Krieg trifft die Kunst: Absagen, Ausladungen und Stellungnahmen

Kultur / 01.03.2022 • 19:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Krieg trifft die Kunst: Absagen, Ausladungen und Stellungnahmen
Sopranistin Anna Netrebko hat Auftritte abgesagt. Dazu äußert sich die Züricher Oper auch konkret und differenziert. AFP

Festspiele in Bregenz und Salzburg positionieren sich gegen jene, die sich mit den Betreibern des Krieges identifizieren.

Bregenz, Salzburg, Zürich, München „Dieser Krieg ist ein Angriff auf Grundwerte wie Freiheit und Demokratie, eine Gefährdung der freien Entfaltung von Kunst und Kultur über Staatsgrenzen hinweg und eine Vereitelung des Wunsches nach Frieden und Stabilität. Wir sehen daher keine Grundlage für eine künstlerische Zusammenarbeit mit Institutionen oder Einzelpersonen, die sich mit diesem Krieg oder seinen Betreibern und deren Zielen identifizieren”, heißt es in einer Verlautbarung der Bregenzer Festspiele. Die derzeitigen Entwicklungen dürften allerdings nicht dazu führen, Einzelpersonen nur aufgrund ihrer Nationalität auszugrenzen.

Kirill Petrenko, Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, spricht von einem "heimtückischen Angriff". <span class="copyright">SOV/MATHIS</span>
Kirill Petrenko, Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, spricht von einem "heimtückischen Angriff". SOV/MATHIS

Während im großen Kulturunternehmen Menschen aus unterschiedlichen Ländern tätig sind, stellt sich die Verbindung der Salzburger Festspiele zu Russland und seinem Präsidenten Wladimir Putin wesentlich komplexer dar, wird bzw. wurde das Festival doch auch konkret von einer Gesellschaft russischer Freunde sowie Sponsoren aus dem Land unterstützt. Vor zwei Jahren spießte sich zudem ein zumindest angesagter Besuch Putins mit dem Friedensmotto des Unternehmens. Nichtsdestotrotz gab die Festspielleitung nun fast gleichlautend mit der Aussendung der Bregenzer Kollegen bekannt, “keine Grundlage für eine künstlerische oder wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Institutionen oder Einzelpersonen zu sehen, die sich mit diesem Krieg, dessen Betreibern und deren Zielen identifizieren”.

Deutliche Worte von Petrenko

Kirill Petrenko, der Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, der einst von Omsk nach Vorarlberg emigrierte, fand in einer Mitteilung deutliche Worte zur Invasion Russlands in die Ukraine: „Der heimtückische und völkerrechtswidrige Angriff Putins auf die Ukraine ist ein Messer in den Rücken der ganzen friedlichen Welt.“ Es handle sich dabei auch um einen “Angriff auf die Kunst, die bekanntlich über alle Grenzen hinaus verbindet”.

Veranstalter in verschiedenen Ländern sowie die Münchner Philharmoniker haben die Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Waleri Gergijew beendet. <span class="copyright">DPA</span>
Veranstalter in verschiedenen Ländern sowie die Münchner Philharmoniker haben die Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Waleri Gergijew beendet. DPA

Während es in Bregenz oder Salzburg noch zu keinen Konsequenzen kommen musste, haben mehrere Veranstalter sowie die Stadt München, wo er Chef der Philharmoniker ist bzw. war, die Zusammenarbeit mit dem Putin nahestehenden russischen Dirigenten Waleri Gergijew gekündigt. Der Dirigent wird auch beim diesjährigen Grafenegg Festival in Österreich nicht am Pult stehen. Auch von dort ließ man verlauten, dass man mit Bedauern zur Kenntnis nehmen musste, dass Gergijew nicht bereit ist, sich vom Krieg der Russischen Föderation gegen die Ukraine zu distanzieren.

Ausladung oder Absage von Anna Netrebko

Nicht eindeutig lässt sich klären, ob die Konzertabsagen von Anna Netrebko – etwa in Mailand und Zürich – nicht auch Ausladungen sind. In einer Aussendung der Zürcher Oper heißt es, dass man es nicht für angemessen hält, Handlungen von Bürgerinnen und Bürgern repressiver Regime zu beurteilen, dass aber “unsere entschiedene Verurteilung von Putin und seinem Handeln einerseits und Anna Netrebkos öffentliche Position dazu anderseits nicht kompatibel sind”. Die Sopranistin hatte den Krieg ausdrücklich verurteilt, sich aber nicht von Putin distanziert.