dass Spekulation und Hortung von Grundstücken das Wohnen verteuern, den öffentlichen Raum bedrohen und eine vernünftige Verkehrspolitik erschweren, ist bekannt, wirft aber Fragen auf. Diese verständlich zu erörtern, war den Ausstellungsgestalterinnen sowie Buchautorinnen Karoline Mayer, Katharina Ritter und Angelika Fitz ein Anliegen.

„Die Bodenfrage ist ein Dauerbrenner, von Verteilungskämpfen bis ökologischen Debatten.“

Angelika Fitz, Leiterin Architekturinstitut Wien

Dass der produktive Boden in Österreich Jahr für Jahr um einige Quadratkilometer schrumpft, darf Laien auch einmal krass vor Augen geführt werden, wer sich mit Flächenwidmung und Raumplanung befasst, weiß es sowieso. Da es keine Patentlösungen, aber verschiedentliche Ansätze gibt, die in Raumplanungskonzepte einfließen können, will Verena Konrad, Leiterin des vai, das Thema über den eigentlichen Ausstellungszeitraum hinaus im Fokus behalten. Das Projekt “Boden für alle” wurde im Wiener Architekturzentrum konzipiert und an verschiedenen Orten in Österreich mit den zur Verfügung gestellten Unterlagen aufbereitet.

Blick in die Ausstellung "Boden für alle". <span class="copyright">Todorovic</span>
Blick in die Ausstellung "Boden für alle". Todorovic

Nachverdichtung

Interessant ist ein Beitrag aus Vorarlberg. Nicole Rodlsberger und Johannes Sebastian Vilanek haben eine Reihe von in die Jahre gekommenen Einfamilienhäuser in Götzis unter die Lupe genommen. Die Instandhaltung hatte sich zum Teil bereits als schwierig erwiesen, die sich negativ auswirkenden Folgen sind bekannt und an einigen Straßenbildern in Österreich ohnehin erkennbar. Schließlich wurden unter Einbeziehung der Besitzer verschiedene Nachverdichtungsmuster entworfen, die wesentlich mehr Menschen Raum bieten und zudem individuellen Lebenssituationen entsprechen.

<span class="copyright">VN/Steurer</span>
VN/Steurer

Dieses Thema greift auch der Architekt Daniel Fügenschuh in einem der Ausstellung angekoppelten Interview auf. Obwohl es auch Missbrauch und Partikularinteressen gibt, seien vernünftige Nachverdichtungsmöglichkeiten nahezu überall vorhanden, die Gemeinden hätten diesbezüglich großes Potenzial, hält er fest. “Man sollte die Einfamilienhausstruktur verändern, es ist auch das Interesse da, generationsübergreifend zu bauen, da würde ich mir visionäre Konzepte auch von den Raumplanern erwarten.”

Gesetzgebung

Mit dem Verweis auf spekulative Leerstände, die bei ihm auf Unverständnis stoßen, greift er ein heißes Thema auf. Da die Bodenpreise im Wesentlichen die Kosten des Wohnens bestimmen, sind somit auch Politik und Verwaltung zum Handeln aufgerufen, um einen Ausgleich zwischen Individualinteressen und Gemeinwohl zu erreichen. Impulsgebend kann dabei auch ein Blick auf die Gesetzeslage in Deutschland sein, wo Eigentum, grob gesagt “verpflichtet” und auch das Wohl der Allgemeinheit weitreichende Berücksichtigung findet, während es in Österreich “unverletzlich” ist. VN-cd

Ein umfangreiches Katalogbuch liegt im vai auf. <span class="copyright">Todorovic</span>
Ein umfangreiches Katalogbuch liegt im vai auf. Todorovic

Die Ausstellung ist bis 22. Jänner im vai in Dornbirn (Marktstraße 33) geöffnet. Di bis Fr, 14 bis 17 Uhr, Do bis 20 Uhr, Sa, 11 bis 15 Uhr, Katalogbuch erhältlich.

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