Wo die Sticks über Trommeln oder das Kuhglockenspiel flitzen

Kultur / 10.05.2022 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Man hört förmlich, dass es ihm, bei aller Konzentration und Meisterschaft, Spaß macht. <span class="copyright">Victor Marin</span>
Man hört förmlich, dass es ihm, bei aller Konzentration und Meisterschaft, Spaß macht. Victor Marin

Den Trommelwirbel lieferte  sich Musikstar Martin Grubinger gleich selbst.

Dornbirn Fachsimpelt man über Konzertstücke für das Schlagwerk, dann ist meist ein Name nicht weit: Martin Grubinger.

Der geborene Salzburger ist das, was man heute einen Multi-Perkussionisten nennt. Sprich, wenn er loslegt, dann wird da meist (fast) alles aufgeboten, was das Schlagwerk so liefern kann. Genau so war es auch beim „Dornbirn Klassik“-Konzert Martin Grubingers mit dem Residentie Orkest aus Den Haag unter der Leitung von Anja Bihlmaier. Schneller als das Auge sehen oder das Ohr hören kann, flitzten da die Sticks über Trommeln, Marimbas oder das Kuhglockenspiel. Martin Grubinger, der derzeit Artist in Residence des Bodenseefestivals ist, weiß einfach, was er da tut. Und das Schöne daran, man hört förmlich, dass es ihm, bei aller Konzentration und Meisterschaft, Spaß macht. Das übertrug sich eins zu eins auf das Publikum im vollbesetzten Dornbirner Kulturhaus, das Grubinger erst nach zwei Zugaben wieder ziehen ließ.
Vor den Zugaben aber gab es mit Benjamin Brittens Mahler-Bearbeitung von „Was mir die Blumen auf der Wiese erzählen“ ungewohnt Heiteres. Es sei wohl das Unbekümmertste, was er je geschrieben habe, meinte Mahler selbst einmal. Das stimmt, und Anja Bihlmaier präsentierte Mahler hier auch in einer unbekümmerten, ganz selbstverständlichen Schönheit, die teilweise beinahe brav und sittsam wirkte.

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Fehle

Dann aber schlug Grubinger mit Avner Dormans Konzertstück für Schlagwerk ganz andere Töne an. Brav war da nichts mehr. „Frozen in Time“, ein Stück, das inspiriert von Martin Grubinger auch für ihn geschrieben wurde, zeigte musikalische Schnappschüsse aus der Geschichte der Erde. Da verwebten sich im ersten Satz indische Rhythmen mit Afrikanischem. Da wurde es im zweiten Satz, der Eurasien porträtiert, genauso zart wie auch abgründig, bis es im dritten Satz zwischen Jazz und Grunge pendelte. Dass der Applaus losdonnerte, kaum dass der letzte Ton verklungen war, verstand sich von selbst. Als Sahnehäubchen obendrauf gab es dann einen sanft-zarten Bach und eine technische Übung, bei der dem Publikum angesichts des angeschlagenen Tempos das Hören und Sehen verging. Einfach beeindruckend und grandios. Das Residentie Orkest unter Anja Bihlmaier war dabei einfach ein Begleiter, wie man ihn sich nur wünschen kann. Dass es der Begleiter aber auch im Alleingang faustdick hinter den Ohren hat, davon konnte man sich dann im zweiten Teil des Konzertabends überzeugen. Denn hier stand mit Robert Schumanns „Frühlingssinfonie“ einfach nur wunderschöne Musik auf dem Programm und Brahms ungarischer Tanz Nummer 6 als Draufgabe war der Garant für den perfekten Ausklang. Schön, dass wieder so musiziert werden kann.

Das Bodenseefestival findet noch bis 6. Juni im gesamten Bodenseeraum statt. Nächstes Konzert: Or Brüm, eine akustische Traumreise, 11. Mai, 20 Uhr, Ravensburger Zehntscheuer: bodenseefestival.de

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