Raubkunst als Krimikost

Kultur / 29.04.2022 • 17:32 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Raubkunst als Krimikost

Mónica Subietas führt in die Zürcher Clubszene sowie zu einer Fluchtgeschichte.

Roman Wieso hängt ein Original von Gustav Klimt im Zürcher Musikclub „Kafi Glück“? Das erfährt man in Mónica Subietas‘ Roman „Waldinneres“. Die Autorin stammt aus Barcelona und lebt seit 2008 in Zürich. Sie schildert das Milieu der Zürcher Kunstszene ebenso kenntnisreich wie dasjenige der Clubszene. Gott regiert nicht im Himmel, sondern in einer Bar, wo man am Tresen nur zwischen den Figuren Maria und Jesus bestellen kann. Gott heißt eigentlich Gottfried. Er hat die Eltern früh verloren und ist nach Trips um den Globus in die Schweiz zurückgekehrt. In seinem „Kafi Glück“ lebt er nun gesellig, ohne irgendjemandem wirklich nahe sein zu müssen.

Ein unerwartetes Erbe beschert ihm der Anruf einer Bank. Sein Vater deponierte einst ein wertvolles kleines Landschaftsgemälde im Safe und weist Gottfried in einem Brief an, den rechtmäßigen Besitzer zu suchen und es ihm zurückzugeben. Geschickt verwebt Subietas das Schicksal eines verschollenen jüdischen Kunstsammlers, der vor den Nazis in die Schweiz floh, mit Gottfrieds Suche nach seinen familiären Wurzeln. Rasch entwickelt sich in diesem Umfeld ein spannender Raubkunstkrimi, der die Schweiz während des Zweiten Weltkriegs als Fluchtort zeigt, der mit der eigenen Neutralität ringt. Vielleicht wirkt „Waldinneres“ gerade deshalb etwas oberflächlich, denn im Vordergrund steht nicht die existenzielle Fluchtgeschichte von damals, sondern der alltägliche Eskapismus der Verschonten von heute.

“Waldinneres”, Mónica Subietas, S. Fischer Verlag, 256 Seiten.