Feldkircher Kulturkreis wird 50, das Theater am Saumarkt 45

Kultur / 02.05.2022 • 16:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sie schaffen Kultur: Geschäftsführerin Sabine Benzer und die Vorstandsmitglieder Helene Amann, Walter Müller, Regina Zink, Werner Gerold, Erika Kronabitter und Marie-Rose Rodewald-Cerha mit Obmann Peter Bilger. <span class="copyright">Hefel</span>
Sie schaffen Kultur: Geschäftsführerin Sabine Benzer und die Vorstandsmitglieder Helene Amann, Walter Müller, Regina Zink, Werner Gerold, Erika Kronabitter und Marie-Rose Rodewald-Cerha mit Obmann Peter Bilger. Hefel

Der Begriff “Kultur für alle” wird hier umgesetzt.

FELDKIRCH Der Kulturkreis Feldkirch und das Theater am Saumarkt stehen für autonome und innovative Kulturarbeit. Heuer findet ein Doppeljubiläum statt, das in einem Festakt thematisiert wurde. Peter Bilger, Obmann des Kulturkreises Feldkirch, gab einen kurzen, prägnanten Rückblick zur Entstehungsgeschichte. Vor 50 Jahren hatte eine Gruppe Kulturtätiger den Kulturkreis Feldkirch gegründet. Im Mittelpunkt ihrer Kulturarbeit standen Theater, Kabarett und Literatur. Für jede einzelne Veranstaltung musste nach geeigneten Räumen gesucht werden. Im Jahr 1978 fand sich dann eine geeignete Räumlichkeit mitten in der Stadt, nämlich die Werkstatt der Spenglerei Härtenberger. Diese wurde von den Mitgliedern des Kulturvereins unter der Leitung des Architekten Erich Steinmayr mit viel Enthusiasmus umgebaut. So entstand das heutige Theater am Saumarkt. Der Trägerverein des Saumarkts ist aber nach wie vor der Kulturkreis Feldkirch, dessen Vorstandsmitglieder ehrenamtlich die Kulturarbeit gestalten. „Mit dem Begriff Kulturarbeit ist oftmals eine Vorstellung von Selbstverwirklichung verbunden. Aber es gilt nichts zu beschönigen. Kulturarbeit ist fordernd und herausfordernd. Gleichzeitig ist sie aber auch eine ideale Möglichkeit, den Homo Ludens in sich auszuspielen. Angesichts der rasanten Entwicklung in Sachen Neoliberalismus und Digitalisierung kann Kulturarbeit aber auch ein humanitäres Gegengewicht bieten, sie kann auch eine Einübung in Demokratie darstellen. Kulturarbeit geschieht jedoch nach wie vor zu oft unter dem Zeichen von Ausbeutung.“

Obmann Peter Bilger.<span class="copyright"> Müller</span>
Obmann Peter Bilger. Müller

Stephanie Gräve, Intendantin des Vorarlberger Landestheaters, skizzierte in ihrer Festrede die gesellschaftliche Wirkung von Kulturarbeit für die Allgemeinheit: „Die Gesellschaft hat sich in den letzten vierzig Jahren so verändert, wie ich es mir in den 1980iger-Jahren nicht hätte vorstellen können. Ich wurde 1968 in eine Welt geboren, in der eine Aufbruchsstimmung herrschte. Damals setzte man sich unter anderem mit Fragen der Macht und des Faschismus auseinander. In der Kunst begannen die Aufräumarbeiten, es sollte ein Bollwerk gegen die Barbarei des Faschismus errichtet werden.“ Es ging vor allem auch um die Frage, was hierfür notwendig sei: „Ein Erfolg konnte nur gewährleistet werden, wenn tatsächlich alle Mitglieder der Gesellschaft mitgenommen werden. Kultur sollte nicht mehr ein Privileg der Reichen sein, sondern, es galt der Begriff: Kultur für alle.“ Genau diese Entwicklung habe das Theater am Saumarkt bereits 1972 aufgegriffen und erfolgreich umgesetzt.

Teilhabe als Kernaussage

Gräve schilderte ihre eigenen Erfahrungen in dieser Zeit: „Ab den 1980-iger Jahren wurde ich sehr konkret politisiert. Es wurde mir immer mehr bewusst, dass es geeignete Impulse braucht, um die Menschen aus der Mitte der Gesellschaft zu erreichen. Wir waren gefordert, uns einzumischen.“ Es galt ein alternativer Kulturbegriff, damit Menschenbildung erzielt werden konnte: „Ich wurde im Ruhrgebiet katholisch erzogen. Aber auch in der Kirche bildete sich – wie in der Kulturarbeit – Offenheit, Transparenz und Innovationskraft heraus.“ Stephanie Gräve erinnerte sich, vor 40 Jahren oft ohne Bezahlung in der Kulturarbeit gearbeitet zu haben, da dies ganz selbstverständlich als Praktikum im Studium gesehen wurde. Ab dem Jahr 2000 geschah eine Öffnung zu partizipativen Elementen: „Der Begriff der Partizipation stammte aus der freien Szene, wie vieles andere. Es bleibt müßig zu überlegen, ob wir hier etwas abgekupfert oder neu interpretiert haben.“ Sie plädierte abschließend für den Begriff der Teilhabe, insbesondere in Kunst und Kultur gelte es, die Dinge zu teilen: „Ich denke, dass Kulturschaffende eine gesellschaftliche Veränderung wollen. Und das ist gut so.“ Monika Bischof