Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Wenn Kunst verschwindet

Kultur / 18.02.2022 • 19:13 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Zeitgemäße Kunst erzielt heute Preise, die richtiggehend durch die Decke schießen. Zumindest bei Künstlern, die einen internationalen Namen haben. Umgekehrtes kann man auf der regionalen Ebene feststellen. Da sind selbst Künstler, die in unserem Land zu den Ikonen der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zählen, einem Preisverfall ausgesetzt, der fast erschreckend ist. Um Namen zu nennen, seien (ohne Vollständigkeit) Eugen Jussel, die Künstler des Bregenzer Kreises (etwa Helmut Fetz), Walter Khüny oder auch Hubert Berchtold genannt. Alles Künstler, die noch vor Kurzem – zu ihren Lebzeiten – erstaunliche Preise erzielten. Vergleicht man das mit jenen Preisen, die heute bei Auktionshäusern oder auch in Galerien für diese (und andere, vor allem in der Region bedeutende) Künstler erzielt werden, dann kann man sich nur wundern. Schleuderpreise nennt man das, wenn man nicht schon von Ausverkauf sprechen will. So verschwinden diese Künstler nicht nur aus dem Kunstmarkt, sondern immer mehr auch aus dem Bewusstsein. Manchmal verschwinden auch Künstler immer mehr auch aus dem öffentlichen Raum, wie man am Beispiel Hubert Berchtold (1922 – 1983) verfolgen kann.

Berchtold war nach dem Zweiten Weltkrieg einer der wichtigsten Maler des Landes, vor allem im Raum Bregenz erhielt er viele öffentliche Aufträge von Stadt und Land. Manche dieser Bauten, in denen Berchtold vertreten war oder ist, fielen oder fallen aber der Spitzhacke zum Opfer – und oft auch die Kunst. So geschehen im ehemaligen Seniorenheim Schlossbergstraße, bei dem mit dem Abbruch auch eine keramische Wandarbeit von Berchtold verloren ging.

Schon etwas früher verschwand im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Bundesländer-Versicherung ein Glasmosaik von Berchtold beim Umbau hinter einer vorgezogenen Wand und bleibt damit unsichtbar. Ebenso wurde beim Umbau des Landeskrankenhauses Bregenz das Glas-Stahlobjekt Berchtolds, das sich im Foyer vom Boden bis zur Decke erstreckte, ein Opfer der neuen Pläne. Zwei weitere Arbeiten von Hubert Berchtold sind in akuter Gefahr: Das Seniorenheim Tschermakgarten soll in absehbarer Zeit abgerissen werden – die Zukunft der Glasfenster in der Kapelle ist damit mehr als unsicher. Und schließlich muss auch das Hallenbad in Bregenz einem Neubau weichen, womit die größte Arbeit von Berchtold zerstört wird, nur ein kleiner Teil wird gerettet werden können. Alles sehr traurig – doch wenigstens ein Glück, dass zwei besonders wichtige, späte Arbeiten von Hubert Berchtold gesichert sind: Die 14-Nothelferkapelle in Klösterle (die letzte große Arbeit von Hubert Berchtold) und der Montfortsaal im Landhaus in Bregenz.

„Manche dieser Bauten, in denen Berchtold vertreten war oder ist, fielen oder fallen aber der Spitzhacke zum Opfer – und oft auch die Kunst.“

Walter Fink

walter.fink@vn.at

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.