Die Kauffmann hätte ihre Freude gehabt

Kultur / 29.03.2022 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Kauffmann hätte ihre Freude gehabt
Ausstellung im Angelika Kauffmann Museum

Malerei des Vorarlberger Künstlers Drago Persic im salon angelika.

Schwarzenberg Vielleicht hätten sie der großen Angelika Kauffmann einen kleinen Juchzer entlockt, die in fotorealistischer Manier perfekt gemalten Faltenwürfe von Drago Persic, als dramatisch inszenierte Requisiten auf einer Bühne ohne Akteure. Sicher jedenfalls hätte sie sich gefreut, dass das neue, der zeitgenössischen Kunst gewidmete Ausstellungsformat im Schwarzenberger Angelika Kauffmann Museum in Anlehnung an den legendären Salon der Künstlerin in Rom „salon angelika“ heißt.

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salon angelika ist eine der vier neuen Plattformen für Gegenwartskunst im Bregenzerwald, wird in Schwarzenberg als längerfristiges Konzept ab 2023 von Thomas Hirtenfelder kuratiert und bringt künftig alljährlich im Frühling eine zeitgenössische Position in die Museumsräume.

Der erste Künstler, der im salon angelika zu Gast ist, hat ebenso wie die Kauffmann auch eine besondere Beziehung zum Ort: Drago Persic ist in Schwarzenberg aufgewachsen. „Der Cowboy und die Meise“ nennt Persic seine Ausstellung, die sich wunderbar in die reduzierte Architektur des Raums und die Nischen, die die Längsseiten des Raums strukturieren, einfügt. Knapp 20 neuere und ganz neue Arbeiten sind zu sehen und verdeutlichen, worum es dem Künstler in seiner Malerei geht. Weniger dem Narrativen verpflichtet, als vielmehr auf die Stofflichkeit der Dinge fokussiert, gestalten sich seine Gemälde als zutiefst malerische, vergleichende Untersuchungen zum Zueinander von Stoff, Textur, Reflexion, Licht, Schatten und Material. Was Farben anbelangt, scheint sich Drago Persic mit der von ihm bevorzugten Palette von Grautönen vornehm zurückzuhalten. Dieser Eindruck täuscht, auf der Basis einer Mixtur von tiefem, kühlem Rußschwarz und strahlendem Titanweiß lebt der Maler seine Faszination für Farben, Lasuren, Pigmente und Bindemittel aus und erzielt eine Grisaille, die zuweilen sogar fast bunt erscheint. Neuerdings verwendet er auch sogenannte Grüne Erden, ein seit der Antike bekanntes, nach dem jeweiligen Herkunftsort bezeichnetes Erdpigment, das nur schwach deckend ist und in der italienischen Renaissancemalerei zur Untermalung von Hauttönen diente.

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Zu den Faltenwürfen, ebenso barock wie minimalistisch, die sich wie ein roter, Pardon grauer, Faden durch das Oeuvre ziehen, beispielhaft exerziert in einer Aneinanderreihung von Tüchern, die im umgebenden weißen Nichts an zwei unsichtbaren Punkten befestigt sind und deren Unterkante in weichen Falten auf einen nicht vorhandenen Boden fällt, gesellen sich filmisch inspirierte Arbeiten. Ähnlich wie Filmstreifen oder die Sedcards von Models aufbereitet, verweisen sie auf die Nähe des Künstlers zur Film- und Fotogeschichte.

So dekonstruiert Persic in seinen jüngsten, kleineren Werken vorhandenes visuelles Material wie Filmstills, Fotos und Dias aus seinem persönlichen Archiv oder Motive aus der Malerei von Angelika Kauffmann und schichtet diese Elemente in horizontalen Dreierfolgen übereinander, sodass sich unterschiedliche Zeiten und Bildwelten verschränken. Mit dabei sind unter anderem eine Darstellung von Amor und Psyche, Jerry Cotton, ein Cowboy und eine Hand im Lederhandschuh, die eine weiße Maus festhält. Alles bestens, aber wo ist eigentlich die Meise geblieben, die im Ausstellungstitel prominent aufscheint? Ariane Grabher

Die Ausstellung ist im Angelika Kauffmann Museum, Brand 34, Schwarzenberg, bis zum 17. April geöffnet, Fr bis So von 14 bis 17 Uhr.

Amor und Psyche von Drago Persic. <span class="copyright">persic</span>
Amor und Psyche von Drago Persic. persic