Wie eine hingewehte Zeichnung

Kultur / 06.04.2022 • 22:01 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bregenzer Festspielhaus mit nun nahezu fertiger Seebühne: „Madama Butterfly“ steht zum ersten Mal auf dem Programm. Stiplovsek
Bregenzer Festspielhaus mit nun nahezu fertiger Seebühne: „Madama Butterfly“ steht zum ersten Mal auf dem Programm. Stiplovsek

Das “Butterfly”-Podium steht parat, die Bregenzer Festspiele beginnen heuer aber auch schon vor dem Sommer.

Bregenz Ein wenig von der Herausforderung erspüren, die auf die Sängerinnen und Sänger der Seebühnenproduktion der Bregenzer Festspiele zukommt, das ist vor allem dann möglich, wenn Intendantin Elisabeth Sobotka mit dem kaufmännischen Direktor Michael Diem und dem Präsidenten Hans-Peter Metzler zum Richtfest lädt. Alle zwei Jahre kommt ein neues Werk auf den See, die Bühne soll im besten Fall eine Skulptur sein, in der sich das Thema der Oper verdichtet. Nach dem großen, rundum beweglichen Clown samt Ballon für “Rigoletto” von Verdi, gibt man sich für Puccinis “Madama Butterfly” nun scheinbar bescheidener. Aber immerhin, das gewellte Blatt Papier, das es hier in den Uferbereich geweht hat und das den Darstellern Trittfestigkeit abverlangt, misst 1340 Quadratmeter, wiegt etwa 300 Tonnen und ragt nur beim niedrigen Frühjahrswasserspiegel so weit wie jetzt aus dem See. Bis zum obersten Rand bespiel- bzw. begehbar, ist mit einer Bewegbarkeit des Podiums nicht zu rechnen.

Dass sich darauf aber einiges projizieren lässt, das wurde von Elisabeth Sobotka definitiv bestätigt, während sich Regisseur Andreas Homoki bezüglich noch hinzukommender Bühnenteile bedeckt hält. Wer offenen Auges die Bühne beschritt, hat aber auch entdeckt, dass das kleine Papierschiffchen auf der Seite groß genug ist, um einige Personen zu transportieren. Die Schienen am Seegrund lassen auf ein vor die Kulisse schiebbares Teil schließen und dass mit der unglücklich verliebten Cio-Cio-San und dem überheblichen Pinkerton die traditionelle japanische Kultur auf die USA trifft, wird noch mit Stars and Stripes akzentuiert.

Musik wie für den See geschaffen

Das Erspüren eines Ortes und die Abklärung der Möglichkeit habe zu “Madama Butterfly” geführt. Partout durchsetzen wollte die Intendantin das Werk nicht, doch die Musik sei wie geschaffen für den See. Bühnenbildner Michael Levine sieht im Blatt eine weggeworfene Zeichnung, Ausstatter Antony McDonald (der in Bregenz bereits “Ein Maskenball” und “La Bohème” mitverantwortete) setzt unter anderem auf erkennbar japanische Silhouetten. Und wenn man noch weiß, dass Homoki, der von der Umsetzung des 3-D-Bühnenmodells durch die Festspieltechnik begeistert ist, ein Amerika der 50er-Jahre im Auge hat, lässt sich bereits viel imaginieren. Tickets für “Madama Butterfly” gibt es noch, aber sie werden langsam rar, hieß es.

Am 20. Juli findet die Premiere statt. Bereits zu Ostern gibt es ein Festspiel-Intro mit Sartres “Geschlossene Gesellschaft” des Burgtheaters. “In der Fragestellung zur Freiheit und ihrer Konsequenz zeigt das Stück seine Substanz und hier erreicht das Spiel bzw. die Debatte von Lyssewski, Fritsch und Moretti besondere Dichte und Dringlichkeit”, hieß es im Bericht der Vorarlberger Nachrichten von der Premiere im Februar in Wien.

„Aus dem Erspüren des Ortes und der Abklärung der Möglichkeit ist ,Butterfly‘ entstanden.“

Ein Papierschiff fungiert als bewegtes Teil neben dem Zeichenblatt als zentralem Element.
Ein Papierschiff fungiert als bewegtes Teil neben dem Zeichenblatt als zentralem Element.
Sartres „Geschlossene Gesellschaft“ mit Tobias Moretti, Regina Fritsch und Dörte Lyssewski gibt es schon zu Ostern. Horn
Sartres „Geschlossene Gesellschaft“ mit Tobias Moretti, Regina Fritsch und Dörte Lyssewski gibt es schon zu Ostern. Horn
Seebühnenrichtfest mit Intendantin Elisabeth Sobotka, Regisseur Andreas Homoki, Ausstattern Michael Levine und Antony McDonald bei schönstem Frühlingswetter.

Seebühnenrichtfest mit Intendantin Elisabeth Sobotka, Regisseur Andreas Homoki, Ausstattern Michael Levine und Antony McDonald bei schönstem Frühlingswetter.

“Geschlossene Gesellschaft”, 16. und 17. April, Festspielhaus; Premiere “Madama Butterfly”, 20. Juli, Seebühne, Festspielsaison bis 21. August: bregenzerfestspiele.com