Wenn Spielfreude auf eine bewegte Vergangenheit trifft

Kultur / 18.02.2022 • 16:35 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Wenn Spielfreude auf eine bewegte Vergangenheit trifft
Das “Quarta”-Ensemble in der Septettbesetzung mit Christoph Eberle auf der Bühne im Bregenzer Gössersaal. JU

Der Gössersaal bot dem Projekt „Quarta einviertel“ von Christoph Eberle ein ideales Ambiente.

BREGENZ Einen besseren Start als dieses Konzert hätte man dem jüngsten „Quarta“-Projekt des Dirigenten Christoph Eberle gar nicht wünschen können. Denn da lag gleich so etwas wie ein besonderer Zauber in der direkten Begegnung von jugendlicher Spielfreude einer Auswahlbesetzung von Musikstudenten mit dem etwas angejahrten Charme des Gössersaales als Zeugnis einer bewegten Vergangenheit des Bregenzer Bürgertums.

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Man möge doch diese akustisch und optisch so ideale Räumlichkeit auch für die Zukunft unverändert für solche Anlässe bewahren, regte Musikvermittler Eberle an, der damit sein wertvolles Jugendprojekt ins siebte Jahr des Bestehens führt. Es traf sich gut, dass man schon seit Jahren jeweils um diese Zeit in den Semesterferien eine kammermusikalische Variante mit dem bescheidenen Zusatz „einviertel“ wählt, weil diese auch unter den auslaufenden Corona-Vorgaben leichter zu bewerkstelligen ist als die opulenten Besetzungen in großen Sälen.

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Und dabei geht es nicht allein um den Wohlfühl-Faktor für die Zuhörer und die Begeisterung junger Menschen für Mozart und Beethoven. Christoph Eberle hat in seiner Werkwahl auch Bedacht darauf genommen, dass Feinspitze ihre Besonderheiten in der speziellen Besetzung und Verarbeitung der Werke vorfinden. So ist etwa das einleitende Hornquintett in Es-Dur, KV 407, das Mozart 1782 dem befreundeten Hornisten Joseph Leutgeb widmete, statt einer zweiten Violine mit zwei Bratschen ausgestattet, was dem Klang des Streichquartetts in den Mittelstimmen eine sattere Tönung verleiht. Auch der Part des Hornisten ist in den ersten zwei Sätzen dialogisch ins Geschehen integriert, erst im finalen Rondo-Allegro darf der tonlich und technisch respektable Anton Doppelbauer solistisch mehr in den Vordergrund treten.

Christoph Eberle als Ensemblemitglied

Auch Christoph Eberle sieht logischerweise keinen Anlass, an diesem Abend zum Dirigentenstab zu greifen. Er fügt sich auf seinem beim Berliner Philharmoniker Alois Brandhofer am Konservatorium Bregenz erlernten Instrument Klarinette untadelig und ganz bescheiden, mit schönem Ton und ohne auch nur einen Einsatz geben zu wollen, ins nun erweiterte Ensemble ein. Für die jungen Musiker bedeutet Beethovens berühmtes Septett in Es-Dur op. 20 nun freilich ein anderes Kaliber, hat er doch schon um 1800 aus diesem Werk so etwas wie eine Kammersymphonie gemacht, die später Schubert zum Vorbild für sein Oktett und seine Symphonien werden sollte. Aber das ausführliche sechssätzige Werk von 40 Minuten Spieldauer ist sorgfältig geprobt und detailreich vorbereitet, auch in Agogik und Dynamik. Da entsteht etwa das melodiöse Adagio traumhaft kompakt in sanglicher Intensität, werden das Menuett und der bereits Scherzo genannte zweite Dreiertakt zu volkstümlich stürmischen Offenbarungen.

Im Variationensatz wird dann jede und jeder auch solistisch gefordert, was ja überhaupt Zweck dieser Übung ist: den jungen Musikern in der kleineren Besetzung mehr Verantwortung zu übertragen als in der Masse des großen Orchesters. Da sind die überlegen führende und in höchsten Lagen brillierende Konzertmeisterin Yenia Rubin, der hochmusikalische Fridolin Schöbi, Bratsche, die verlässliche Hannah Eberle am Cello und Clemens Erhart mit solidem Fundament am Kontrabass. Das Bläsertrio wird neben Eberle ergänzt durch die top aufspielende Johanna Bilgeri am Fagott und nochmals Anton Doppelbauer, Horn. Bei Mozart wäre noch der Komponist und Bratschenbauer Zuko Samela an der zweiten Viola zu erwähnen. Der Gössersaal erzittert unter dem Jubel des zahlreichen Publikums. Fritz Jurmann

Weitere Konzerte: 18. Februar, 19.30 Uhr, Markus-Sittikus-Saal, Hohenems; 19. Februar, 19.30 Uhr, Remise Bludenz; 20. Februar, 18 Uhr, Angelika-Kauffmann-Saal Schwarzenberg