Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Felder zum Jahresbeginn

Kultur / 16.01.2022 • 06:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Viel Freude brachte die Post Anfang des Jahres.

Ein Päckchen mit zwei Büchern, einmal die Ausgabe der vollständigen Gedichte von Franz Michael Felder (1839 – 1869), zudem das hochinteressante Jahrbuch des Felder-Archivs. Beide haben mir Spaß beim Lesen bereitet, sie haben mir Neues, Unbekanntes gebracht und sie haben zudem eine Lücke bei Franz Michael Felder auch für jene geschlossen, die glaubten, schon (fast) alles zu wissen. Dabei ist im Gedichtband kaum Unveröffentlichtes enthalten, aber das alles war eben bisher so verstreut in verschiedensten Ausgaben, dass man es nie in einem Guss lesen konnte. Zusammengetragen haben das für uns freundlicherweise Jürgen Thaler und Ingrid Fürhapter vom Franz-Michael-Felder-Archiv, Mitherausgeber ist der Felder-Verein.

„Das wirklich Schöne an der ganzen Sache aber ist, dass man durch all diese wissenschaftlichen Hinweise wieder animiert wird, Felder im Original zu lesen.“

Felders Gedichte sind die große Unbekannte im Werk des Bregenzerwälder Dichters, bekannt sind fast nur jene poetischen Arbeiten, die später vertont wurden. Etwa „Di vorliobt Wäldari“ (im Wälder Liederbuch heißt sie übrigens, an heutigen Sprachgebrauch angelehnt, „Wäldare“), die man besser unter der Anfangszeile „Geston, geston, annilee“ kennt und die heute im Bregenzerwald noch viel gesungen wird. Vertont hat dieses Gedicht – wie viele auch von anderen Wälder Mundartautoren – der Schoppernauer Schulleiter Adolf Sohm. Neben den Liedern schaffte es sonst fast nur „Katharinentag“ als hochdeutsches Gedicht zu größerer Bekanntheit. Besonders zu erwähnen sind die zwölf Mundartgedichte, die Jürgen Thaler vom heutigen Mundartdichter Norbert Mayer ins Hochdeutsche übertragen ließ, aber dankenswerterweise nicht in Übersetzung, sondern in eigenständiger lyrischer Fassung. Das ist schlichtweg großartig. Nicht zuletzt: Die Kommentare der Herausgeber zu den einzelnen Gedichten machen erst den richtigen Wert für den Leser. Mit den „Gedichten“ hat der am Schweizer Bodenseeufer beheimatete Verlag „Libelle“ seine Werkausgabe zu Franz Michael Felder – insgesamt sechs Bände mit den wichtigsten Romanen und Novellen – abgeschlossen. Eine erstaunliche Leistung von Verlag und den Herausgebern Walter Methlagl, Ulrike Längle und Jürgen Thaler.

Wichtig zu erwähnen auch das Jahrbuch des Felder-Archivs, in dem sich verschiedenste Annäherungen unterschiedlicher Autoren und Autorinnen zu Franz Michael Felder finden. Es bringt somit eine erwünschte Erweiterung zum heutigen Wissensstand der Felder-Forschung und zur Felder-Rezeption, die nach einem Titel eines Aufsatzes „immer weiter geht“. Das wirklich Schöne an der ganzen Sache aber ist, dass man durch all diese wissenschaftlichen Hinweise wieder animiert wird, Felder im Original zu lesen. Und das ist doch noch immer das Beste.

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.

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