Es darf auch laut sein

Kultur / 10.05.2022 • 19:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Residentie Orkest unter Anja Bihlmair war ein Begleiter, wie man ihn sich nur wünschen kann. Fehle
Das Residentie Orkest unter Anja Bihlmair war ein Begleiter, wie man ihn sich nur wünschen kann. Fehle

Den Trommelwirbel lieferte sich Musikstar Martin Grubinger gleich selbst.

Dornbirn Fachsimpelt man über Konzertstücke für das Schlagwerk, dann ist meist ein Name nicht weit: Martin Grubinger. Der geborene Salzburger ist das, was man heute einen Multi-Perkussionisten nennt. Sprich, wenn der 38-Jährige loslegt, dann wird da meist (fast) alles aufgeboten, was das Schlagwerk so liefern kann. Genau so war es auch beim „Dornbirn Klassik“-Konzert Martin Grubingers mit dem Residentie Orkest aus Den Haag unter der Leitung der Dirigentin Anja Bihlmaier.

Schneller als das Auge sehen oder das Ohr hören kann, flitzten da die Sticks über Trommeln, Marimbas oder das Kuhglockenspiel. Der gefeierte Weltstar Martin Grubinger, der derzeit Artist in Residence des Bodenseefestivals ist, weiß einfach, was er da tut. Und das Schöne da­ran, man hört förmlich, dass es ihm, bei aller Konzentration und Meisterschaft, Spaß macht. Das übertrug sich eins zu eins auf das Publikum im vollbesetzten Dornbirner Kulturhaus, das Martin Grubinger erst nach zwei Zugaben wieder ziehen ließ.

Beinahe brav

Vor den Zugaben aber gab es mit Benjamin Brittens Mahler-Bearbeitung von „Was mir die Blumen auf der Wiese erzählen“ ungewohnt Heiteres. Es sei wohl das Unbekümmertste, was er je geschrieben habe, meinte Mahler selbst einmal. Das stimmt, und Anja Bihlmaier präsentierte Mahler hier auch in einer unbekümmerten, ganz selbstverständlichen Schönheit, die teilweise beinahe brav und sittsam wirkte.

Dann aber schlug Grubinger mit Avner Dormans Konzertstück für Schlagwerk ganz andere Töne an. Brav war da nichts mehr. „Frozen in Time“, ein Stück, das inspiriert von Martin Grubinger auch für ihn geschrieben wurde, zeigte musikalische Schnappschüsse aus der Geschichte der Erde. Da verwebten sich im ersten Satz indische Rhythmen mit Afrikanischem. Da wurde es im zweiten Satz, der Eurasien porträtiert, genauso zart wie auch abgründig, bis es im dritten Satz zwischen Jazz und Grunge pendelte. Dass der Applaus losdonnerte, kaum dass der letzte Ton verklungen war, verstand sich von selbst.

Als Sahnehäubchen obendrauf gab es dann einen sanft-zarten Bach und eine technische Übung, bei der dem Publikum angesichts des angeschlagenen Tempos das Hören und Sehen verging. Einfach beeindruckend und grandios. Das Residentie Orkest unter Anja Bihlmair war dabei einfach ein Begleiter, wie man ihn sich nur wünschen kann.

Wunderschöne Musik

Dass es der Begleiter aber auch im Alleingang faustdick hinter den Ohren hat, davon konnte man sich dann im zweiten Teil des beeindruckenden Konzertabends überzeugen. Denn hier stand mit Robert Schumanns „Frühlingssinfonie“ einfach nur wunderschöne Musik auf dem Programm und Johannes Brahms ungarischer Tanz Nummer 6 als Draufgabe war der Garant für den perfekten Ausklang.  Schön, dass wieder so musiziert werden kann.

Wenn Martin Grubinger loslegt, dann wird da meist (fast) alles aufgeboten, was das Schlagwerk so liefern kann. Victor Marin, BODENSEEFESTIVAL
Wenn Martin Grubinger loslegt, dann wird da meist (fast) alles aufgeboten, was das Schlagwerk so liefern kann. Victor Marin, BODENSEEFESTIVAL

Das Bodenseefestival läuft noch bis 6. Juni im gesamten Bodenseeraum. Nächstes Konzert: Or Brüm, akustische Traumreise, 11. Mai, 20 Uhr, Ravensburger Zehntscheuer