Anspruchsvoll, witzig und lehrreich

Kultur / 12.05.2022 • 20:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Szene aus „Die Zeitreise­maschine“.
Szene aus „Die Zeitreise­maschine“.

Die Jungen Bregenzer Festspiele wurden mit “Die Zeitreisemaschine” (mit viel lokaler Unterstützung) gestartet.

Bregenz Mit Fug und Recht nennt das Kulturunternehmen am Bodensee einen Programmteil mittlerweile Junge Festspiele, und dieser wurde am Donnerstag gestartet. Eine Familienoper hatte auch schon David Pountney im Angebot, aber nachdem Schülerinnen und Schüler in den Sommerferien schwer zu erreichen sind, hat Elisabeth Sobotka umdisponiert. Schon vor der Pandemie wurden die Festspiele somit bereits im Mai aktiv, heuer ist das Intro zur Hauptsaison besonders umfangreich und zu einem beachtlichen Teil auf Kinder, Jugendliche und Familien ausgerichtet. Nach der Aufführung des Sartre-Klassikers „Geschlossene Gesellschaft“ in Kooperation mit dem Wiener Burgtheater zu Ostern und vor einem Musikvermittlungsprojekt mit der Vorarlberger Gruppierung „Die Schurken“ im Juni gab und gibt es nun „Die Zeitreisemaschine“ des deutschen Komponisten Detlef Heusinger, wobei die Zusammenarbeit des Landestheaters mit Detmold noch um jene mit einer großen lokalen Initiative erweitert wurde, nämlich mit Superar Vorarlberg.

Richtig ausflippen

Dieser Partner der Produktion sorgte für die Kinderstimmen, die von Magdalena Fingerlos, Jakob Peböck und Victoria Türtscher gut geschult wurden. Der Auftritt dieses bunten Chores, dem durchaus schwierige Partien auferlegt sind, führte zu großer Begeisterung in den mit viel Nachwuchs besetzten Publikumsreihen, deren spontane Reaktionen die hohe Qualität dokumentierten. Der Aufführung gebannt folgen und am Schluss einmal richtig ausflippen – das beobachtet man gerne. Dabei ist „Die Zeitreisemaschine“ weder von der Geschichte her und schon gar nicht von der Musik her ein Werk, das derlei Reaktionen mit erprobten Mitteln provoziert. Ein Geschwisterpaar – Frida und Felix – ist mit einem Großvater konfrontiert, der mit etwas viel Erinnerungsoptimismus nervt. Früher soll alles besser gewesen sein – das kennt man. Die Zeitreisemaschine des Vaters ermöglicht den Blick – und den Flug – ins Paris des 19. Jahrhunderts, wo der Komponist Gioachino Rossini mit den Umständen hadert und mit der Unzufriedenheit seiner Mitwelt konfrontiert ist. Die Situation spiegelt im Grunde auch die Lebenswirklichkeit der beiden Jugendlichen wider und beflügelt den Wunsch, gestalterische Möglichkeiten im eigenen Leben aktiv zu nutzen.

Ein schöner Schluss im Drehbühnenbild, dessen Proszenium auf einer Seite einem modernen Notebook gleicht, während sich auf der anderen die florale Ornamentik hochrankt. Rossinis Ansprüchen werden Emily Dorn (Mama/Isabella) und Theodore Browne (Papa/Figaro) gerecht, Louise Heckel und Friedrich Addicks (Frida und Felix) begeistern mit toller schauspielerischer Begabung, Stefan Stoll (Opa, Rossini) verbindet das erzählerische Idiom des Komponisten Detlef Heusinger mit dem Rossini-Part und Lutz Rademacher leitet das Detmolder Symphonische Orchester, das um ein Welleninstrument und Elektronik erweitert wurde, mit bestem Gespür für die Raumakustik und die Stimmen. Anspruchsvoll, berührend, ernst, märchenhaft, witzig und lehrreich – mehr geht an sich nicht.

Der Superar Chor Vorarlberg wirkte in der Familienoper mit. bf/köhler
Der Superar Chor Vorarlberg wirkte in der Familienoper mit. bf/köhler

Weitere Aufführung der “Zeitreisemaschine” am 13. Mai, 10 Uhr, im Bregenzer Festspielhaus.