So motzen zwei Theaterunternehmen ein Dürrenmatt-Stück auf

Kultur / 28.01.2022 • 08:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
So motzen zwei Theaterunternehmen ein Dürrenmatt-Stück auf
“Herkules und der Stall des Augias” entstand als Koproduktion des Schweizer Theaters Marie mit dem Vorarlberger Landestheater. Zimmermann

“Herkules und der Stall des Augias” am Vorarlberger Landestheater.

Bregenz Was sich aus der Werkliste von Friedrich Dürrenmatt auf den Bühnen hielt, sind erstens “Die Physiker” und zweitens “Der Besuch der alten Dame”, wobei Claire Zachanassian Regisseurinnen und Regisseure vor ziemliche Herausforderungen stellt. Dass viele Texte des Schweizers zum Bildungskanon zählen, wird darüberhinaus nicht selten von Schultheatergruppen berücksichtigt, die auch die einfache Farce nicht scheuen. In Gymnasien mit humanistischer Ausrichtung greift man somit gern einmal zu “Romulus der Große” und wenn die Helden der griechischen Mythologie auf dem Lehrplan stehen, darf es auch “Herkules und der Stall des Augias” sein. Dass hier eine parlamentarische Demokratie ob besonders träger Bürokratie zur Karikatur verkommt, streift – wie praktisch – schließlich auch noch weitere Fächer. Soll aus dem Dürrenmatt’schen “Herkules” jedoch ein spannender Theaterabend für alle werden, braucht es einen besonderen Zugriff.

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Zimmermann

Den meinte das Schweizer Theater Marie, eine Institution im Karton Aargau, die zum zweiten Mal mit dem Vorarlberger Landestheater zusammenarbeitet, mit einigen Eingriffen in die Fassung und mit der Umkehrung der antiken Rollenbesetzung erreichen zu können. Sprich: alle Männer werden von Frauen gespielt. Für einen Mann blieb aufgrund des krankheitsbedingten Ausfalls eines Kollegen, den wiederum eine Frau ersetzt, gerade noch die Rolle der Herkules-Geliebten Deianeira, die diesem – so der Einfall von Regisseur Olivier Keller – viel Möglichkeit zum Ulk bietet. Ein etwas gezügelter Bully Herbig geht somit in der Frauenrunde um, die Männer spielen, denen der Mist, wie wir es von den Götter- und Heldenmythen kennen, zwar bis zum Hals steht, die am Status quo dann aber doch nicht rütteln wollen. Sie hatten sich das Leben schon so bequem eingerichtet, bevor Augias schließlich auch noch feststellt, dass besagter Mist seine Kleingartenanlage düngt.

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Nachdem der Mond so pittoresk über die Berglandschaft wanderte, für die Dominik Steinmann eine biedere Laubsägearbeit vergrößerte, beäugte auch noch Dürrenmatt selbst die finale Idylle. Er scheint – logisch – über das Treiben nicht erfreut zu sein, das Premierenpublikum in Bregenz bekundete dies hingegen mit viel Applaus. Selbstzufriedene Provinzler in diesem schweizerischen Elis, in dem das Stück hier verortet ist, dienen schließlich dem Amüsement. Ein wenig Esprit ist auch dabei, wenn Florentine Krafft als Polybios ihre liebe Not mit ihrem Herrn hat, an dessen Ruf als Kraftprotz und Weiberheld nicht mehr viel dran ist. Man ist vielmehr der Banalität des Alltags ausgesetzt, in dem es ums Geldverdienen geht, um den Erhalt der Würde inmitten vieler Aufgeblasener, für die die Ausstatter weitere Symbole bereithalten. Weil der Löwen- bzw. Leo-Look auch modisch fast immer passt, trägt ihn Milva Stark als Herkules so schön mit trotzigem Überlebenswillen zur Schau. Das hat etwas, auch damit widersetzt man sich jener Harmlosigkeit, die dem Stück anhaftet und die es zu überspielen gilt.

Weitere Aufführungen des Stücks “Herkules und der Stall des Augias” von Friedrich Dürrenmatt ab 29. Jänner bis 4. Februar am Vorarlberger Landestheater in Bregenz.

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