Warum ein Bregenzer Kulturprojekt einen unguten politischen Beigeschmack hat

Kultur / 27.04.2022 • 15:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Warum ein Bregenzer Kulturprojekt einen unguten politischen Beigeschmack hat
Mit Uwe Jäntsch (hier im Kunstraum Kollektiv) wäre ein umfangreiches partizipatives Projekt in Bregenz realisiert worden: ÖVP und Grüne haben es abgelehnt. VN/Paulitsch

Die Opposition im Rathaus der Landeshauptstadt lehnt einen der Amtsvorschläge für die große Sommerausstellung ab.

Bregenz Mit der Stimmenmehrheit der ÖVP und der Grünen hat sich der Stadtrat in Bregenz bei der letzten Sitzung für ein Sommerausstellungsprojekt der Künstlerin Ines Agostinelli ausgesprochen und dabei eines der beiden Projekte der Kulturserviceleiterin Judith Reichart und damit den Amtsvorschlag für das Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis abgelehnt.

Diese Vorgehensweise ist höchst ungewöhnlich und hat insofern einen politischen Beigeschmack, dass es die ÖVP und die Grünen waren, die vor ein paar Monaten gegen Judith Reichart Vorwürfe erhoben hatten, die sich nach eingehender Überprüfung durch die Justiz allesamt als völlig haltlos erwiesen haben. Reichart ist vollständig rehabilitiert und seit 8. April wieder im Amt.

Das Projekt, das Kulturserviceleiterin Judith Reichart mit Gottfried Bechtold konzipiert hat, wird umgesetzt. <span class="copyright">Hutz/König</span>
Das Projekt, das Kulturserviceleiterin Judith Reichart mit Gottfried Bechtold konzipiert hat, wird umgesetzt. Hutz/König

Aus seiner Perspektive halte sich die Politik an die Expertisen der Fachleute im Kulturservice. „Diese sind deren Aufgabe“, so Bürgermeister Michael Ritsch (SPÖ), dessen Liste sich für eine große Ausstellung des bedeutenden in Vorarlberg sowie im Ausland tätigen Künstlers Uwe Jäntsch aussprach. Reicharts umfangreiches Konzept sah vor, dass sich mehrere Institutionen, darunter solche, die vor allem von jungen Künstlerinnen und Künstlern frequentiert sind, am Gesamtprogramm beteiligen.

Nach einer Einreichung von Stadtrat Michael Rauth (ÖVP) hat sich der Stadtrat auch mit dem Konzept der Künstlerin Ines Agostinelli befasst. Es sieht die „Reaktivierung der ,Randspiele‘ anlässlich ihres 50. Jubiläums“ vor. Dieser Vorschlag bezog sich ursprünglich nicht auf einen bestimmten Ort und war einmal auch für das Magazin 4 vorgesehen. Im Künstlerhaus sollen nun Dokumente, Filme und/oder einst bei den Randspielen ausgestellte Werke gezeigt werden. Die Randspiele standen in den 1970er-Jahren im Zentrum des Aufbruchs gegen die konventionelle Kulturpolitik und Veranstaltungsszene in Vorarlberg.  Agostinelli muss das Konzept allerdings verfeinern und vor allem straffen, weil es die für die Sommerausstellung vorgesehenen Kosten um ein Drittel überschreitet.

Plakat der einstigen Randspiele.  <span class="copyright">Archiv</span>
Plakat der einstigen Randspiele. Archiv

Ob es zu einer Beteiligung der Kosten durch das Land kommt, steht noch nicht fest. Dazu gibt es noch keine Einreichung, erklärte Kulturabteilungsleiter Winfried Nussbaummüller im Gespräch mit den VN.

Geklärt sei, dass sich das Land am Budget für das große Projekt von Gottfried Bechtold, dem zweiten Vorhaben von Kulturserviceleiterin Judith Reichart, beteiligt.

Ein großes Projekt, das Uwe Jäntsch schon vor Jahren bei der Biennale Venedig realisiert hatte und das Gentrifizierung wie Kapitalismus thematisiert, ist in Venedig nicht überbaut, sondern immer noch sichtbar. <span class="copyright">VN/cd</span>
Ein großes Projekt, das Uwe Jäntsch schon vor Jahren bei der Biennale Venedig realisiert hatte und das Gentrifizierung wie Kapitalismus thematisiert, ist in Venedig nicht überbaut, sondern immer noch sichtbar. VN/cd