Warum der Vorarlberger Heinz Fitz zur Romanfigur wurde

Kultur / 22.02.2022 • 10:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Warum der Vorarlberger Heinz Fitz zur Romanfigur wurde
Der Schriftsteller Alois Hotschnig hat nach Gesprächen mit Heinz Fitz den Roman “Der Silberfuchs meiner Mutter” verfasst. larl

“Es waren Tausende Kinder betroffen. Das werde ich nie vergessen”: Alois Hotschnig hat nach Gesprächen mit Heinz Fitz einen Roman verfasst.

Hohenems, igls „Mein Einstieg als Schauspieler war toll“, erzählt Heinz Fitz. Im Theater am Turm in Frankfurt probte man die „Publikumsbeschimpfung“ von Peter Handke. Der Schauspieler lernte den Autor persönlich kennen, der somit, wie er sagt, „ganz früh zu den Schriftstellern des Jahrhunderts zählte“. Mittlerweile ist Fitz enttäuscht von Peter Handke. „Wie soll man es noch nachvollziehen, dass er dann zur Beerdigung eines Menschenschlächters geht?“

Heinz Fitz ist der Mann, der die Hauptfigur im Roman „Der Silberfuchs meiner Mutter“ des Tiroler Autors Alois Hotschnig wurde. Am Dienstag ist die wegen der Pandemie immer wieder verschobene Lesung nun in Hohenems geplant. Fitz wurde in diesem Ort geboren. „Ich bin eines von Tausenden Lebensborn-Kindern“, sagt er im Gespräch mit den VN, das in einem langen Telefonat stattfindet, in dem er von erschütternden Vorfällen erzählt, aber auch von Begegnungen mit Literatur, Filmen, Künstlerinnen und Künstlern. Er lebe jetzt mit Hühnern und Katzen in Igls, stehe um halb fünf Uhr früh auf, um die Tiere zu versorgen, die andere schon entsorgt hatten.

Heinz Fitz: "Ich bin eines von Tausenden Lebensborn-Kindern."<span class="copyright">Hotschnig </span>
Heinz Fitz: "Ich bin eines von Tausenden Lebensborn-Kindern."Hotschnig

Hotschnig hat Belletristik, keine Dokumentation verfasst. Heinz Fitz hat sich mit dem Schriftsteller über einen langen Zeitraum immer wieder getroffen und ist absolut einverstanden mit dem Inhalt des Romans. „Es ist keine typische Biografie, die meisten Biografien sind stinklangweilig.“ Die Jugend von Heinz Fitz war es nicht, sie war hart. Die Mutter war Norwegerin und brachte 1942 das Kind eines Wehrmachtssoldaten aus Österreich zur Welt, der die Vaterschaft lange verleugnete. Eine neue Heimat gab es für die junge Frau nicht, die frühere, die in Norwegen, verlor sie.

Der Bub kam ins Heim. Die Mutter fand ihr Kind nach einigen Jahren wieder, konnte es wegen ihrer Krankheit aber nicht vor Gewalt und sexuellem Missbrauch schützen. Die Kälte, die ihn umgab, beschreibt Heinz Fitz mit einem Bild, das sich beim Zuhören festprägt. Hühnerschlachten wurde ihm beigebracht – und er tat es, es ging ihm schnell von der Hand. Als großgewachsener Kerl war er irgendwann in der Lage, sich gegen die Übergriffe der Männer zu wehren. Ein Pfarrer war dabei, in seiner Vorarlberger Gemeinde habe man gewusst, dass er sich immer wieder an Knaben vergeht, aber niemand habe etwas dagegen getan. „Ich weiß, dass Tausende Kinder betroffen waren, dass es ihnen so ergangen ist wie mir und ich werde das auch nie vergessen.“ Als Zwölfjähriger versuchte er sich das Leben zu nehmen.

Die Wende in seinem Leben

Als Jugendlicher arbeitete er in einer Stickerei. Ein Besuch bei einem Arzt hat dann eine Wende in seinem Leben gebracht. In einem dort aufliegenden Magazin las er von einer Schauspielschule. Für Theater und Kino hatte er sich früh begeistert, von Angie Dickinson war er so fasziniert, dass er für ein Autogramm mit dem Roller nach Italien fuhr. Mit der Schauspielerei hat es jedenfalls geklappt. Am Vorarlberger Dialekt, den Fitz neben akzentfreiem Deutsch im Gespräch mit ein paar Brocken „Luschnouerisch“ vorführt, hatte sich keiner gestört, denn der junge Mann hatte Talent. Ein Engagement hatte er bald in der Tasche. „Ich konnte meiner Mutter Geld schicken. Das war grandios.“

Erste Stationen waren verschiedene deutsche Bühnen, aber auch Engagements an Häusern, mit denen er Gastspielreisen unternehmen konnte. Er erzählt von einer schönen Anfangszeit, aber auch von grauenhaft antisemitischen Bemerkungen, die im Nachkriegsdeutschland gefallen sind. „Man hat zu wenig Juden vergast“, auch das hatte sich Heinz Fitz anhören müssen.

„Ich bin absolut einverstanden mit dem, was Alois Hotschnig nun geschrieben hat.“

Heinz Fitz, Schauspieler

Der Schauspieler war später lange am Tiroler Landestheater tätig. Von Arbeiten mit Klaus Rohrmoser, Dominique Mentha und Brigitte Fassbaender spricht er mit großer Dankbarkeit. Madeleine Weiler schrieb das Dokumentarstück „Brunnenlichter“ über Lebensborn-Kinder, das mit Heinz Fitz aufgeführt wird. Im Vorarlberger Landesarchiv ist auch ein Auftritt mit Klaus Schöch in Molières „Der eingebildete Kranke“ dokumentiert.

Lesung von Alois Hotschnig aus „Der Silberfuchs meiner Mutter“, 22. Februar, 19.30 Uhr, Salomon Sulzer Saal, Hohenems.