Nichts für Frauenzimmer?

Kultur / 22.04.2022 • 17:57 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Klaus Christa hat für dieses Programm ein nach der französischen Komponistin Louise Farrenc benanntes Ensemble gegründet. Fritz Jurmann
Klaus Christa hat für dieses Programm ein nach der französischen Komponistin Louise Farrenc benanntes Ensemble gegründet. Fritz Jurmann

„Pforte“-Programm gewährt tiefe Einblicke in die Welt komponierender Frauen.

FELDKIRCH „Ein Frauenzimmer muss nicht componieren wollen“ befand Clara Schumann Mitte des 19. Jahrhunderts, um der Musikwelt im gleichen Atemzug mit ansehnlichen eigenen Werken das Gegenteil zu beweisen. Doch erst im 20. Jahrhundert wurden begabte Komponistinnen trotz aller gesellschaftlichen Vorbehalte mit ihren Emanzipationsbestrebungen auch ernstgenommen. Die Reihe „Musik in der Pforte“ präsentiert in ihrem dritten Abo-Konzert ein pralles Angebot von Musik dreier komponierender Frauen aus Vergangenheit und Gegenwart, das sowohl bezüglich der Werkqualität wie von deren Darbietung keinerlei Vergleiche zu scheuen braucht.

Üppig klangvolles Werk

Klaus Christa, findiger „Pforte“-Kurator und Musiker, hat sich seit vielen Jahren an deren Spuren geheftet, aus seinem anfänglichen Faible ist heute längst eine zeitaufwendige wissenschaftliche Aufarbeitung seiner Entdeckungen geworden, eine Art „Schatzsuche“, die durch Einspielungen bei namhaften Firmen, Anfragen von Archiven, Radiostationen und Veranstaltern nach Notenmaterial zusehends internationales Echo hervorruft. Und bald wird man bei Nennung des Namens Bach nicht allein an den großen Johann Sebastian denken, sondern auch an Maria, die 1896 in einen kulturbeflissenen Haushalt in Baden bei Wien hineingeboren wurde und sich dort in den 1930er-Jahren zu einer angesehenen Komponistin entwickelte.

Nach drei bereits früher hier vorgestellten und inzwischen auf CD festgehaltenen Kammermusikstücken wird diesmal ihr zweites Streichquartett präsentiert, ein wunderbar melodiöses, üppig klangvolles Werk aus dem reichen Fundus der Spätromantik. Und wie bereits bei ihrem „Wolga-Quintett“ nimmt sie auch hier volksmusikalische Traditionen wie ein spanisches Wiegenlied zur Vorlage für ihren zart aufblühenden Variationensatz. Im weiteren Verlauf sind es dann alte Tanzformen wie eine Pavane oder der damals durch Ravel gerade aktuelle Bolero, die ihr in weiteren Sätzen das rhythmische Grundgerüst für fantasievoll ausschweifende Melodik und gestraffte Harmonik geben. Das ungezügelte Finale, ein „Rumänischer Tanz“, weist in eine gewisse Nähe zu Bartóks Werk von 1915, freilich in durchaus eigenständiger Gestalt. Insgesamt ein Werk, das damit nach hundert Jahren wohl das erste Mal wieder erklungen ist („besser als nie“, so Christa) und mit dem Namen der Komponistin derzeit internationale Konzertsäle zu erobern beginnt.

Es spricht für Christas Weitblick, dass er für dieses Programm eigens ein nach der französischen Komponistin Louise Farrenc benanntes Ensemble gründete. Neben ihm als Bratschisten und Mathias Johansen als Cellisten lud er die beiden fantastischen Geiger Mayumi Kanagawa und Jevgenijs Cepoveckis dazu ein, die alle gemeinsam für eine atemberaubend durchdachte und durchpulste Wiedergabe auf exzellentem Niveau stehen. Die Musiker nehmen sich quasi kein Blatt vor den Mund, spielen sich ihre Begeisterung für diese Musik ungefiltert von der Seele. Dieselbe Sorgfalt wird auch für das Klavierquintett g-Moll der aus einer Wiener Beamtenfamilie stammenden Johanna Müller-Hermann (1868-1941) verwandt, bei dem die in London tätige Pianistin Katya Apekisheva den unglaublich virtuosen Klavierpart quasi mit links bewältigt. Dieses Werk stammt vom Ende des 19. Jahrhunderts, doch geht die Komponistin hier einen Schritt weiter als Maria Bach, bringt in oft leicht geschärfter Tonalität mit zunehmender Chromatik aktuelle Entwicklungen in ihre Tonsprache ein. Die vier breit angelegten Sätze besitzen in ihrem Fluss der Einfälle oft fast sinfonischen Charakter, sind brillant gestaltet und werden mit größter Intensität vorgetragen.

Viel Zustimmung vom Publikum

Das Kontrastprogramm ist mit dem Auftragswerk „On Connection“ der an der Wiener Musikuni tätigen Jazzpianistin und Komponistin Verena Zeiner zugedacht. In ihrem Klavierquintett geht es nach dem Motto des Abends um ein Suchen, Finden und Verbinden in einem menschlichen Sinn. Tastend vorsichtige Klangflächen der Streicher werden gestört durch perkussive Klaviertöne. Über minimalistischen Klavierfiguren nehmen Themen konkretere Gestalt an, bis am Höhepunkt das Ziel erreicht ist und alles wieder auf Anfang geht. Eine dichte, leicht nachvollziehbare Komposition, die beim Publikum viel Zustimmung findet. JU

3. Konzert: 23. April, 17 Uhr, Frauenmuseum Hittisau; 4. Abo-Konzert der „Pforte“: 12. Mai 19 Uhr, 13. Mai 20 Uhr, Pförtnerhaus Feldkirch; 14. Mai 17 Uhr, Frauenmuseum