Ein Humorist für alle Fälle

Kultur / 25.02.2022 • 20:22 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Markus Linder leitet im August wieder das New-Orleans-Festival Hohenems und plant ein Programm mit Maria Neuschmid. schubl
Markus Linder leitet im August wieder das New-Orleans-Festival Hohenems und plant ein Programm mit Maria Neuschmid. schubl

Markus Linder ist ein echter Allrounder.

RANKWEIL Der umwerfende Blues-Interpret und Musik-Comedian, der coole Pfarrer in der TV-Serie, der quirlige Moderator und Kabarettist, der seine Zuschauer seit 30 Jahren Abend für Abend nicht mehr loslässt und dabei Lehrer werden sollte: Mit diesen Eckpunkten ist Markus Linder längst ein „Humorist für alle Fälle“, mit einem dicken Plus fürs Musikalische.

 

Wie lautet Ihr Lebensmotto?

LINDER Leben und leben lassen. Folge Deinem Herzen und Deinem Talent.

 

Wie schwer ist es, ein Kabarettpublikum in Stimmung zu bringen?

LINDER Das ist immer eine echte Mutprobe. Ein gewisses Talent ist sicher die Grundlage, aber bei einem Kabarettisten ist das „Learning by Doing“. Es gibt für Kabarett ja keine Ausbildung.

 

Muss man dazu die Menschen lieben?

LINDER Ja, für mich gilt das auf jeden Fall.

 

Clowns sagt man nach, dass sie abseits der Manege nicht so lustig sind. Wie ist das bei Ihnen, wenn man etwa Ihre Frau fragen würde?

LINDER Ich bin auch im Alltag ein vergnügter Mensch und lache oft mit meiner Frau. Vor allem dann, wenn Glühbirnen-Wechseln oder Ein-Bild-an-die-Wand-Hängen zu Herkulesaufgaben werden, denen ich nicht gewachsen bin.

 

Worüber lachen Sie sonst?

LINDER Das alltägliche Leben schreibt die lustigsten Dinge. Und da gehört es zu meinem Beruf, die Antennen auszufahren und aufmerksam zu sein, Ideen zu sammeln. Natürlich kann ich auch über mich selbst lachen. Für mich ist das Voraussetzung für erfolgreiches Kabarett. Oder, sagen wir so: Meine Frau lacht, und ich lache dann (etwas verzögert) mit. So sind auch bisher zehn Programme entstanden, die wir gemeinsam schreiben.

 

Probieren Sie neue Nummern zunächst im privaten Kreis aus, bevor Sie damit vors Publikum treten?

LINDER Nein. Ich probiere es vor meiner Frau aus, das muss genügen. Und sie ist gnadenlos.

 

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, nach Ihrem Studium nicht Lehrer, sondern Kabarettist zu werden?

LINDER Da war kein Plan dabei, es ist alles einfach passiert. Gemäß dem Vorbild meines Vaters und der Vorväter habe ich in Innsbruck Lehramt studiert und danach in Tirol an der Schule keinen Job bekommen. Ich habe mich dann drei Jahre als Kursleiter beim BFI Tirol durchlaviert, bis ich beschloss, ab 1990 freiberuflicher Künstler zu werden – und das bin ich bis heute. Zuerst Bar-Pianist, dann „Kleiner Prinz“ mit meinem Freund Tschako, und ab 1997 als Solo-Kabarettist. Ein Beschluss, den ich nie bereut habe.

 

Da hat sicher auch das Erbe in Ihren Genen mitgespielt – Ihre Eltern bildeten ja mit Klaus Schöch und Karl Winger die heute legendären „Wühlmäuse“?

LINDER Die „Wühlmäuse“ waren zweieinhalb Jahrzehnte in unserer Familie das dominierende Thema, und meine Eltern sind in dieser künstlerischen Arbeit aufgegangen. Es freut mich, wenn heute noch alte „Wühlmäuse“-Fans nach einem Auftritt zu mir sagen: „Dia Oga und dia Mimik! Die oabar Mama!“

 

Das war damals scharf pointiertes politisches Kabarett. Warum sind die Kabarettisten im Land heute so handzahm geworden?

LINDER ‚Handzahm‘ – na ja. Das politische Kabarett muss Dir liegen, vor allem, wenn Du solo auf der Bühne stehst. Mir liegt es nicht, ich habe es am Anfang probiert und kann ganz klar sagen: Mein Ding ist die Musik-Comedy, da bin ich authentisch und zuhause.

Die Musik spielt auch über das Kabarett hinaus eine wichtige Rolle, dabei ist eine Neigung zum Blues spürbar, etwa in Ihrem Hit „An g‘höriga Riebl“?

LINDER Ja, es freut mich sehr, dass dieses Lied im Ländle ein kleiner Gassenhauer geworden ist. Seit 1999 trete ich gemeinsam mit meiner Sabine als Kurator von New-Orleans-Festivals auf, in Innsbruck bis heute, früher in Bregenz, heute in Hohenems. Wir versuchen, den Spirit von New Orleans und Künstler von drüben mit heimischen Acts zusammenzubringen.

 

Brauchten Sie eine klassische Klavierausbildung?

LINDER Ja, sie gab mir aber das technische Rüstzeug für meine spätere Karriere. Mit 14 wollte ich aufhören, aber Vater Heiner Linder sagte unmissverständlich: „Kunnt überhaupt ned in Frog!“ Ich bin normalerweise gegen Zwang, in diesem Fall bin ich ihm aber bis heute sehr dankbar.

 

Wie sind Sie in der Fernsehserie „Vier Frauen und ein Todesfall“ zur Rolle des Pfarrers gekommen?

LINDER Die Drehbuchautoren Rupert Henning und Uli Bree haben mich vorgeschlagen, ich bin zum Casting mit Adele Neuhauser gefahren und Regisseur Andreas Prochaska hat mich als Hochwürden für würdig befunden.

 

Sie leben in Tirol, haben die Tiroler den besseren Humor als die trockenen Vorarlberger?

LINDER Diese Frage kann mit einem klaren Nein beantwortet werden. Die Vorarlberger sind ein großartiges Publikum, von trocken und spröd keine Spur.

Zur Person

MARKUS LINDER

GEBOREN 1959 in Dornbirn

AUSBILDUNG Studium in Jus, ab 1978 Deutsch, Latein und Geschichte für das Lehramt

TÄTIGKEIT Tourneen als Solo-Kabarettist, Conferencier, Kurator von New-Orleans-Festivals, Schauspieler

FAMILIE verheiratet mit Sabine 

Nächste Termine mit Markus Linder: 19. – 22. August New-Orleans-Festival Hohenems; ab 13. September gemeinsam mit Maria Neuschmid im neuen Programm „Duo Sunshine”; weitere Termine im Soloprogramm „O Solo Mio“