Wie sich das Pfahlbaumuseum in 100 Jahren entwickelt hat

Kultur / 09.05.2022 • 21:15 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Museumsleiter Gunter Schöbel vor den 100-jährigen Steinzeithäusern des Pfahlbaumuseums. <span class="copyright">CHV</span>
Museumsleiter Gunter Schöbel vor den 100-jährigen Steinzeithäusern des Pfahlbaumuseums. CHV

Pfahlbaumuseum feiert großes Jubiläum mit einer Sonderausstellung.

Unteruhldingen Mit bis zu 300.000 Besuchern im Jahr zählt das Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen zu den meistbesuchten Attraktionen am Bodensee. Heue feiert das Freilichtmuseum sein 100-jähriges Jubiläum mit der neuen Sonderausstellung „Pfahlbaumuseum Unteruhldingen – eine Idee wird geboren“, im August soll eine Festwoche folgen. Am 12. März 1922 wurde der Museumsverein gegründet und schon am 1. August wurden die ersten zwei Häuser des 2011 zum Unesco Weltkulturerbe zählenden Museums eröffnet. Seit Langem ist ein Forschungsinstitut für Vor- und Frühgeschichte angeschlossen. Seit 1993 leitet Gunter Schöbel, Professor am Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen, das Museum.

Unruhig wie die jetzigen Zeiten war auch die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, aber die Gründerväter haben das Wagnis eines neuen Museums auf sich genommen, obwohl das Land und die Bewohner, besonders die Fischer der Ufergemeinden, große Bedenken hatten. Zum Jubiläum wurden die damals in wenigen Monaten aufgebauten ersten zwei Steinzeithäuser, die bisher als Lagerräume genutzt wurden, aufwendig restauriert. Die Sonderausstellung erzählt im ersten die Museumsgeschichte, im zweiten wurde die originale Einrichtung mit Ofen, Webstuhl, Steinbohrer, Pflug und Bärenfell rekonstruiert. Auf kritische Fragen versicherte Schöbel, dass schon damals erstaunlich gute wissenschaftliche Erkenntnisse zugrunde lagen. Treibende Kraft bei der Gründung war vor allem der Bürgermeister Georg Sulger, den man nun in einem aus Originalquellen rekonstruierten Interview als begeisterten Pfahlbauforscher erleben kann.

Über 15,6 Millionen Besucher haben seit der Gründung des Museums die Zeitreise in die Vorzeit erlebt, die jeweils den neuesten Stand der Archäologie vorstellt. Heute enthält die Anlage 23 rekonstruierte Häuser aus der Jungsteinzeit und Bronzezeit (ca. 4000 bis 850 v.Chr.), ausgestattet mit Nachbildungen und Inszenierungen. Originalfunde sind in der Weltkulturerbe-Ausstellung „Das Erbe der Pfahlbauer“ zu sehen. Auf dem Rundgang erläutern Infotafeln das Leben von Ötzi und seinen Zeitgenossen, ihre technischen Errungenschaften, ihr medizinisches Wissen, ihre europäischen Verbindungen und auch ihre Ernährung. Von der Paläo-Diät haben schon viele gehört, doch wie war die Ernährung in Wirklichkeit? Fragen über Fragen und immer wieder faszinierend, auch wenn man schon öfter dort war. CHV