“Weil die Immobilienpreise obszön hoch sind”

Kultur / 11.04.2022 • 20:01 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Caro Stark hat für ihr Projekt „Camouflage“, das bis 7. Juli läuft, den Container der Galerie Vor-Ort in Altach in ein schmuckes Eigenheim verwandelt. stark
Caro Stark hat für ihr Projekt „Camouflage“, das bis 7. Juli läuft, den Container der Galerie Vor-Ort in Altach in ein schmuckes Eigenheim verwandelt. stark

Caro Stark realisierte ein Projekt in der Galerie Vor-Ort und hat als Bühnenbildnerin viel vor.

Altach, Dornbirn Das Theater Unpop, das sie gemeinsam mit Stephan Kasimir leitet, trägt auch ihre Handschrift, schließlich bestimmt die Ausstattung in hohem Maß die Ästhetik der Projekte. Wer sich die Arbeiten von Caro Stark etwa für „Jedermann (stirbt)“ von Ferdinand Schmalz, für „Die dritte Republik (Eine Vermessung)“ von Thomas Köck oder „Die lächerliche Finsternis“ von Wolfram Lotz vor Augen führt, der weiß, was gemeint ist. Die Bühnenbildnerin, die ein Studium in Linz absolviert hat, ist nicht nur in Dornbirn, dem Sitz von Unpop, oder in Bregenz (wo sie mehrere Produktionen des Theaters Kosmos ausgestattet hat), sondern auch weiterhin überregional tätig. Im Theater Konstanz machte sie vor wenigen Wochen deutlich, wie sich der Witz in der Krimikomödie „Die 39 Stufen“ steigern lässt, wenn nicht nur das Tempo, sondern vor allem auch die Ausstattung passt, und demnächst erarbeitet sie mit dem Choreografen Tom Weinberger ein Stück, das im Herbst dieses Jahres in Luzern uraufgeführt wird.

Bevor Caro Starks Ideen in einer „Don Quijote“-Produktion im Mai in Dornbirn zur Wirkung kommen, ist sie wieder in ihrem zweiten Metier als bildende bzw. als Installationskünstlerin zu erleben.

Häuschen

„Camouflage“ ist die Arbeit mit viel Understatement übertitelt, die sie nun in der Galerie Vor-Ort in Altach umgesetzt hat, wo sie bis 7. Juli verbleibt. Bei der Einrichtung handelt es sich um einen Container in der Mühlbachstraße, der nach einem genialen Konzept von Verena Leija, Miriam Steinbock und Roland Adlassnigg zum Kunstpodium wurde, in dem bzw. bei dem während der pandemiebedingten Veranstaltungsverbote bildende Kunst berührungsfrei erlebt werden konnte. Die Initiative, die bislang dort realisierten Projekte sowie die Art der Kunstvermittlung erwiesen sich als derart großartig, dass eine Fortsetzung auf der Hand lag. Caro Stark stellt nichts aus, sie setzt ein Statement. Und was für eines. Der Container wurde zum schmucken Giebelhäuschen mit Gartenzaun umfunktioniert. Daneben erklärt sie sich auf einem Plakat zur CEO der Stark Group Real Estate. Mit viel Ironie und bissigem Humor wird bei Überzeichnung der Idylle bekundet, was in Vorarlberg nicht nur jenen Sorgen bereitet, die ein Eigenheim erwerben wollen, sondern auch jenen, die einfach nur zur Miete wohnen möchten. Die Immobilienpreise erreichen mittlerweile (aufgrund von Spekulationen oder was auch immer) nämlich „obszöne Höhen“.

Die Künstlerin als Immobilienmaklerin.
Die Künstlerin als Immobilienmaklerin.