Ballonspektakel mit tieferer Bedeutung

Kultur / 25.04.2022 • 18:52 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Euter-Ballon wurde in die Mitte der drei Schiffe gezogen.
Der Euter-Ballon wurde in die Mitte der drei Schiffe gezogen.

Euter-Ballon von Barbara Anna Husar hob über dem Bodensee ab und transportierte besondere Botschaft.

Hard, Romanshorn Wetter und Wind spielten mit. Sie waren das Zünglein an der Waage, als die MS Oesterreich von Hard aus in Richtung Romanshorn steuerte, um mit der MS Säntis und der MS St. Gallen in einem spannenden Schiffsmanöver unter Anleitung der drei Kapitäne ein Schiff-Triptychon zu bilden. Mit den Romanshorner Luftspielen sorgte die 1975 in Feldkirch geborene Künstlerin Barbara Anna Husar am Wochenende über dem Bodensee für Aufsehen. Mit ihrer inzwischen 16. Euter-Erhebung bot die in Wien lebende Vorarlbergerin rund 300 Passagieren durch die Interaktion mit den Kräften der Natur einen magischen Dreiklang aus Tradition, Neuinterpretation und Umweltbewusstsein.

Der Mensch und seine Umwelt

Ihr rosafarbener, 35 Meter hoher Heißluftballon in Form eines Kuheuters, den sie als soziale Skulptur bezeichnet, stand auch schon 2020 im Zentrum der Bregenzer Luftspiele. Mit ihren Euterballonerhebungen verschafft die Künstlerin aktuellen Themenbereichen wie der nachhaltigen Landwirtschaft oder ressourcenschonendem und ethischem Handeln eine höhere Sichtbarkeit. „Das Euter wurde im menschlichen Maximierungswahn erbarmungslos ausgebeutet und zeigt sich nun losgelöst von gewohntem Kontext“, sagt Husar. Ihre Euter-Erhebung beleuchte „als Sinnbild für Mammalia, Weiblichkeit und Urquelle alles Nährenden“ die bewusste Interaktionen des Menschen mit seiner Umwelt. „Die Neupositionierung im Himmel lässt einen hoch aufgespannten Kommunikationsraum entstehen, durch den sich Wahrnehmung und Wertschätzung auf neuer Ebene einstellt.“

Die historischen Schiffe wurden zusammen mit dem Ballon zur Bühne. Mit dem Erklingen von Ronja Svaneborgs „Ritual Echoes“ – einer Neuinterpretation des Alpsegens für neun Alphörner auf drei Schiffen und eine menschliche Stimme – verwandelte sich der Ballon in einen magischen Klangkörper. Über dem größten Trinkwasserspeicher Europas hat Regina Hügli zudem zwölf Quellwasserproben an Bord der drei Schiffe gebracht – Quellwasser von jeweils drei Flüssen, Strömen und ihren Zubringern, die an diesen Dreifach-Wasserscheiden entspringen und in unterschiedliche Richtungen fließen. Durch fein versprühte Quellwasserproben wurde die Dynamik dieser Lebensadern erfahrbar gemacht.

Neun Alphörner waren Teil des Klangkörpers.
Neun Alphörner waren Teil des Klangkörpers.
Das außergewöhnliche Konzertereignis auf den drei historischen Schiffen verfolgten rund 300 Passagiere. Elmar Bertsch
Das außergewöhnliche Konzertereignis auf den drei historischen Schiffen verfolgten rund 300 Passagiere. Elmar Bertsch