Reizvolles Familienstück, in dem sehr viel steckt

Kultur / 11.03.2022 • 10:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Reizvolles Familienstück, in dem sehr viel steckt
“Der schwarze Hund” basiert auf einem Bilderbuch von Levi Pinfold. Nadine Schütz

“Der schwarze Hund” des Vorarlberger Ensembles Café Fuerte ist mit vielen Feinheiten gespickt.

Alberschwende Schon einer der neuen Aufführungsorte des Ensembles Café Fuerte verdeutlicht einen wichtigen Aspekt des Engagements von dessen Leitern Danielle Fend-Strahm und Tobias Fend, wurde mit dem Gasthof Brauerei in Alberschwende doch eine Nutzungsmöglichkeit für einen Leerstand angedeutet. Das Publikum, das die Atmosphäre in den Gaststuben vorher und nachher erkundete, schien sie zu goutieren wie das Stück, in dessen Inszenierung auf die Örtlichkeit mit niedriger Decke und einer Fensterfront Bezug genommen wurde. Dass das auf Tourneen setzende Café-Fuerte-Team mit Regisseurin Danielle Fend-Strahm, dem Ausstatter Matthias Strahm und dem Musiker Florian Wagner diesbezüglich so kreativ wie flexibel ist, hat es längst bewiesen, und so gesehen ist es auch nicht verwunderlich, dass man sich nach der Bühnenadaptierung von Marlen Haushofers Roman “Die Wand” sowie politisch aufgeladenen eigenen Texten von einem Kinderbuch inspirieren ließ.

Das Ensemble Café Fuerte macht daraus Figurentheater mit Clownereien und Musik. <span class="copyright">Nadine Schütz</span>
Das Ensemble Café Fuerte macht daraus Figurentheater mit Clownereien und Musik. Nadine Schütz

In “Black Dog” thematisiert Levi Pinfold die Angst, die immer größer wird, wenn man sich ihr nicht stellt. Mutiert zum Theaterstück “Der schwarze Hund”, steckt noch viel mehr in der Story vom harmlosen Tier, das in der Vorstellung der Bewohner eines Hauses zum bedrohenden Monster heranwächst. Die hohe Qualität der Aufbereitung als Familienstück ergibt sich aus der Tatsache, dass das Team das Werk als fantasievolle, mit eingehender Musik und Clownereien aufbereitete, einfach lesbare Parabel anbietet, die darüber hinaus aber mit sehr vielen Feinheiten gespickt ist.

Schöner Humor

Abgesehen davon, dass sich Meda Banciu, Tobias Fend, Stefan Weigelin und Gregor Weisgerber neben der immer wieder clownesken Mimik ein kurioses Figurentheaterspiel angeeignet haben, bei dem besagter Hund in verschieden großen Teilen zum Einsatz kommt und dabei in die temperamentvolle Choreografie integriert wird oder eben allerliebst erscheint, hat der Text viel Biss. Von vernagelten Fenstern sowie verstärkten Türen ist die Rede, und das Ausblenden der Wirklichkeit trägt paranoide Züge und fördert die Gewaltbereitschaft. Diese Lesart, die zudem einen Verweis auf das Verhalten in der Pandemie erkennen lässt, fließt subtil ein und hat als Botenstoff einen schönen Humor.

Nächste Aufführung am 17. März, 19 Uhr, im Antiquariat Chybulski in Feldkirch (Bahnhofstraße) und zahlreiche weitere an verschiedenen Orten: www.cafefuerte.ch

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