Hier gab es ein Erlebnis für Musikfreunde und Cineasten

Kultur / 15.05.2022 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Orchester Arpeggione unter der Leitung von Izabella Shareyko und dem Solisten Benjamin Schmid im Rittersaal des Palastes in Hohenems. <span class="copyright">Arpeggione/Winkler</span>
Orchester Arpeggione unter der Leitung von Izabella Shareyko und dem Solisten Benjamin Schmid im Rittersaal des Palastes in Hohenems. Arpeggione/Winkler

Das Arpeggione Orchester bot einem breiten Publikum ein Fest mit Nachdenkpotenzial.

Hohenems Es kann nicht nur ein Zufall sein, sondern basiert wohl auch auf einem guten Gespür, dass das Hohenemser Orchester Arpeggione nun ein Konzert in seiner Abonnementreihe hatte, dessen Programm wie geschaffen war, um es in das viertägige Festival Emsiana einzubinden, das nach zweijähriger Pandemiepause nun wieder stattfinden konnte. Das Thema Nachbarschaft fokussierte Hohenems mit seinem ehemaligen Jüdischen Viertel, dem seit über 30 Jahren bestehenden Jüdischen Museum, seinen städtebaulichen Ambitionen und mit einem gräflichen Renaissancepalast, dessen Rittersaal Veranstaltern offensteht.

So auch dem Unternehmen Arpeggione, das seinen Kammerorchestercharakter bei einem Teil des aktuellen Auftritts völlig ablegte, es stand nämlich nicht nur Schuberts 5. Sinfonie, sondern auch das Konzert für Violine und Orchester in D-Dur von Erich Wolfgang Korngold auf dem Programm. Kenner dürften berechtigte Zweifel gehegt haben, ob sich das in diesem Raum wohl ausgeht. Mit der Celesta in der ersten Publikumsreihe, dem quasi an der Wand klebenden Schlagwerk, auf beengte Nachbarschaft eingestellte Bläser – Korngold verlangt auch ein Kontrafagott – und der im Hintergrund agierenden Harfenistin Ulrike Neubacher (die im Übrigen eine hervorragende Konzerteinführung bot) ging es sich aus. Schließlich konnte man mit Benjamin Schmid einen der renommiertesten Geiger Österreichs als Solisten engagieren, dessen immer wieder erfolgte Hinwendung zum Jazz ihn für dieses Korngold-Werk geradezu prädestiniert.

<span class="copyright">Arpeggione/Winkler</span>
Arpeggione/Winkler

Es ist gespickt mit technischen Raffinessen, die im besten Fall so locker und mit nicht zu viel perkussiven Effekten gemeistert werden wie von Schmid, denn wenn ein Werk nun wirklich Vergnügen bieten soll, dann ist es dieses. Zudem lässt sich auf wunderbare Weise nachspüren, welches seiner Filmthemen Korngold hier wohl wie verwendet hat. Man bekommt sie komprimiert geboten, was die Arpeggione-Musikerinnen und -Musiker hörbar inspiriert hat, offerierten sie unter der Leitung von Izabella Shareyko (Gründerin des Vienna Philharmonic Women’s Orchestra) mit viel Bedacht auf den Raumklang doch Momente voller Spannung.

Solist Benjamin Schmid. <span class="copyright">VN/CD</span>
Solist Benjamin Schmid. VN/CD

Zwei Zugaben erklatschte sich das Publikum. Mit einer Komposition von Thomas Gansch verwies Benjamin Schmid auf sein großes Repertoire, mit dem Lied „Youkali“ von Kurt Weill (1900-1950) erinnerte er an einen weiteren Vertriebenen. Weill wie Korngold (1897-1957) konnten aufgrund ihrer jüdischen Herkunft der Ermordung in der Zeit des Nationalsozialismus nur durch Flucht in die USA entkommen. Dort wurde Korngold für seine Filmkompositionen mehrfach mit einem Oscar ausgezeichnet. Vor allem seine Oper „Die tote Stadt“ steht im deutschsprachigen Raum wieder öfter auf dem Spielplan. Die mittlerweile auch dokumentierte Produktion unter Kirill Petrenko an der Bayerischen Staatsoper sei bei dieser Gelegenheit besonders empfohlen.

Das Werk von Korngold löste besondere Begeisterung aus. <span class="copyright">VN/CD</span>
Das Werk von Korngold löste besondere Begeisterung aus. VN/CD

Bei Franz Schuberts 5. Sinfonie, bei der in den Konzertsälen gegebenenfalls auch größer aufgetrumpft wird, hatte man seine Hörgewohnheiten zu Beginn sozusagen auf das kleine Format einer Kammerorchesterbesetzung umgestellt, was vielen Musikfreunden ohnehin behagt. Die Herausforderung, dem Menuetto (3. Satz) viel Farbe abzugewinnen, hat begeistert wie der temperamentvolle Schluss und das Ausmaß der von Izabella Shareyko intendierten Lieblichkeit. Nebenbei sei bemerkt, dass es Arpeggione nicht nur gelingt, den Nachwuchs etwa durch das Engagement von Sonderbegabungen (wie beim nächsten Termin) zu fördern, sondern dass das Orchester auch viel junges Publikum anzieht.

Nächstes Arpeggione-Konzert am 11. Juni, 19.30 Uhr, im Rittersaal des Palastes in Hohenems mit jungen Musiktalenten aus aller Welt als Solisten.