Der Begriff zugänglich wird wörtlich genommen

Kultur / 17.02.2022 • 22:06 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
AKT will den in den 1930er-Jahren errichteten Austria-Pavillon in den angrenzenden venezianischen Stadtteil hinaus öffnen. wey
AKT will den in den 1930er-Jahren errichteten Austria-Pavillon in den angrenzenden venezianischen Stadtteil hinaus öffnen. wey

Österreicher wollen bei der Architektur-Biennale venezianische Stadtgrenzen verschieben.

Wien, Venedig Das Architekturkollektiv AKT und der Wiener Architekt Hermann Czech (85) gestalten im nächsten Jahr in einer generationenübergreifenden Kollaboration den österreichischen Beitrag auf der 18. Architektur-Biennale von Venedig, die vom 20. Mai bis zum 26. November stattfinden wird. Das gab Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer bekannt. Insgesamt waren im Zuge der Ausschreibung 18 Bewerbungen eingegangen.

Das gemeinsam entwickelte Projekt „Beteiligung / participation“ soll nicht nur eine Ausstellung sein, sondern „vielmehr ein gesellschaftlich wirksamer temporärer Umbau“ des österreichischen Pavillons, wie es heißt. Im Zentrum des architektonischen Eingriffes sollen die Gegensätze zwischen „öffentlich/privat“, „zugänglich/nicht zugänglich“ und „gemeinschaftlich/individuell“ stehen. Im Fokus stehe dabei der direkt an die Giardini angrenzende Stadtteil Sant‘Elena, der als einer der wenigen noch überwiegend von lokaler Bevölkerung bewohnt werde. „AKT und Hermann Czech brechen durch die historische Grenzmauer und verschieben die Trennung zwischen Biennale und Stadt in den Pavillon.“ Zum Kollektiv gehören u.a. Gerhard Flora, Lena Kohlmayr, Susanne Mariacher und Harald Trapp.

Zweite Ausschreibung

Der Wiener Architekt Hermann Czech, der sich auch als Theoretiker, Lehrender und Ausstellungsgestalter hervorgetan hat, war zuletzt etwa an der Neugestaltung des Sigmund Freud Museums im Jahr 2020 beteiligt. Zu seinen verwirklichten Bauten zählen u. a. die Blockbebauung an der Wendeanlage der U3 in Wien-Ottakring (1997), eine Fußgängerbrücke im Wiener Stadtpark oder das Hotel Messe Wien (2005). Hinzu kommen Umbauten wie die Winterverglasung der Loggia der Wiener Staatsoper (1994). Bekannt wurde Czech auch durch eine Vielzahl von Gastroarchitekturen. Seit 2019 wird das kuratorische Konzept für den Pavillon ausgeschrieben, eine Jury wählt die Beiträge in einem mehrstufigen Verfahren aus. 2021 war der Austria- Pavillon vom Duo Peter Mörtenböck und Helge Mooshammer unter dem Titel „Platform Austria“ bespielt worden.

Austria-Pavillon bei der Architektur-Biennale 2021. vn/cd
Austria-Pavillon bei der Architektur-Biennale 2021. vn/cd