Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Politwillkür in Bregenz?

Kultur / 29.04.2022 • 22:05 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Im Jahre 1972, also vor genau fünfzig Jahren, wurden die Bregenzer Randspiele, die zum Meilenstein in der Vorarlberger Kulturgeschichte wurden, zum ersten Mal durchgeführt. Erst Ines Agostinelli hat das vor kurzem mit ihrer Einreichung zur Bregenzer Sommerausstellung zum Thema gemacht. Sinnvollerweise hätte man diese Idee schon vor einem Jahr haben können, dann wäre ausreichend Vorbereitungszeit gewesen, so wird es Agostinelli nicht leicht haben, bis zum Sommer das Bregenzer Künstlerhaus – und möglicherweise andere Spielorte – mit Reminiszenzen an die legendären Anti-Festspiele der siebziger Jahre zu füllen.

Bemerkenswert ist, dass die Entscheidung des Bregenzer Stadtrates für diese Ausstellung nun ins politische Gezerre kommt. Es gab drei Angebote für die Sommerausstellung, darunter eines der nach größeren Konflikten wieder eingesetzten Leiterin des Kulturservice, Judith Reichart, das im Stadtrat keine Mehrheit fand. Dass sich das zuständige Gremium für die von Kulturstadtrat Michael Rauth eingebrachte Randspiel-Ausstellung entschieden hat, scheint mir nachvollziehbar. Immerhin gibt es das 50-Jahr-Jubiläum nur dieses Jahr, jede andere Ausstellung kann man auch in einem oder zwei Jahren machen.

Daraus eine Bösartigkeit und „Politwillkür“ von Schwarz und Grün in der Stadtpolitik gegenüber Reichart abzulesen, scheint etwas weit hergeholt. Man darf auch darauf hinweisen, dass Judith Reichart zwar von allen juristischen Vorwürfen freigesprochen wurde, dass es daneben aber auch noch so etwas wie eine politische Verantwortung gibt. Und die wurde in jüngerer Zeit vom Prüfungsausschuss der Stadt Bregenz (in dem SPÖ, ÖVP, Grüne und Neos vertreten sind) untersucht. Ein Rohbericht, der noch nicht öffentlich ist, der den VN aber vorliegt, stellt Judith Reichart kein gutes Zeugnis aus. Da ist viel von überzogenen Budgetposten die Rede, ebenso von nicht zulässigen und nicht genehmigten Verschiebungen im Budget sowie von nicht vorhandenen Verträgen bei Vergaben, ebenso habe die Information der Mitarbeiterinnen sehr zu wünschen übrig gelassen. Auf viele Fragen habe die Leiterin des Kulturservice dem Ausschuss keine befriedigende Antwort und vor allem keine Belege vorlegen können, es sei, gelinde gesagt, schlampig gearbeitet worden. Der Schlusssatz des Berichtes ist bekannt geworden, er gibt folgende Empfehlung: Eine Besetzung des Kulturservice mit entsprechender Erfahrung und Ausbildung sei anzustreben. Sprich: Eine Neubesetzung. Die Entscheidung über die Sommerausstellung könnte also in Kürze das kleinste Problem bei der Stadt Bregenz sein.

„Sinnvollerweise hätte man diese Idee schon vor einem Jahr haben können, dann wäre ausreichend Vorbereitungszeit gewesen.“

Walter Fink

walter.fink@vn.at

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.