Was außerhalb des Unterrichts künstlerisch so abgeht

Kultur / 10.04.2022 • 20:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Was außerhalb des Unterrichts künstlerisch so abgeht
Werk “Empfindungszonen-Expertenrunde” von Edgar Leissing. AG

Lehrkräfte der Kunstschule Liechtenstein stellen ihr Schaffen in der Villa Claudia vor

FELDKIRCH Was lange währt, wird endlich gut. So auch im Fall der bereits 2020 in der Villa Claudia angesetzten, aus den bekannten Gründen immer wieder verschobenen Ausstellung „Close Up – Nah wie nie!“. Nun ist es aber soweit und die von Edgar Leissing auf Einladung der Vereinigung KunstVorarlberg mit Isabel Balzer kuratierte Schau stellt die Lehrenden der Kunstschule Liechtenstein abseits ihres schulischen Daseins mit ihrem eigenen kreativen Schaffen und in ihrer künstlerischen Diversität vor. Dass der Titel ein bisschen nach Werbeslogan klingt, ist kein Zufall.

Werk von Diego Balli. <span class="copyright">AG</span>
Werk von Diego Balli. AG

Die seit rund 30 Jahren bestehende, in Nendeln angesiedelte Kunstschule Liechtenstein möchte mit der Ausstellung auch jenseits der Landesgrenze auf sich aufmerksam machen. Und die Schau, so viel vorweg, rührt die Werbetrommel gehörig, denn die 18 präsentierten Positionen machen tatsächlich ganz viel Lust auf Kunst und Schule.

Enorme Bandbreite

Die Institution versteht sich als Ort der Kreativitätsförderung und ganzheitlichen Persönlichkeitsbildung, neben dem komplexen Unterrichtsprogramm ergänzt ein einjähriger gestalterischer Vorkurs das Angebot. Der Reiz liegt in der großen Pluralität und den unterschiedlichsten künstlerischen Strategien der Unterrichtenden, zu denen seit einigen Jahren auch der Bregenzer Maler, Zeichner und Grafiker Edgar Leissing zählt. Er hatte auch die Idee, die Lehrkräfte in einer Ausstellung zusammenzubringen und sich mit dem außerschulischen, gegenseitig oft unbekannten Schaffen einander vorzustellen. Die Bandbreite ist tatsächlich enorm und reicht von klassischen druckgrafischen Positionen, vertreten etwa durch die Radierungen und Akte von René Staub bis hin zu den „Digital Bugs“ von Manuela Bischofberger, zuständig für Digitale Medien, Animation/Film/Video. Sie wirft mit ihren aus der Diskrepanz von Hard- und Software resultierenden Programm- und Ladefehlern einen kritischen Blick auf die Verbreitung von (manipulierter) Information durch mediale Kanäle.

Werk von Martin Feichtinger. <span class="copyright">AG</span>
Werk von Martin Feichtinger. AG

Claudia Tolusso (Szenografie) zeigt an einem Kleiderständer den durch Homeoffice veränderten „Dresscode“ auf und auch Keramikerin Ursula Federli hat sich im Lockdown eingehend mit der Sprache ihres Mediums, der Leere von Gefäßen und dem Unvorhersehbaren beim Brennprozess befasst, wie 92 auf dem Boden arrangierte s/w-Schalen beweisen. Abstrahierende Malerei, die sich mit Materialeigenschaften beschäftigt und die Gleichzeitigkeit von Ambivalenzen zulässt, zeigt Karin Schuh, während Illustrator Diego Balli in seinen freien Arbeiten dem Erzählerischen und der Fantasie, inklusive Stilbrüchen, breiten Raum gibt.

Bücher klauen Das Verlangen, den flüchtigen Moment festzuhalten, hat Tänzerin Jacqueline Beck zur Fotografie gebracht. In ihren fotografischen Inszenierungen verwandeln sich die Modelle in betörend schöne Kunstfiguren. Buchgestalter und Verleger Jan Steinbach sorgt mit den verschiedenfarbigen und -sprachigen Ausgaben des Künstlerbuches „Wie man Bücher klaut“ von David Horvitz für einen humorvollen Einschub und auch Edgar Leissings farbenprächtige „Empfindungszonen-Expertenrunde“ zaubert einem ein Lächeln ins Gesicht, obschon die drei Herrschaften mit Tasse, Samenkapsel und Turnmatten im Antlitz selbst kaum zum Grinsen kommen.

Objekte von Ursula Federli.<span class="copyright"> AG</span>
Objekte von Ursula Federli. AG


Eine regalartige, umgehbare Landschaft aus Latten und Skulpturen, aus Bildern und Verweisen, aus Heimischem und fremden Kulturen pflanzt die Bildhauerin Lilian Hasler ins altehrwürdige Bürgerhaus, während Kunstschuldirektor aus Baumspitzen gefertigte filigrane Wünschelruten im Raum positioniert, sich Beate Frommelt in zarten Sedimentarbeiten von organisch-physikalischen Prozessen und konstruktiven Parametern anleiten lässt und Anna Hilti, 2021 mit dem Internationalen Kunstpreis des Landes Vorarlberg ausgezeichnet, in ihrer comicartigen Zeichenserie einer ausgestorbenen Liechtensteiner Orchideenart nachspürt. Außerdem in der Ausstellung zu sehen sind Arbeiten von Jürgen Beck, Werner Casty, Damiano Curschellas, Martina Feichtinger sowie Andrina Keller.

Ariane Grabher

Jacqueline Beck: "I am wonderland". <span class="copyright">AG</span>
Jacqueline Beck: "I am wonderland". AG

Die Ausstellung ist in der Villa Claudia, Bahnhofstraße 6, Feldkirch, bis zum 1. Mai geöffnet, Fr 16 bis 18 Uhr, Sa 15 bis 18 Uhr, So 10 bis 12 und 15 bis 18 Uhr

Lilian Hasler: "Das Ende des magischen Exotismus". <span class="copyright">AG</span>
Lilian Hasler: "Das Ende des magischen Exotismus". AG

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