Als Warnung zu verstehen

Kultur / 11.02.2022 • 17:23 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Als Warnung zu verstehen

Doron Rabinovici widmet sich dem Bild, das wir uns von Politikern machen.

Roman Während im Textbereich niemand auf die Idee käme, den Artikel eines populistischen Agitators eins zu eins in einem Qualitätsmedium zu verwenden, würden sich auch Qualitätsmedien „viel hilfloser benehmen, wenn es um Bilder geht. Mir ging es um die Zurschaustellung der Zwickmühle, in der wir uns befinden. Dabei verteidigen wir aber nichts weniger als demokratische Grundfreiheiten, die in Gefahr sind“, sagt Doron Rabinovici. Es geht also in fototechnischer wie in weltanschaulicher Sicht um die richtige Einstellung. Die Figuren, mit denen Rabinovici diesen Konflikt kulminieren lässt, heißen Ulli Popp und August Becker. Popp ist ein populistischer Politiker, der sich zum Volkstribun stilisiert. Es gebe kein direktes Vorbild für ihn: „Manche seiner Worte stammen von Orban, Salvini, Trump, Strache oder Kickl.“ Popps Antagonist ist der Pressefotograf Becker.

Diesem gelingt bei einem Bier-anstich ein Bild des Politikers, das sich nicht nur vielfältig verwenden lässt, sondern auch als Beweismittel dienen kann. „Das Foto decouvriert Popp, aber es verherrlicht ihn auch – in einer Art und Weise, die ihm nie eingefallen wäre. Dabei zeigt Rabinovici eine Art Doppelmühle: Selbst wenn die Entlarvung gelingt, „verstehen es diese rassistisch-autoritären Populisten, unsere Aufregung darüber als Trampolin auszunutzen“. Das Buch sei auch als Warnung zu verstehen: „Ich habe versucht das darzustellen, was man früher hilflosen Antifaschismus genannt hat. Ich bin überzeugt: Eine Gesellschaft, die auf Populismus gedrillt wird, kommt davon nicht mehr los.“

“Die Einstellung”, Doron Rabinovici, Verlag Suhrkamp, 224 Seiten.